Crouch, Colin: Postdemokratie

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Der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch bezeichnet in seinem Werk die Postdemokratie als „ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden, deren Inhalte aber zunehmend von PR und geschicktem Marketing überlagert werden, so dass es weniger um Richtungsentscheidungen als um Kampagnen geht. Tatsächlich liegt die Macht nach einer Hochphase der Demokratie heute wie in vordemokratischen in der Hand weniger, privilegierter Personen: Politiker, Lobbyisten, Berater sind die eigentlichen Machtinhaber, die am Souverän nur noch die erfolgreiche nächste Wahlkampagne interessiert. Eine seiner Thesen ist, dass sich die heutigen Demokratien dem Zustand der Postdemokratie immer mehr annähern und so der „Einfluß privilegierter Eliten zunimmt. Zu den privilegierten Eliten zählen vor allem „bestimmte Unternehmer“, die durch Lobbyismus wesentlich größeren Einfluss auf die Regierungen haben als andere Interessengruppen oder Nichtregierungsorganisationen.

Unter anderem deswegen verfolgten die Regierungen seit den 1980er Jahren eine neoliberale Politik, die Privatisierung fördert und den Bürgern mehr Selbstverantwortung aufbürdet, ihn aber auch vom Bürger, der sich mit seinem Gemeinwesen identifiziert, zum Kunden macht. Crouch stellt die These auf, dass „je mehr sich der Staat aus der Fürsorge für das Leben der normalen Menschen zurückzieht und zuläßt, daß diese in politische Apathie versinken, desto leichter können Wirtschaftsverbände ihn – mehr oder minder unbemerkt – zu einem Selbstbedienungsladen machen. In der Unfähigkeit, dies zu erkennen, liegt die fundamentale Naivität des neoliberalen Denkens.“ (Quelle: Wikipedia.

Ein hervorragendes Buch, das klar, nüchtern und genau die Krise der Demokratie und die sich entwickelnde Postdemokratie analysiert und am Ende Auswege zu skizzieren versucht. Sollte Pflichtlektüre für jeden Politker sein, der noch ein demokratisches Gewissen hat. Aber das scheinen wenige zu sein. Für alle, die an der gegenwärtigen, rein den Pharma-, Industrie-, Wirtschaftslobbies hörigen Bundesregierung unter Merkel verzweifeln, an Stuttgart 21 und dem nur an Macht und Machterhalt interessierten Ministerpräsidenren Mappus.

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