Gott hat hohe Nebenkosten : wer wirklich für die Kirchen zahlt / Eva Müller

Kirchen, diakonische Einrichtungen, kirchliche Wohlfahrtsverbände sind von der Gewerbesteuer befreit und werden dadurch um etwa 17 Milliarden € jährlich entlastet, erhalten jährlich staatliche Zuschüsse in Höhe von mehr als 50 Milliarden € und weitere finanzielle Vergünstigungen und Subventionen zusätzlich zur den etwa 10 Milliarden Einnahmen aus der Kirchensteuer ihrer Mitglieder. Kirchentage werden in der Regel zu etwa 50% vom Staat bezahlt, wie zuletzt in Hamburg. Der Staat zahlt Bischöfe und bezahlt auch für die Ausbildung von Religionslehrern. Kirchen und ihre Unternehmen haben zudem ein eigenes Arbeitsrecht, das sie vehement verteidigen.
Wir reden von den Kirchen in Deutschland, einem vorgeblich säkularen Land, in dem die Trennung von Kirche und Staat aber leider nur oberflächlich ist. Die finanziellen Ausmaße, die die Kirchenprivilegien seit den entsprechenden gesetzlichen Regelungen von 1952 (in der Weimarer Verfassung waren solche Privilegien unbekannt) angenommen haben, sind ja seit Christian Frerks hervorragend recherchiertem “Violettbuch Kirchenfinanzen” hinlänglich bekannt: der deutsche Staat überträgt Kirchen und ihren Unternehmen (sogenannten Wohlfahrtsverbänden) staatliche Aufgaben, zahlt dafür (etwa 99% des entstehenden Aufwandes) – und interessiert sich danach nicht mehr dafür, welche Arbeitsbedingungen dort herrschen oder welche Folgen die Delegation staatlicher Aufgaben an weltanschaulich gebundene, durch staatliche Subventionen erst konkurrenzfähige Einrichtungen auf die Arbeitnehmer, den Inhalt der bestellten Dienstleistung und deren “Zielgruppen” hat.

“Gott hat hohe Nebenkosten” widmet sich mittelbar auch diesem Thema, verbindet dies aber unmittelbar mit der erschütternden Fallgeschichte der Erzieherin und Kindergartenleiterin Bernadette Knecht aus Rauschendorf: am Beispiel ihrer Kündigung aufgrund einer Scheidung und eines neuen Lebenspartners, des Kampfs der von ihrer Arbeit begeisterten Eltern zunächst (fruchtlos) um den Erhalt ihres Arbeitsverhältnisses und danach um die Kündigung des Vertrags mit der Kirche als Träger durch die Stadt, werden die Auswüchse deutlich, die Weiterlesen

Fast vergessen : Handwerkliches Erbe / Christine Frenkenberger ; Walter Seitz-Krautstorfer ; Björn Thönicke

Eine ganze Reihe von Berufen sind durch die Mechanisierung oder den Wandel von Bedürfnissen und Gewohnheiten fast ausgestorben oder in Vergessenheit geraten, andere haben sich aus ähnlichen Gründen so stark verändert, dass ursprüngliche Elemente des Berufes fast komplett verloren gegangen sind. Zur erstgenannten Gruppe gehören sicher Sattler, Hutmacher, Messermacher oder Ofenkeramiker, zur zweiten könnte man den Bäcker zählen, der zwar als Ausbildungsberuf noch vorhanden ist, als handwerklicher Beruf allerdings schon fast als ausgestorben gelten kann, wenn man sich die Produkte in den meisten Bäckereien und Supermärkten ansieht. Dann gibt es natürlich noch Handwerksberufe, die relativ exotisch sind wie etwa den Blechblasinstrumentenbauer, den Harfenbauer oder den Säckler.
Basierend auf einer Fernsehserie, berichtet “Fast vergessen” in zwanzig Kapiteln über die vorgenannten Berufe und darüber hinaus über etliche weitere wie den Latschenölbrenner oder den Weiterlesen

Eisbär, Elch und Eule : von Schnee und Eisbewohnern / Bibi Dumont Tak. Mit Illustrationen von Martijn van der Linden.

Walrosse haben es nicht leicht: sie sind ungeheuer schwer, brauchen jeden Tag 35 Kilo Futter und haben bis auf die langen Stoßzähne kein Gebiss. Damit zeigen sie beeindruckend, dass die Natur alles andere als perfekt ist und über Jahrmillionen Jahre an Evolution teilweise bizarre Lösungen hervorbringt. Die Lösung besteht beim Walross darin, dass es Weiterlesen

Doktor Oldales geographisches Lexikon / John Oldale

“Wie bitte? Einzelnen Kugeln ausweichen? Die könnten nicht mal einen Elefanten aus solcher Entfernung treffen”

(Letzte Worte von Generalmajor John Sedgwick, dem ranghöchsten Todesopfer der Union im amerikanischen Bürgerkrieg)

Geografische Lexika zeichnet meistens aus, hochverdichtet Informationen, Datenund Fakten zu Ländern und Regionen zu liefern, dabei je Land ein vorgebenes Raster abzuarbeiten von möglichen geschichtlichen Aspekten bis hin zu Geologie, Wirtschaft, Politik, Religion, ja womöglich bis zur Alphabetisierungsquote und dem Anteil von Datteln oder elektroporösen Kugellagern am Export. Das ist interessant – aber manchmal auch sehr ermüdend, vor allem, wenn man vielleicht aufgrund mangelnden Lesestoffes eigentlich das ganze Lexikon lesen möchte und nicht nur einzelne Artikel zur gezielten Information.
Doktor Oldales geographische Lexikon ist da anders. So erfahren wir unter dem Stichwort “Antarktika”, dass Pinguineier nach dem Kochen ein leuchtendes Orangerot beim Eigelb aufweisen und wenig appetitlichen Weiterlesen

In den Bergen der Kopfjäger : Indiens wilder Nordosten / Peter van Ham

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Der aufgrund seiner Forschungsarbeiten über Indien international anerkannte Peter van Ham bereist seit vielen Jahren die hierzulande kaum bekannte Region der „Sieben Schwestern Indiens“: im Nordosten des Subkontinents gelegen, zeichnen sich diese nahezu vergessenen Bundesstaaten zwischen Tibet und Burma, die lange Sperrgebiet war, nicht nur durch ihre urtümlichen, schwer Weiterlesen

Das Buch : eine illustrierte Geschichte / Martyn Lyons

Es gibt Formen, die kaum zu verbessern sind, weil sie sich in ihrer Grundform über Dutzende, ja Hunderte von Jahren entwickelt haben. Löffel, Teller, Eimer, Bleistift oder Stuhl gehören dazu. Ebenso natürlich das Buch an sich, das seit über zweitausend Jahren zu den von jeder Generation neu entdeckten und weiterentwickelten und trotzdem in ihren grundsätzlichen Eigenschaften kaum veränderten Gegenständen gehört.
Martyn Lyons breitet in seinem in kurze, prägnante Abschnitte gegliederten Bildband die Geschichte des Buches vor uns aus: von den frühesten Schriftzeugnissen aus Weiterlesen

Ziegen : freundliche Querköpfe / Lutz Schiering

Eine Ziegenbuchrezension auf Jargsblog? Wandelt sich Jargsblog zum Nututierblog, zum Blog der Freunde von Capra aegagrus hircus, einer Gattung der Hornträger (Bovidae). Dies ist nicht unbedingt zu erwarten, aber ich muss zugeben, dass dieses wunderbare Buch über Ziegen in mir schon den vagen gedanken aufkommen liess, zum Ziegenhalter zu mutieren. Ein Gedanke, der vielleicht gar nicht so abgwegig ist, seit auf Initiative der besten Ehefrau von allen ein Islandpferd zur Familie gehört.
Zum Buch: Schiering unternimmt mit seinem Buch einen Parforceritt – nein, nicht auf der Ziege, sondern durch die Weiterlesen

Verfressen, sauschnell, unkaputtbar : das phantastische Leben der Kakerlaken / Hannes Sprado

Vielleicht ist es Ihnen auch schon so ergangen wie mir in einem heruntergekommenen brasilianischen Hotel vor etlichen Jahren: nachts spazierte munter eine kleine Schaar Kakerlaken unter dem Türspalt hindurch ins Zimmer. Der Kakerlakenstosstrupp wollte wohl mal routinemäßig checken, ob der neue Gast irgendwelche verwertbaren Substanzen in ihr Revier eingeschleppt hat. In dieser nacht habe ich jedenfalls nicht gut geschlafen …
Auch wenn man Kakerlaken gemeinhin mit Ekel und Abscheu begegnet und dies auch nicht ohne Grund, bleibt doch etwas Faszinierendes an diesen Tierchen, die seit etwa Weiterlesen

Kleines Lexikon der Reise-Irrtümer / Nele-Marie Brüdgam

Mythen, Mißverständnisse und Irrtümer über das Reisen gibt es ebenso viele wie es Bücher über das Reisen gibt: manche Irrtümer sind verzeihlich, gehören in den Bereich des Gerüchtes, des Klischees oder der Halbwahrheit, andere kann man nur noch als gefährlich, massiv irreführend und manchmal auch schlichtweg als dümmlich bezeichnen. Die lange Liste der Reise-Irrtümer im Buch der 1967 geborenen Reisejournalistin Nele-Marie Brüdgam reicht unter anderem vom Azorenhoch und der Bahn als Ärgernis und zugleich umweltfreundlichstes Verkehrsmittel über die stets und immer helfenden deustchen Botschaften, die sichersten Plätze im Flugzeug, das Internet als zuverlässige Quelle zur Gesundheitsinformation bis hin zum idealen, vom unfangreichen heimischen Koffer- und Taschenvorrat zu untertützenden Weiterlesen

Gebrauchsanweisung für die Welt / Andreas Altmann

“Reisen verblödet. Das ist so wahr wie das Gegenteil. Weil so mancher darauf besteht, nur das zu sehen, was er bereits weiß. Zu wissen glaubt. er umrundet zehn Mal den Globus und landet immer wieder als derselbe Ignorant, als der er vor Urzeiten von Bord gegangen war. Das ist wie mit einem Kind, das zur Schule geht. Passt es nicht auf, wird es nichts lernen. Nie. Nicht anders der Erwachsene, der die Welt besucht. Er muss es achtsam tun, erpicht, er muss hungern und dürsten nach Wissen und Weisheit, nach allem, was herzugeben sie bereit ist. Hinschauen reicht nicht. Wie das (wache) Kind muss er fragen, fragen, fragen. Tut er das hartnäckig genug, wird er begreifen, dass wir – er und die vielen anderen – uns ziemlich ähneln. Und: dass wir uns gleichzeitig gewaltig voneinander unterscheiden. Das macht den Reichtum der Welt aus.”

Nicht selten findet man unter den “Gebrauchsanweisungen” aus dem Piper-Verlag wahre reiseliterarische Preziosen: so eine ist die “Gebrauchsanweisung für die Welt” von Andreas Altmann, die man jedem in die Hand drücken sollte, der sich aufmacht, unseren blauen Planeten zu bereisen und zu entdecken.
Altmann schreibt über den Weiterlesen

Tatsache Evolution / Ulrich Kutschera

“Nichts in der Biologie ergibt einen Sinn, außer im Lichte der Evolution” (Theodosius Dobzhansky, zitiert nach a.a.O., E-Book-Ausgabe, S. 376)

Während meiner Testreihe zu E-Book-Readern entdeckte ich in der “Onleihe zwischen den Meeren” das lesenswerte Buch “Tatsache Evolution” von Ulrich Kutschera, dessen gehaltvoller Lektüre ich mich nicht mehr entziehen konnte:
Die Bedeutung von Charles Darwin für die Befreiung der Wissenschaft von theologischen Fesseln und für die Begründung der modernen synthetische Evolutionstheorie kann heute gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Evolution wird in der seriösen Wissenschaft aufrgund der evidenten Belege heute als Tatsache betrachtet und die synthetische Evolutionstheorie als Weiterentwicklung und Korrektur der Ansätze für Darwin und anderen zur Erklärung der Entstehung und laufenden Entwicklung des Lebens kontinuierlich verbessert, ausdifferenziert und ergänzt:

“Heute stehen folgende auf Darwins Thesen-System basierende Befunde fest. Alle Organismen entwickelten sich im Zuge realhistorischer Abstammungsprozesse (Evolution) aus bakteriellen Ur-Formen; der Artenwandel vollzog sich in der Regel graduell, obwohl es im Verlauf der Erdgeschichte Evolutions-Schübe gegeben hat. [...] Die von Darwin (1859/1872) postulierte Vervielfachung der Arten im Verlauf der Erdgeschichte (Diversifikation) ist. z. B. bei den Trilobiten, Käfern, Säugetieren und Blütenpflanzen eindeutig belegt und die von Darwin und Wallace (1858) erstmals im Detail vorgestellte natürliche Selektion hat alle diese Evolutionsprozesse in entscheidendem Maße vorangebracht.” (a.a.O., S. 373)

Kutschera weist aber auch auf die neuesten Erkenntnisse etwa der Makroevolution oder von Konstantin Mereschkowsky begründeten Symbiogenese hin. Am Beispiel u.a. des Elefantenzahns weist er nach, dass die Natur mitnichten perfekt entwickelte Organismen hervorbringt und stellt der irrationalen Lehre vom Intelligent Design (Kreationismus) zusätzlich die erdrückenden Belege für die realhistorischen Prozesse der Evolution entgegen. Ausführlich geht er auf die verschiedenen Erdzeitalter, auf Evolutionsschübe und der Einfluss einer dynamischen Erde auf die Ausformung und Entwicklung von Lebensformen ein.

»Zu Zeiten Darwins war die Evolution eine Hypothese. Heute kann sie als erwiesen betrachtet werden.« (Theodosius Dobzhansky, a.a.O., S.

Trotz des immensen Fachwissens, das sich hinter Kutscheras Zeilen spüren lässt, gelingt es ihm, sein Thema anregend und mit wissenschaftshistorischen Reminiszenzen angereichert zu vermitteln. Dabei setzt er den Fokus auf Charles Darwin und seine Forschungen, zieht aber den Bogen über die Aktualisierungen bzw. Bestätigungen seiner Theorien, die Ansätze anderer Wissenschaftler bis hin zum heutzutage schier unüberschaubaren, weil stark ausdifferenzierten Forschungsgebiet der Evolutionsbiologie.
»Zu Zeiten Darwins war die Evolution eine Hypothese. Heute kann sie als erwiesen betrachtet werden.« Theodosius Dobzhansky
Ein Sachbuch für den interessierten Laien, das anregt, sich mit dem faszinierenden Thema Evolution und der Geschichte unseres Lebens und unserer individuellen biologischen Existenz zu beschäftigen, die mehrere Milliarden Jahre alt ist.

Das Sonnensystem : eine Entdeckungsreise … / Marcus Chown

Bereits 2010 veröffentlichte die Edition Fackelträger ein das aussergewöhnlich schöne Sachbuch “Die Elemente” von Theodore Gray. Daher waren die Erwartungen an das vorliegende, etwas größere Dimensionen betrachtende Sachbuch entsprechend hoch – und sie wurden nicht enttäuscht.
Der britische Physiker Marcus Chown liefert mit dem vorliegenden Titel ein Weiterlesen

Vegetarismus : Grundlagen, Vorteile, Risiken / Claus Leitzmann

Viele, die sich in den 80er Jahren wie ich für eine vegetarische Ernährungsweise entschieden haben, können sich sicher noch lebhaft erinnern, wie das war. Man bekam in normalen Restaurants als Vegetarier nicht selten Hühnchen angeboten oder aber einen Teller mit Weiterlesen

Das hier ist Wasser : Anstiftung zum Denken ; [This is water] / David Foster Wallace

“There are these two young fish swimming along and they happen to meet an older fish swimming the other way, who nods at them and says, ‘Morning, boys. How’s the water?’. And the two young fish swin on for a bit, and the eventually one of them looks over at the other and goes, ‘What the hell is water?’” (S. 39)

Wir alle leben in unseerem “winzigen, schädelgroßen Königreich” und sind in unserer Grundeinstellung geneigt, uns für den Mittelpunkt des Universums zu halten. Unseres Universums. So können wir geneigt sein, jeden Tag zu leben in der Welt des “Siegens, Leistens und Blendens” und nehmen für Freiheit, was eigentlich nur noch aus den immer gleichen Abläufen besteht, die wir täglich neu durchlaufen: äußerlich lebendig doch innerlich tot.
David Foster Wallace plädiert in dieser 2005 gehaltenen Abschlussrede vor Absolventen eines amerikanischen Colleges, aus diesen Weiterlesen

Jargsblogs Beste 2012: Sachbücher

Auch bei den Sachbüchern gab es in diesem Jahr einige bemerkenswerte, anregende und schöne Lektüren, die an dieser Stelle keinesfalls fehlen sollten. Die Auswahl ist auch hier nicht einfach: aus den auf Jargsblog rezensierten Büchern habe ich letztlich zehn ausgewählt, die mich in diesem Jahr besonders beschäftigt und begeistert haben:


Den Blick für die Natur um uns herum in Stadt und Land schärft das hervorragend illustrierte und schön edierte “Naturgenies : die verblüffenden Tricks der Tiere und Pflanzen”, das nicht nur eine kleine Einführung in die Entstehung und den Aufbau allen Lebens bietet, sondern mit einem Weiterlesen

Momentum / Roger Willemsen

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“Jeder, der in der Nacht trunken über das Kopfsteinpflaster nach Hause geht und den Schatten betrachtet, der vor ihm nach Hause schwankt, und die Häuserwände, die zu beiden Seiten aufragen und die schlafenden Brüstchen der Vögel fühlt, die unter den Dachvorsprüngen sitzen, wie sie sich heben und senken und so weiter, der muss sich sagen, das bist du schon lange nicht mehr, sondern es ist die mitgeführte Vorstellung deiner selbst, du Geisel einer Neigung, in Sätzen zu sehen. Doch dann hat die Nachtbäckerei schon geöffnet, ich trete, satt wie ich bin, in den warmen Geruch des Gebäcks, kaufe zwei heiße Brioches und habe das Fassbare gleich als schmelzenden Zuckerguss an meinen Fingern” (Roger Willemsen: Momentum, S. 249)

Es gibt Bücher, bei denen es schwer fällt, sie einem Genre zuzuordnen, Bücher, denen die mehr oder weniger passende Schublade, in die man sie aus verständlichen, menschlichen Erwägungen nach Einteilung und Verständnis der Welt heraus geneigt ist zu stecken, nicht gerecht wird. Nun gibt es eine Menge Bücher, bei denen das Weiterlesen

Kunst versteht keine Sau … / Sandra Danicke

Moderne Kunst kann rätslehaft, verstörend, beunruhigend sein: Eine Frau mit Omakittelschürze hält eine Schüssel vor sich und wird von Kartoffeln umschwirrt. Ein riesiger Riss spaltet den Boden der Londoner Tate Modern und verunsichert die Besucher. Ein ausgeleuchteter Showroom mit Prada-Schuhen steht mitten in der texanischen Wüste. Eine leere, verschlossene Ladengalerie, in der die zur Eröffnung geladenen Besucher durch die Schaufenster nur die hinter einer Wand hervoragenden Beine eines auf den Boden liegenden Mannes sehen können. Eine schmutzige, nachthemdbekleidete Frau in einem Blumenfeld, dass sich wiederum in einem schummerigen Zimmer befindet …
Sandra Danicke zeigt am Beispiel Weiterlesen

Neues vom Nachbarn : 26 Länder, 26 Menschen / Oliver Lück

“Dies ist nicht das Ende, aber auch kein neuer Anfang. Es liegt irgendwo dazwischen [...] Vielleicht ist jeder Anfang aber auch das Ende von dem Vorhergehenden, wer weiß das schon. Oder jeder Anfang ist einfach bloß der Anfang und das Ende einfach bloß das Ende – das kann auch sein” (David Ronaldo, Clown, Belgien)

Alle Welt redet derzeit von Europa: leider jedoch wird das Thema meist verkürzt auf die Streitereien zum Thema Euro und auf billige Witzchen über die Friedensnobelpreisverleihung an die EU. Bei aller auch berechtigten Kritik an der zu raschen Erweiterung des EU- und Euro-Raums, an der Wirtschafts- und Finanzpolitik, der überbordenden Brüsseler Bürokratie und der fehlenden demokratischen Legitimation Europas verkürzt sich der Blick dadurch jedoch unzulässig. Denn Europa ist mehr als der Euro, mehr als Straßburg & Brüssel.
Der Journalist und Fotograf Oliver Lück und sein Hund Locke, ein Hovawart, machen sich in einem alten VW-Bus T3 auf den Weg: über 20 Monate und 50.000 Kilometer reisen sie durch Europa, treffen einen baskischen Chillibauern, eine irische Geschichtenerzählerin, einen litauischen Bernsteinfischer, den estnischen Weltrekordhalter im Schaukeln, die norwegische Grenzgängerin und Extrembergsteigerin Cecilie Skog. Er entdeckt ein kleines italienisches Dorf, dass sich für einen selbständigen Staat hält und einen Weiterlesen

Das ist Musik! : von Klassik bis Hip-Hop – Instrumente – Komponisten

“Das ist Musik!” folgt mit vielen bunten Bildern und Beispielen nicht nur der Geschichte der Musik in Europa, sondern führt auch zahlreiche Beispiele für traditionelle und moderne Musik rund um die Welt auf. Von Hip-Hop bis Klassik, von Reggae bis Flamenco, von Gamelan-Klängen bis zu Greogianischen Gesängen reicht die Bandbreite. Ob Mozart oder Wagner, Violine oder Didgeridoo, Volkslieder, Chinesische Musik oder Weiterlesen

Durchs wilde Deutschland: von den Alpen bis zum Wattenmeer / Andreas Kieling

Deutschland gilt ja landläufig nicht gerade als Wildtierparadies. Wenn man wie der Autor dieser Zeilen ausserdem gerade aus dem eigentlich schönen Hohenlohe im Schwabenland zurückgekehrt ist und gesehen hat, wie wir auch dort unsere schönsten Landschaften mit hässlichen Gewerbegebieten zustellen, kann einem schon bange werden um die verbliebenen Landstriche, in denen noch wilde Pflanzen und Tiere zu entdecken sind.
Andreas Kieling, der bekannte und mehrfach ausgezeichnere Tierfilmer, der 2011 mit “Ein deutscher Wandersommer” einen Bestseller über eine Wanderung längst der ehemaligen innerdeutschen Grenze landete, hat sich für eine ZDF-Produktion “Durchs wilde Deutschland” begeben. Er streift durch die Alpen auf der Suche nach Steinböcken und Murmeltieren, taucht in trüben Flüssen nach den riesenhaften Welsen, begegnet in Großstädten wilden Tieren wie dem Biber und dem heutzutage selten Spatz. Mit spürbarer Faszination beschreibt er den Massenaufzug der Kraniche auf Zingst, wenn 40000 dieser großen Vögel auf ihrem Flug nach Süden rasten. Er folgt dem äußerst scheuen Weiterlesen

Gedächtnislücken / Egon Bahr ; Peter Ensikat

Der 1922 geborene Egon Bahr, der die Ostpolitik der Regierung Brandt maßgeblich geformt und mitgestaltet hat, und der 1941 geborene ostdeutsche Kabarettist und Schriftsteller Peter Ensikat lernten sich erst nach der Wende kennen und wurden zu Freunden. Beide hatten sie im jeweiligen deutschen Staat, in dem sie lebten, auf ihre Weise eine wichtige, intellektuelle Rolle inne.
Im April 2006 treffen sie sich über zwei Tage in einem Fernsehstudio, erzählen einander von ihrem Leben und kommen über ihre Biografien miteinander ins Gespräch über die deutsche Nachrkiegsgeschichte: das Gespräch wird zu einem Weiterlesen

Slow Motion : in 730 Tagen um die Welt mit Fahrrad, Zelt und Zeichenblock / Jens Hübner

Eine Reise um die Welt mit dem Ziel, “die Intensität der Langsamkeit“ zu erfahren: zwei Jahre nimmt sich der 1964 geborene Künstler und Diplom-Designer Jens Hübner Zeit, um mit dem Fahhrad die Welt zu umrunden. Allein auf dem Zweirad legt er dabei über 25000 Kilometer zurück, übernachtet zumeist im Zelt und setzt sich ausser dem Reiselimit von exakt zwei Jahren nur wenige zeitliche Beschränkungen auf. So verweilt er in manchen Orten länger, als er es zunächst geplant hat.
Während der Reise durch Osteuropa, Vorderasien, Indien, Südasien, Australien, Süd- und Nordamerika entstehen – und dies ein besonderes Merkmal von Hübners Reise – neben Tagebüchern auch Weiterlesen

Die Wende : wie die Renaissance begann / Stephen Greenblatt

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Immer wieder gibt es in der Geschichte der Menschheit Phasen, in denen wenige, zunächst gering erscheinende Ereignisse, Entscheidungen oder Entdeckungen weitreichende, nicht vorherzusehende Folgen haben. Dazu gehört auch die abenteuerliche Geschichte des antiken Lehrgedichtes “De rerum natura” von Lukrez, das fast eineinhalb Jahrtausende verschollen war und ohne dessen Wiederentdeckung im Jahr 1417 es die Renaissance, wie wir sie heute in der Rückschau kennen, vermutlich nicht gegeben hätte und die Geschichte einen komplett anderen Verlauf genommen hätte. “Die Wende” von Stephen Greenblatt beschreibt einen solchen magischen Moment in der Menschheitsgeschichte, aber auch die Entwicklungen, die im vorausgingen und ihm folgten:

Im 1. Jahrhundert vor Beginn unserer Zeitrechnung schreibt der römische Dichter, Philosophen und Epikureer Lukrez (Titus Lucretius Carus) das Lehrgedicht “De rerum natura” (Dt.: Über die Natur der Dinge) auf Basis und in Verehrung der Naturphilosophie Epikurs.
Geschrieben in Hexametern, gliedert sich das Gedicht in sechs Büchern. Es befasst sich in den ersten beiden Büchern mit der Atomlehre in der Tradition Demokrits, beschreibt den Aufbau der Welt aus Atomen, die sich permanent bewegen und vorübergehende Bindungen eingehen, die unendliche Vielzahl von Welten sowie deren Vergänglichkeit. Im dritten Buch beweist Lukrez die Vergänglichkeit der Seele, die Weiterlesen

Manifest für einen evolutionären Humanismus : Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur / Michael Schmidt-Salomon

„Während wir technologisch im 21. Jahrhundert stehen, sind unsere Weltbilder noch von Jahrtausende alten Legeneden geprägt. Diese Kombination von höchstem technischem Know-how und naivstem Kinderglauben könnte auf Dauer fatale Konsequenzen haben. Wir verhalten uns wie Fünfjährige, denen die Verantwortung für einen Jumbojet übertragen wurde.” (Michael Schidt-Salomon)

Wir leben in einer erstaunlichen Zeit: einerseits leben wir (zumindest in den westlichen Ländern) hochtechnisiert in vorwiegend säkularen, aufgeklärten Gesellschaften, die über ausdifferenzierte Strukturen, ausgleichende, sich fortwährend entwickelnde Rechtssysteme, Meinungsfreiheit und freie Wissenschaft verfügen. Andererseits erleben wir einen Rückfall in religiös-fundamentalistische Denkweisen, die darüber hinaus eine gefährliche Weiterlesen

Sabbatical auf See : eine Familie setzt die Segel / Leon Schulz

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Wer hat nicht schon mal davon geträumt, eine Zeitlang aus dem hektischen Alltag auszusteigen? Leon und Karoline Schulz und ihre zwei Kinder haben beschlossen, diesen Traum wahr zu machen und trotz aller Abwägungen und Bedenken ein Jahr alles hinter sich zu lassen, ihre Wohnung zu verkaufen, ihre kleine Firma aufzugeben und mit ihrer Weiterlesen

Das entehrte Geschlecht : Ein notwendiges Manifest für den Mann / Ralf Bönt


Nein, dies ist kein Buch des Backlash, kein antifeministischer Hexenhammer, der einen rückwärtsgewandten Rundumschlag gegen durch die Frauenbewegung defintiv erreichte gesellschaftlichen Verbesserungen führt, auch wenn manche Rezensenten es dem Buch vergeblich nachzuweisen versuchen. Ralf Bönt zeigt dagegen in seinem Buch nüchtern und respektvoll auf, in welchen Bereichen auch die Männern durch die Frauenbewegung erheblich an Freiheit und Lebensqualität gewonnen haben. Aber er zeigt auch die Schattenseiten des gegenwärtigen Mannseins, geprägt durch eine drastisch kürzere Lebenserwartung, wesentlich höhere Selbstmordraten und eine auch von Männern gestützte gesellschaftliche Diskussion, die den Mann als minderwertig, gefährlich, gescheitert abqualifiziert.
Heftig übt er Kritik an den negativen, pauschalisierten Männerbildern, die dem Mann etwa den angeblichen Traum von der ewigen Verfügbarkeit der Frau unterstellen und an der Reduzierung des Mannes auf Weiterlesen

Achtung Baby! / Michael Mittermeier

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Wer hätte das gedacht, als Michael Mittermeier vor Jahren noch in “Zapped – Ein TV-Junkie knallt durch” über Kinder sinnierte, die man aufgrund ihrer – sagen wir mal – negativen Eigenschaften am besten sofort wieder zurück in den Mutterbauch expedieren sollte. Im Jahr 2008 wurde er selbst Vater – und schrieb über diese erste Zeit an der Wickelfront einen Bestseller, in dem sich Weiterlesen

3000 Kilometer im Kanu durch Kanada und Alaska / Dirk Rohrbach

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Dirk Rohrbach lässt sich, beeindruckt durch Jack Londons Geschichten und inspiriert durch vorangegangene Reisen in nördliche Gefilde, faszinieren von dem Gedanken, den Yukon entlang zu paddeln – und damit eine Distanz von 3000 km in Angriff zu nehmen, die ihn bis in die Beringsee führen wird. Doch Rohrbach – Arzt, Radiomoderator mit Schwerpunkt Country-Musik und Vortragsreisender – möchte noch mehr: er möchte den Yukon mit einem richtigen Birkenrindenkanu befahren und dieses dazu auch noch selber nach alter Tradition bauen.
Der Weg zum selbstgebauten Kanu soll auch für ihn kein leichter sein, doch er findet Weiterlesen

Menschenkinder : Plädoyer für eine artgerechte Erziehung / Herbert Renz-Polster

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“Wir müssen nochmal grundsätzlich über die´Kindheit nachdenken. Ist sie wirklich nur eine Strecke, auf der sich Kinder für ihren Job warmlaufen? Warum ist sie so schnell von einem Projekt der Kinder zu einem Projekt der Erwachsenen geworden? Warum halten wir es so schlecht aus, wenn unsere Kinder in ihren eigenen Welten leben? Ist das wirklich nur die Angst vor möglichen Gefahren?” (Herbert Renz-Polster: Menschenkinder, S. 68).
Stellen Sie sich vor, sie würden in der Steinzeit leben. Würden Sie a) ihr Kind nachts am anderen Ende der Höhle schlafen lassen, damit Sie Ihre Ruhe haben, es b) einfach stehen lassen, wenn es zum Jagen und Sammeln geht und Sie partout keine Weiterlesen

African Queen: Ein Abenteuer / Helge Timmerberg

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Timmerberg reist wieder – doch diesmal nicht alleine, denn an der Seite seiner Freundin Lisa, die einem unwiderstehlichen Jobangebot in einer Lodge nachkommt, verschlägt es ihn nach Afrika und somit gleich in zwei Abenteuer: das der Liebe und das des Reisens. Da bleibt Spannung nicht aus – und so verschlägt es Timmerberg mal allein, mal mit Lisa an Orte, die nicht immer Sehnsuchtsziele sind, auf Weiterlesen

Die Endurance : Shackletons legendäre Expeditionen in die Antarktis / Caroline Alexander


Auch nach fast 100 Jahren beeindruckt die gescheiterte Antarktis-Durchquerung von Ernest Shackleton und seiner Mannschaft, die in Überwinterung und einer dramatischen Rettung endete.Kurz vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges bricht Shackleton mit der Endurance auf, um die Antarktis zu durchqueren. Wenn einer das Zeug dazu gehabt hätte, dann Shackleton: im Gegensatz zu Scott, dessen Südpolexpedition dramatisch gescheitert war, schätze Shackleton die Umstände un Weiterlesen

Bicycle Diaries: Ein Fahrrad, neun Metropolen / David Byrne

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Dies ist beleibe nicht nur ein Reisebericht, sondern viel mehr: ein Erlebnisbericht über das Radfahren in modernen, autogerecht zugerichteten Großstädten, ein Plädoyer für das Rad als Fortbewegungsmittel, eine Sammlung von Impressionen, Anekdoten und Gedanken eines global mobilen und lokal radelnden Künstlers und Musikers, angereichert mit Reflexionen über Weiterlesen

Schlange stehen bei Jargsblog?

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Soweit ist es zum Glück noch nicht. Aber in Anbetracht der letzten vier Monate, in denen mehr Zugriffe auf Jargsblog zu verzeichnen waren als in den gesamten zwei Jahren davor, kommt Freude auf. Viele positive Rückmeldungen, Kommentare und Anregungen halten die Luust am Bücher- und Medienbloggen weiter wach. Fragt sich bloß: wer wird der 100. Abonnent von Jargsblog und was sagen die Pinguine in der Schlange dazu?

Babybeschiss : Wie Eltern über den Wickeltisch gezogen werden / Julia Heilmann ; Thomas Lindemann

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„Wohltuend anders und vor allem wohltuend ehrlich UND witzig“ – so urteilte Jargsblog über das erste Buch von Thomas Lindemann und Julia Heilmann (s.a. „Kinderkacke“). Die beiden Autoren, Eltern von mittlerweile zwei Kindern und Betreiber der Internetseite „Babybeschiss.de“, haben nun nachgelegt und beschäftigen sich in ihrem aktuellen Buch mit den Marketingtricks der Industrie, die gezielt die Unsicherheit von Eltern ausnutzt, mit ihren Ängsten und Weiterlesen

Homicide: Ein Jahr auf mörderischen Strassen / David Simon


Baltimore, Maryland, USA. Die bedeutende Hafenstadt hat in den 80er Jahren eine der höchsten Mordraten in den Vereinigten Staaten. David Simon, Journalist und über etliche Jahre als Reporter auf der anderen Seite des Polizeiabsperrbandes, überredet im Jahr 1988 das örtliche Policedepartment, ein Jahr lang als Polizeipraktikant die Arbeit der Mordkommission begleiten und beobachten zu dürfen. Er begleitet eine Reihe von Ermittlern zu Tatorten, Obduktionen, Krankenhäusern, Ermittlungen, Vernehmungen, Verhaftungen und Prozessen, taucht tief in das Team ein, um schliesslich fast ein – wenn auch nicht polizeilich handelnder – Teil davon zu werden. Simon stellt die Polizisten uznd ihren Alltag in den Mittelpunkt, dokumemtiert ihe Arbeitsweise, ihre Strategien, Taktiken und Tricks, um Morde aufzuklären, die Fehler, die sie dabei machen, die Umwege, die sie gehen müssen, aber auch die Weiterlesen

Izmirübel : Das Buch zur Tüte / Gerd Otto-Rieke


Dieses mittlerweile vergriffene und in Fachkreisen hochgehandelte Buch füllte seinerzeit eine echte Lücke: denn mit “Izmirübel” legte Otto-Rieke die erste und damals längst überfällige, kurzgefasste Kulturgeschichte der Spucktüte vor. Überzeugend führt er den Nachweis, dass sich die Weiterlesen

1200 Tage Samstag : Weltumsegelung mit Hippopotamus / Sönke Roever

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Auch wer kein Segler ist, kennt vielleicht diese Träume: ein Schiff besteigen, fortsegeln, fremde Küsten und Länder bereisen, Menschen aus anderen Kulturen begegnen. Sönke und Judith Roever beschliessen, von Hamburg bis nach Neuseeland zu segeln. Während Sönke Roever mit dem Segeln bereits einige Erfahrung hat, ist Judith Roever Neuling auf diesem Gebiet. Sie kündigen ihre Jobs und ihre Wohnung, lagern alles ein und kaufen ein Schiff, das groß genug ist für den Törn und “Hippopotamus” getauft wird. Nach der Ausrüstung ihres mit einem kleinen Motor ausgestatteten Segelschiffes stechen sie 2007 in See und nehmen über den Weiterlesen

Sieben Welten – Seven Summits : Mein Weg zu den höchsten Gipfeln aller Kontinente / Geri Winkler

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Der 26 Jahre junge Geri Winkler bekommt 1984 die niederschmetternde Diagnose: Diabetes Typ 1. Die Ärzte machen ihm keine Hoffnung, dass er seine weitgreifenden Reiseträume jemals wird verwirklichen können. Im Gegenteil. Doch Geri Winkler gibt nicht auf. Auch nicht, als ihn knapp zwanzig Jahre später ein Krebsleiden ereilt …
Was klingt wie ein weiterer mehr oder weniger spannender, eher langatmiger Bericht eines Kranken, der es allen trotz gesundheitlichen Unbills mal so richtig gezeigt hat und dabei höhere Erkenntnisse über das Leben an sich und seines im speziellen gewonnen hat, ist doch anders – und sehr viel mehr: denn in “Sieben Welten – Sieben Summits” treten die kaum erwähnten Beeinträchtigungen durch eine chronische Krankheit nicht nur in den Hintergrund, sondern kommen nahezu nicht vor.
Gerade dadurch aber überzeugt der Autor, denn er lässt uns an seiner Faszination für die Weiterlesen

Aus der Dunkelkammer des Bösen : neue Berichte vom bekanntesten Kriminalbiologen der Welt / Mark & Lydia Benecke

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Immer wieder stehen wir fassungslos vor brutalen Verbrechen – ausgeführt mit großer Gewalt, ob im Affekt oder geplant, kaltblütig oder in wilder Raserei – und fragen uns, wie ein Mensch zu solchen Taten fähig sein kann.
Mark Benecke, bekannter Kriminalbiologe mit etllichen Veröffentlichungen zur fornesischen Entomologie und Autor populärer Sachbücher zum Thema, beschäftigt sich zusammen mit seiner Frau, einer Psychologin, mit bekannten und weniger bekannten Fällen aus Vergangenheit und Gegenwart und zieht dabei den Bogen unter anderem vom hierzulande kaum bekannten amerikanischen Serienmörder Dr. Holmes über den österreichischen Serientäter Jack Unterweger bis hin zu den Fällen Kampusch und Fitzl. Die Bandbreite der Verbrechen reicht dabei von Weiterlesen

Naturgeschichte(n): Über fitte Blesshühner, Biber mit Migrationshintergrund und warum wir uns die Umwelt im Gleichgewicht wünschen / Josef H. reichholf

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Warum haben Menschen nur noch auf dem Kopf Haare, sind ansonsten aber unbehaart? Überlebt immer der Stärkere? Weshalb lieben wir Blumen? Warum haben Vögel Federn, wenn nicht zum Fliegen oder Wärmen? Warum sind Zenras gestreift, Elefanten aber nicht? Sind Wale ein Rückschritt der Evolution? Warum ging der Mensch aus Afrika fort und was hat das mit den Streifen der Zebras Weiterlesen

Jargsblog wird zwei Jahre alt …

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… und ist seit dem 5. Februar 2010 auf fast 600 Rezensionen von Büchern, Filmen und Musik gewachsen. Auch weiterhin gilt auf Jargsblog die radikale Subjektivität, gepaart mit der Vorliebe für das Besondere, Außergewöhnliche, vom Mainstream nicht selten entfernte – und was Jarg nicht mag, kommt hier nicht vor.

Tier zuliebe : Vegetarisch leben – eine Kostprobe / Birgit Klaus

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In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts zum Vegetarier zu werden, kam einer echten Herausforderung gleich: man musste sich permanent rechtfertigen, warum man auf Fliesch verzichte, sah sich den Selbstbeschwichtungen der Fleischesser mit schlechtem Gewissen (“Ess ich auch nur ganz selten”) und der überzeugten Tierverzehrer (“Ohne Fleisch hätte sich der Mensch nie so entwickelt”) ausgesetzt und bekam im Restaurant nicht selten Hühnchen als Vegetarisch angeboten – oder den viel beschworenen Gemüseteller, der mit einem halben Kilo minderwertiger Käsesahnesauce übergossen war. So jedenfalls erinnere ich mich an die Zeit, in der meine Entscheidung fiel, auf Tierstücke als Essen zu verzichten.
Das ist heute zum Glück anders und der Vegetarier, die Vegetarierin kein absoluter Exot mehr, das Kaleidoskop der kulinarischen Möglichkeiten ein wesentlich bunteres. Dennoch scheint es immer noch für viele Menschen ein Weiterlesen

Jüdische Lebenswelten im 20. und 21. Jahrhundert


Jargsblog bedankt sich für die Veröffentlichung seiner Rezension zu Hans Keilsons “Da steht mein Haus” auf dem Blog “Jüdische Lebenswelten“.
Gleichzeitig möchte ich die Gelegenheit dazu ergreifen, auf diesen besonderen Blog hinzuweisen, der sich nicht nur mit der jüdischen Identität vor der institutionalislierten Verfolgung durch das nationalsozialistische Deutschland, ihrer Veränderung im Dritten Reich und mit der literarischer Verarbeitung von Verfolgung, Vertreibung und Holocaust in Romanen, in Sach- und Kinderbüchern befasst.
“Jüdische Lebenswelten” zeigt auch geschichtliche Zusammenhänge auf, reflektiert über Erinnerungsorte und Spuren jüdischer Lebens, weckt das Interesse für Gegenwart und Zukunft jüdisch geprägten Lebens in Deutschland und darüber hinaus, für Begriffe, Ereignisse, Institutionen und nicht zuletzt Menschen.
Da alles geschieht mit großem Interesse, Sensibiltät und Respekt für das Thema – und ist es mehr als wert, Beachtung zu finden.

Da steht mein Haus : Erinnerungen / Hans Keilson


Im April 2011 erschienen die Erinnerungen von Hans Keilson, des 1909 in Bad Freienwalde geborenen und 1936 aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die Niederlande geflohenen Arztes und Schriftstellers. Keilson, in Deutschland wohl nur literarisch interessierten Menschen bekannt, erlangte mit seinen Romanen internationale Aufmerksamkeit und wurde 2010 von der New York Times als „one of the world’s greatest writers“ gefeiert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg behandelte er als Psychoanalytiker schwer traumatisierte jüdische Waisenkinder und wurde zudem Facharzt für Psychiatrie. Bereits 1990 begann er mit autobiographischen Aufzeichnungen, die zugleich eine Erinnerung an seine Jugend, aber auch einen Bericht über jüdisches Leben im Deutschland der ersten Jahrhunderthälfte, über den aufkeimenden Nazismus und den Weg ins Exil darstellen.
“Da steht mein Haus” – unter diesem einfachen, kaum mehr als deskriptiven Titel sind seine in einem schmalen Bändchen herausgebrachten Erinnerungen erschienen. Und doch klingt bereits in diesem Titel einiges vom dem besonderen Ton an, den Keilson mit seinen Worten findet. Weniger die akribisch aufgezeichneten Details üblicher Autobiographien machen sein Buch aus: Keilson zeichnet sein Leben bis in die 40er Jahre gleichsam Weiterlesen

Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend / Andreas Altmann


“Kein Kind wird je fassen, dass es sich ohne Liebe zurechtfinden muss, dass die einen geliebt wurden und die anderen nicht. Verfügt jener, der leer ausging, aber über genug Nerven, wird er die Hintergründe aufspüren, warum seine Eltern ihn nicht liebten”.
Man kann sich vielleicht vorstellen, dass eine Jugend im erzkatholischen Altötting in den dumpfen 50er und den freiheitsliebenden 60er Jahren nicht ganz einfach war. Dann erfährt man, das der Autor Sohn eines Devotionalienhändlers war, also eine Verkäufers für religiösen Erbauungskitsch und sieht eine noch enger reglementierte, enge Jugendzeit vor sich. Was Andreas Altmann, einer von Deutschlands besten Reiseschriftstellern, dann in seinem Buch berichtet, verschlägt einem vor Erschütterung die Sprache:
Er wächst als drittes von vier Geschwistern auf mit einem Vater, der an der Weiterlesen

Bücher: Best of Jargsblog 2011

Während Jargsblog bereits etliche Rezensionen für Januar 2012 vorbereitet, schweift der Blick zurück auf das vergangene Jahr, auf Leseerlebnisse, Hörgenüsse, cineastische Besonderheiten. So fällt der Beschluss, aus allen Jargsblogrezensionen aus 2011 insgesamt je fünf pro Kategorie auszuwählen. Das ist gar nicht so leicht, aber da Jargsblog ja radikal subjektiv ist und nur das auf Jargsblog landet, was Jarg gefällt, wird aus den über 200 Rezensionen aus 2011 radikal subjektiv und aus dem Augenblick heraus ausgewählt. Beginnen wir heute mit den Büchern:

Romane:


Bemerkenswert und außergewöhnlich war für Jarg, seit einiger Zeit durchaus Literatur der “Southern Gothic” zugeneigt, wieder einmal ein Buch von William Gay, nämlich Ruhe nirgends, ein düsteres, bewegendes Buch.


Einen beeindruckenden, sprachlich sehr ansprechenden Romanerstling bot Isabel Ashdown mit “Am Ende eines Sommers”, einer aus zwei wechselnden, sich zeitlich annähernden Perspektiven erzählten tragischen Geschichte, die mit großer Sensibilität erzählt wird und nicht Momenten großer Heiterkeit und Glücks entbehrt, ohne je in Sentimentalität abzugleiten.

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Gekonnt auf schmalem Grat wandelt Zsuzsa Bank mit “Die hellen Tage”, einem wunderbar leicht erzählten Roman über Freundschaft und Heimat, Verlust und Verrat, der nie in Kitsch oder Klischee verfällt und seine Geschichte atmosphärisch dicht erzählt.


Feinfühlig und mit zartem Humor erzählt Kate de Goldi in Abends um 10 von Frankie, einem Jungen, der unter der schweren Depression seiner Mutter leidet und seinen eigenen Weg finden muss.


Eine bedrückende Aussenseitergeschichte mit ungewissem Ausgang über ein Mädchen, dessen Leben von Gewalt und Ausgrenzung geprägt ist, schrieb Angelika Klüssendorf mit “Das Mädchen”, einem schnörkellos aufgebauten und in klarer Sprache geschriebenen Roman, der einen langen nach der Lektüre nicht loslässt und bewegt.

Kinderbücher:


Grafisch, haptisch und inahltlich ein unvergessliches Buch, dem man viele Leser wünschen kann, ist Das schwarze Buch der Farben, dass sich auf bemerkenswerte Art dem Thema Blindheit, Farbe und Wahrnehmung nähert.


Ein kleines Kunstwerk für kleine und große Leser ist auch das Buch 10 kleine Häuser von Coly Hol – ein Buch, dass auf wunderschöne, sehr reduziert-asthetische Weise Wünsche und Träume mit Zahlen verbindet.


Eines der schönsten Beispiele dafür, dass das klassische Buch in seiner Haptik und Vielseitigkeit auch in angeblich angebrochenen Zeitalter des alles verdrängenden E-Books nicht zu schlagen ist, findet man mit dem Mitmach-Buch von Herve Tullet, dass eine buchstäbliche bewegte und bewegende Lektüre von seinen Lesern fordert.


Für etliche Tage bot Kirsten Boies auch sprachlich aus dem Meer lieblos auf den Markt geworfener Kinderbüchern herausragendes Buch “Seeräubermoses” mit den humorvollen Illustrationen von Barbara Scholz spannende Lektüre und entführte in die Welt der Piraten mit einem Mädchen als titelgebenden Helden.


In magische Welten entführt regelmäßig Shaun Tan mit seinen surreal anmutenden, mit großer Meisterschaft illustrierten Geschichten: so auch mit Die Fundsache, einer mit großer Wärme erzählten Geschichte über ein seltsames Ding, dass in einer durchorganisierten Welt auftaucht und in keine Schublade zu passen scheint.

Sachbücher:


Wenn jemand im Jahr 2011 mal wieder Recht bekommen hat, dann wohl Taleb mit seinem Buch “Der Schwarze Schwan”, denn der Autor dürfte sich mal wieder durch die Zeitläufte bestätigt sehen, dass keiner Statistik, keiner Prognose absolut zu trauen ist und unwahrscheinlich erscheinende Ereignisse unsere Welt mit großer Kraft prägen.


Dieser Mann hat schon oft bewiesen, dass er schreiben kann und tat es auch mit diesem Buch: Roger Willemsen Die Enden der Welt nimmt einen mit großer Sensibilität und Beobachtungsgabe mit auf eine Reise um die Welt, zu befremdenden, verstörenden, berauschenden Erlebnissen mit anderen, mit sich selbst.


Wer das Meer und zugleich die Literatur liebt, kommt an den Büchern von james Hamilton-Paterson nicht vorbei und wird auch Vom Meer, eine Zusammenstellung bemerkenswerter Reportagen und Essays, mit Gewinn und Genuß lesen.


Wandern mag hierzulande immer wieder en vogue und normal sein – im den USA ist es das nicht. Was passiert, wenn man im Autoland USA wandert, zeigt uns einer der besten deutschsprachigen Reiseschriftsteller, Wolfgang Büscher, in Hartland : Zu Fuss durch Amerika, sprachlich ausgesprochen ansprechend und spannend geschrieben.


Was wie ein reisserisches Sachbuchtitel daherkommt, ist in Wahrheit ein spannender Blick hinter die Kulissen des Bigwave-Surfing und zugleich auf die durch den Klimawandel und seine diesbezüglichen Folgen beförderte Wissenschaft von den Monsterwellen, jenen urplötzlich auftretenden haushohen Wellen, deren Entstehung, Folgen und Faszination sich Susan Casey in diesem klassische Sachbuch amerikanischer Prägung auf herausragende Weise widmet.

Krieg : Stell Dir vor, er wäre hier / Janne Teller

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Europa ist gescheitert, die europäische Union wirtschaftlich und politisch zusammengebrochen, in Deutschland herrscht Krieg, faschistische Strukturen übernehmen die Macht. Menschen werden gefoltert, getötet, fliehen vor Bomben und Krieg. Stellen Sie sich vor, Sie wären sechzehn Jahre alt, der Krieg wäre hier, jetzt, 2011 in Deutschland. Uum Sie herum Bomben, Schüsse, Zerstörung, Ihre Familie zerstreut, zum Teil tot, zum Teil im Widerstand, krank und ums Überleben kämpfend. Dann gelingt sie, die Flucht, in ein anderes Land, nach Weiterlesen

Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge / Bill Bryson

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Auch der sich als gebildet empfindende Mensch fragt sich ja gelegentlich, warum eigentlich die Gabel üblicherweise vier Zinken hat, seit wann wir Spülbecken ij den Küchen haben (noch nicht sehr lange) und welchen Einfluss der Londoner Kristallpalast der legendären Weltausstellung von 1851 für die Verbreitung des Wasserklosetts moderner Bauart hatte. Bill Bryson gibt in seinem, im englischen Original treffender mit “A Short History of private Life” betitelten Buch Antworten auf viele solcher Fragen – und liefert Antworten auf Fragen, die man sich im Zusammenhang mit dem privaten menschlichen Alltag zu Hause vielleicht noch nie gestellt hat. In seinem über 600 Seiten umfassenden, mit einer unglaublich Weiterlesen