Last Ride / Regie: Glendyn Ivin. Drehb.: Mac Gudgeon n. d. Roman “The Last Ride” von Denise Young. Darst.: Hugo Weaving ; Hugo Weaving, Tom Russell [u.a.]

Ein düsterer Film über Vater und Sohn auf der Flucht – in dieser Kurzversion der Geschichte klingt es, als läge dem Film “Last Ride” ein ähnliche Geschichte zugrunde wie der beeindruckenden Literaturverfilmung “The Road” (nach dem Roman von Cormack McCarthy). Doch die grenzenlose Vaterliebe, die wir in der filmischen Dystopie “The Road” sehen und den Vater mit letzter Kraft seinen Sohn in den vermutlich rettenden Süden bringen lässt, ist hier in einem zeitlosen Gegenwartsdrama vielfach gebrochen und tritt auf verstörende, widersprüchliche Weise zutage.

Wir wissen zunächst nicht, warum Kev mit seinem 10jährigen Sohn Chook unterwegs ist und was das Motiv für die Flucht ist. Erst als er sich an einer Tankstelle die Haare stutzt und danach den weißen Pickup mit abmontierten Nummernschildern zwischen alten Autos stehen lässt, wird offensichtlich, dass es einen düsteren Grund gibt für das rastlose Unterwegssein: Chook fragt Kev nach Weiterlesen

Vindings Spiel : Roman / Ketil Bjørnstad

“Mittagessen im Grünen. Eine stille Mahlzeit, als seien wir alle müde. Wir sind die einzige Familie, die sich hierher verirrt, zwischen Erlengebüsch, Birken und hohen Fichten. Die anderen sind nach Bogstad gefahren oder zum Østervannet, den großen Seen. Aber hier ist der Platz der Familie Vinding, wo man seine Ruhe hat, wo man am helllichten Tag Wein trinken kann, ohne dass es jemanden kümmert. Der Wind redet für uns. Und das Rauschen des Wasserfalls. Ich habe den Fluss nie so reißend erlebt. Ich sage es Mutter. Sie nickt, ohne sich zum Fluss umzudrehen, wie es jeder andere getan hätte.” (Zitat aus: Vindings Spiel v. Ketil Bjørnstad)

Bjørnstad ist eine Geschichte gelungen, die ihre Weiterlesen

Vindings Spiel : Roman / Ketil Bjørnstad

“Mittagessen im Grünen. Eine stille Mahlzeit, als seien wir alle müde. Wir sind die einzige Familie, die sich hierher verirrt, zwischen Erlengebüsch, Birken und hohen Fichten. Die anderen sind nach Bogstad gefahren oder zum Østervannet, den großen Seen. Aber hier ist der Platz der Familie Vinding, wo man seine Ruhe hat, wo man am helllichten Tag Wein trinken kann, ohne dass es jemanden kümmert. Der Wind redet für uns. Und das Rauschen des Wasserfalls. Ich habe den Fluss nie so reißend erlebt. Ich sage es Mutter. Sie nickt, ohne sich zum Fluss umzudrehen, wie es jeder andere getan hätte.” (Zitat aus: Vindings Spiel v. Ketil Bjørnstad)

Norwegen, in den 1960er Jahren. Familie Vinding geht an einem Sonntag zum Picknick an den Stausee. Die Ehe der Eltern ist schwer zerrüttet und es ist spürbar, dass sie auch durch sonntägliche Ausflüge nicht zu retten sein wird. Doch dieser Sonntag bringt eine dramatische Wende – und alles ändert sich für den 15jährigen Aksel Vinding, seinen Vater und seine ältere Schwester, als seine angetrunkene Mutter vor seinen Augen Weiterlesen

Im Kielwasser : Roman / Per Petterson

“Und er sagte: ‘Schliesst die Augen, atmet die Luft ganz tief ein und laßt sie langsam wieder raus, ihr werdet sehen, das hilft’. Und wir taten es im Chor, atmeten tief und laut japsend ein, und es wurde ganz still im Wald um uns herum, alles hielt die Luft an, wenn wir die Kuft anhielten, und als wir sie wieder herausließen, kamein Windstoß und nahm uns auf und trug uns mehrere Jahre fort, bis er nichts mehr tragen konnte. Und ich fragte mich nie, weshalb, sah nie zurück, um herauszufinden, ob er noch dastand, doch jetzt setze ich mich auf, an diesem Berghang noröstlich von Oslo, die Füße gegen den Stamm einer Fichte gestemmt, damit ich nicht wegrutsche, und atme tief ein, halte die Luft lang an und lasse sie langsam wieder heraus … ” (a.a.O., S. 69)

Kennen Sie das? Sie haben ein Buch von einem Autor gelesen und fühlen sich von seiner Art, eine Geschichte zu erzählen, so angezogen, dass Sie wie im Rausch weitere von ihm lesen möchten. So geht es mir derzeit mit Per Petterson, der mich bereits mit “Sehnsucht nach Sibirien” und “Pferde stehlen” in seinen Bann schlug und mich jetzt mit dem von Ina Kronenberger ins Deutsche übertragenenen Roman “Im Kielwasser” erneut schwer beeindruckt und tief berührt hat.
Zur Geschichte: Norwegen, in den 1990er Jahren. Der 43jährige, relativ erfolglose, heruntergekommene und dem Alkohol ergebene Schriftsteller Arvid verlor vor sechs Jahren bei einem Schiffsbrand seinen Weiterlesen

Vatermord und andere Familienvergnügen : Roman / Steve Toltz

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“Dad behauptete immer, dass die Menschen im Leben gar nicht auf Entdeckungsreise gingen, gar keine Entwicklung durchmachten, sondern die ganze Zeit damit verbrachten, Beweise für Überzeugungen zusammenzutragen, die sie ohnehin von Anfang an hegten. Sicher, sie gewinnen neue Erkenntnisse, aber die erschüttern ihr innerstes Glaubensgefüge nicht wirklich – sie bauen nur darauf auf. Er war der Ansicht, wenn die Basis unversehrt bleibt, ist es völlig egal, was man darauf aufbaut – eine Entwicklung sei es nicht, lediglich ein Aufeinanderschichten. Er glaubte nicht, dass jemals jemand bei null anfing. ‘Die Menschen suchen nicht nach Antworten’, sagte er oft, ‘sie suchen nur nach Beweisen dafür, dass sie recht haben'” (S. 781-782).

Der junge Australier Jasper Dean sitzt in einem Provinzkaff eine Gefängnisstrafe ab – kurioserweise just in dem Gefängnis, das einst sein Großvater gebaut hat. Genervt von der Enge und Langeweile, ausgesetzt seinen Erinnerungen, beginnt er die bizarre Geschichte seiner Familie zu erzählen und setzt den Fokus zunächst auf Weiterlesen

Brennendes Eis : Roman / David Adams Richards

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“Ihre Welt würde ohne mein Zutun zerbröckeln, genau, wie mein Vater es vorhergesagt hatte. Diejenigen, die die Hand gegen einen erheben, erheben sie gleichzeitig auch gegen sich selbst. Hätte ich ihm damals auch nur ein ganz klein wenig geglaubt, wäre ich vielleicht jetzt noch frei.” (Brennendes Eis, D. A. Richards, S. 316).
Ein kleiner Ort in der kanadischen Provinz mit rauem Klima und ebensolchen Menschen. Terrieux, ein ehemaliger Polizist, bekommt Besuch vom jungen Lyle Henderson: durch die Rettung eines Jungen vor vielen Jahren hat er unwissentlich entscheidend dazu beigetragen, dass das Leben der Familie Henderson durch Ausgrenzung, Gewalt und Demütigung geprägt war. Der ganze Ort ist daran beteiligt bis auf zwei Menschen, die zu ihnen halten. Lyles Vater Sydney, ein äußerst belesener Arbeiter, hat in jungen Jahren in einer dramatischen Situation geschworen, in seinem Leben niemals Weiterlesen

Die wichtigen Dinge / Peter Carnavas

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Wir wissen nicht genau, was mit Christophers Vater geschehen ist, ob er starb, sich getrennt hat oder lange verreisen musste. Jedenfalls ist er fort. Christophers Mutter muss alles alleine schaffen, den Haushalt, das Spielen, das Essenkochen … und entschliesst sich eines Tages, all die alten Sachen des Vaters zum Trödel zu bringen. In einer Kiste bringen sie die alten Schuhe, den lumpigen Hut, die angestossene Kaffeetasse, die Noten und viele andere Dinge in einer Kiste zum Trödelhändler. Aber ein paar Tage später geschehen merkwürdige Dinge. Plötzlich Weiterlesen