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Larsen, Reif: Die Karte meiner Träume

Durch seine Übergrösse und die grafische Gestaltung des Buchumschlages fiel mir während einer kurzen Städtereise Larsens „Die Karte meiner Träume“ in den Auslagen des Buchhandels auf: als ich es aufschlug, wurde mir schnell klar warum, und die Neugier auf das Buch stieg – vielleicht auch, weil ich selbst gerade auf Reisen war und mich beim Reisen manchmal gedanklich über eine Landkarte bewege.

Es geht um den zwölfjährigen T.S. Spivet, ein untypisches Farmerskind, Sohn einer Käferforscherin und eines knorzigen Ranchers, der in Butte, Montana aufwächst. Seine Neugier gilt der Wissenschaft, und seine Leidenschaft und seine Begabung ist das Zeichnen von Karten und Diagrammen, in denen er seine Erlebnisse und seine Ängste ebenso dokumentiert wie den Whiskykonsum seiners Vaters, die sich verändernden Spaltöffnungen von Pflanzen, die Systematik der Langeweile oder die Interaktionsmuster der Familie am Abendbrottisch. Alles was ihn bewegt oder seine Neugier fesselt, wird von ihm grafisch aufbereitet.

T. S. Spivet erfährt am Beginn des Romans, dass er für seine hervorragenden Zeichnungen in Washington einen Wissenschaftspreis bekommen soll. Der kleine Spivet traut sich nicht, seinen Eltern davon zu erzählen, und begibt sich selbst per Bahn und Anhalter auf die weite Reise. Doch diese Reise wird auch eine Reise zu ihm selbst: er liest im Notizbuch seiner Mutter und erfährt von einer Vorfahrin, die Forscherin und Kartografin war. Immer wieder hält er auch die Reiserlebnisse und seine Reflexionen in Karten und Zeichnungen fest und beginnt sich nach den Koordinaten von Ängsten, Träumen, Verlust, Einsamkeit und Schuld zu fragen. Langsam enthüllt sich dem Leser, dass Spivet schuld am Tod seines Bruders war und seitdem in der Familie nichts mehr ist, wie es war.

Ein irrwitziges, fantasievolles, warmherziges Buch, dass einen dazu einlädt, innerlich jung zu bleiben oder – um den Roman an einer Stelle zu zitieren, an der sich Spivet als älter ausgibt als er ist: „Die Welt wird alles tun, um dich zu bescheißen, aber wenn du dein Leben lang irgendwo tief drin ein bisschen sechzehn bist, dann kommst du schon irgendwie durch“. Ein wunderbares Leseerlebnis, für das man sich unbedingt Zeit nehmen muss, um nicht nur die Geschichte zu geniessen, sondern auch in Verbindung damit den Pfeilen, Karten, Diagrammen, Grafiken und Hinweisen folgen zu können, die aus diesem Buch im Leser nach und nach eine innere Landkarte machen.

2 thoughts on “Larsen, Reif: Die Karte meiner Träume

    • Liebe Claudia,
      aufgrund von Vorurlaubsstress leider erst jetzt meine Antwort auf Deinen Kommentar: Reif Larsens Buch scheint ja doch mehr Leute begeistert zu haben als ich es beim Lesen damals vermutete. Wenn jtzt sogar ein Film kommt …
      Herzlich grüsst
      Jarg

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