Zitat am Freitag: Char über das Sehen

Der Mensch, würde er von Zeit zu Zeit nicht
souverän die Augen schliessen,
er sähe zu guter Letzt nicht mehr,
was angeblickt zu werden verdient.

Rene Char, französischer Dichter (1907-1988)

Zitat aus: René Char, Poésies/Dichtungen. Frankfurt am Main, 1959. S. 139. Gefunden in: Matthias C. Müller: Alle im Wunderland : Verteidigung des gewöhnlichen Lebens (Rezension in Vorbereitung)

In Hamburg lebten zwei Ameisen und weitere Gedichte von Joachim Ringelnatz / Illustriert von Christine Sormann

Wer Jarg näher kennt, weiß, dass er Ringelnatz und seine Gedichte (und auch seine vielen unbekannte Prosa) sehr schätzt. Viele von ihnen sind bereits moderne Klassiker und werden mit jeder Generation neu entdeckt. Natürlich greift Jarg daheim bei Gedichtbedarf gerne zur schönen, rot gebundenen Werkausgabe von Ringelnatz oder zur Gesamtausgabe seiner Gedichte (beide erschienen bei Diogenes) oder nimmt sich die alte, kleine, fein illustrierte Auswahl aus dem Karl H. Henssel-Verlag mit auf die Zugfahrt. Aber es geht für Einsteiger auch anders:
Einen ersten, ansprechend und humorvoll von Weiterlesen

Lieder von Liebe und Tod / Bobo

Ein Album mit deutschen Volksliedern und vertonten klassischen und romantischen Gedichten weckt nicht unebdingt hohe Erwartungen: viele Volkslieder kennt man in den unterschiedlichsten klassischen Interpretationen. Auch das vertonte Gedicht lässt einen zunächst eher an die klassisch-strenge, von zumeist zeitgenössischer Musik inspirierte und umspielte Variante denken.
Bobo (In White Wooden Houses) alias Christiane Bobolina Hebold, der ausgewiesene Theatermusiker Sebastian Herzfeld (präpariertes Klavier) und Annette Kaftan (Saxophon und Bassklarinette) wagen mit “Lieder von Liebe und Tod” eine Neuinterpreation, die gekennzeichnet ist von extrem Weiterlesen

Gedicht für einen Goldfisch / Jean-Pierre Siménon ; Olivier Tallec ; Franz Hohler

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Arthur ist in Sorge. Sein kleiner Goldfisch Leo langweilt sich zu Tode. Aber seine Mutter weiss Rat und gibt Arthur den Tipp, Leo ein Gedicht zu geben. Ein Ge-dicht? Arthur überlegt, was das sein könnte. Im Kühlschrank ist keins, auch nicht im Besenschrank, unter dem Bett. Da geht er zu Manolo, dem Fahrradhändler, Frau Kugler, der Bäckersfrau und dem alten Mahmud. Er erfährt, dass ein Gedicht den Himmel auf der Zunge spüren und den Herzschlag der Weiterlesen

Vermischung / Jorinde Jelen


Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt’.
(aus: Joseph von Eichendorff, “Mondnacht”)
Eichendorff? Rilke?? Was hat das mit Jazz zu tun? Sehr viel, denn Jorinde Jelen und ihre Musiker zeigen auf ihrem bemerkenswerkenswerten Album “Vermischung” unter anderem je ein vertontes Gedicht dieser beiden schon klassischen deutschsprachigen Dichter und finden dafür eine eigene musikalische Sprache. Subtil arrangiert, machen Jelens Gesang und die perfekt darauf abgestimmten Musiker daraus zwei bemerkenswerte Songperlen, die die klassischen Gedichte zeitlos in die Gegenwart transformieren.
Doch Jorinde Jelen, Bastian Ruppert (Gitarre, Posaune), Steffen Greisinger (Piano), Christian Sievert (Kontrabass, Gesang) und Michael Kersting (Schlagzeug, Udu) glänzen nicht nur damit, sich mutig Weiterlesen

Melancholie & Gesellschaft / PeterLicht

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Gesellschaftskritik im Lied kann ja ganz schön nervend sein, oberlehrerhaft und ätzend. Nicht so bei PeterLicht, dem seit 2001 unter diesem Namen bekannten Kölner, der immerhin Träger des vornehmlich in Literaturkreisen bekannten Ingeborg-Bachmann-Preises ist: mit “Melancholie & Gesellschaft” hat der Musiker und Dichter, von dem keinerlei Fotos bekannt sind, nun erstmals ein Album mit einer kompletten Band aufgenommen. Und das sind nun wirklich wunderbare, akkurate Wort- und Satzkonstruktionen mit feinem Wortwitz, die hier aus der deutschen Sprache gewoben werden, unterlegt mit Weiterlesen

Krokus / Erdmöbel

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Erdmöbel sind leider bisher komplett an mir vorbeigegangen. Mit “Krokus” habe ich heute auf der in der Morgenfrühe begonnenen Zugfahrt zum Samstagsdienst die 1995 in Münster gegründete Band für mich entdeckt und bin sehr positiv überrascht: hier gibt es ausgesprochen kreativ Weiterlesen

Fünfter sein / Ernst Jandl ; Norman Junge

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Die meisten Kinder lieben Reime, Sprachspiele und Gedichte. Von Ernst Jandl, dem genialen Dichter, Wortverdreher und Sprachspieler, stammt das Gedicth “Fünfter sein”, in dem es schlicht um das Warten beim Weiterlesen

Gil Scott-Heron: I’m new here

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Gedichte & Erlebtes im Sprechgesang, vorgetragen mit knarziger, macnhmal leicht brüchiger Stimme. Dazu mal eine einsame Gitarre, mal ein Piano und ein paar Samples, ein trauriger Blues, ein ganzer Gospelchor oder dramatische, bedrohliche Soundeffekte. Das ist kein Album zum Mitwippen, Mitsingen, keine gefällige Musik …. Gil Scott-Heron beschönigt nichts und blickt dem Tod und damit dem Leben Weiterlesen