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Love / Regie u. Drehb.: William Eubank. Musik: Angels & Airwaves. Darst.: Gunner Wright

2039. Vor zwei Jahrzehnten wurde die Internationale Raumstation (ISS) verlassen und schwebt seither ohne Besatzung auf einer Erdumlaufbahn. Der Astronaut Lee Miller wird zur ISS gebracht, um sie einer Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen. Zunächst läuft alles nach Plan – doch plötzlich verliert Miller den Kontakt zur Erde und ist auf sich allein gestellt. Nach und nach versagen die Lebenserhaltungssysteme: Lee Miller sieht sich in den folgenden Jahren nicht nur mit zunehmenden technischen Problemen, sondern auch mit totaler Isolation und Einsamkeit konfrontiert, die ihn an die Grenzen des Wahnsinns treiben. Während auf der Erde schliesslich sogar die Lichter der Städte erlöschen, träumt Miller von ehemaligen Crewmitgliedern und sieht sich wachsender Verzweiflung ausgesetzt angesichts einer nahen, unerreichbaren Erde und dem Gefühl, vielleicht der letzte Mensch zu sein.

In einem verlassenen Teil der ISS entdeckt er schliesslich das Tagebuch des amerikanischen Bürgerkriegssoldaten Lee Bridges aus dem Jahr 1864: verblüfft entdeckt Miller, dass Bridges ein mysteriöses Objekt untersuchen sollte – und ahnt nicht, dass er in Kürze selbst damit konfrontiert sein wird.
„Love“ setzt sich mit dem Gefühl tiefer Einsamkeit und Isolation auseinander und macht mit intensiven, fast schon körperlich spürbaren Bildern deutlich, wie sehr ein absolut auf sich gestellter Mensch ohne Chance auf Kontakt zur menschlichen Zivilisation am Verlust von Kommunikation und Liebe leidet. Zugleich ist „Love“ aber auch ein Film über die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz und reflektiert darüber, was vom Menschen bleibt, wenn die Grundlage seiner Existenz – die Biosphäre namens Erde – durch eine wie auch immer entstandene Katastrophe zerstört wird.

Der Leidensprozess von Miller wird von Schauspieler Gunner Wright in diesem cineastischen Kammerspiel äußerst glaubwürdig und authetisch inszeniert. Vom anfänglichen Unglauben des technikbeherrschenden Astronauten bis hin zum verzweifelten, im Weltall und damit in absoluter Einsamkeit gestrandeten Menschen verkörpert Wright den Wandlungsprozess von Miller, der sich am Ende zu einem wahren Schiffbrüchigen entwickelt, der nach der Entdeckung des Bürgerkriegstagebuchs seine Zeit vorwiegend damit verbringt zu träumen und das Raumschiff mit seinen Notizen und zeichnungen zu übersäen. Was anfangs als hochtechnisiertes, wenn auch veraltetes Raumschiff daherkam, wird so zur Metapher für den vielleicht letzten Raum, an dem an die Menschheit erinnert wird durch Träume, Schriften, Bilder, die sich Artefakten gleich mit dem Letzten seiner Art verbinden. Letztlich stellt der Film die Frage nach der menschlichen Existenz, ihren Bedingungen und dem, was bleibt.

Dabei verlässt der Film nie den Boden einer zutiefst rational-humanistischen Weltsicht und verliert sich deshalb auch nicht in esoterischem Geschwurbel oder religiös verbrämtem Sinnstifungskitsch wie manch anderer Film (etwa der unsägliche Film „The Fountain“, den ich ebenfalls in diesen Tagen sah).

In seiner Intensität, seiner psychologischen und philosophischen Tiefe erinnert „Love“, der von der Alternative-Rockband Angels & Airwaves produziert und musikalisch untermalt wurde und mit Motiven von Carl Sagans „Pale blue dot“ arbeitet, an „Moon“ mit Sam Rockwell sowie natürlich an Klassiker wie Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“, aber auch an die besseren Strandungsfilme wie „Cast away“ mit Tom Hanks. Der Low-Budget-Film, der nicht auf klare Handlungsabläufe und Chronologien setzt, zieht einen rasch in seinen Bann, setzt er doch ganz auf intensive, fast schon assoziativ miteiner verschränkte und verbundene Bilder und Subtexte. Die visuellen Effekte sind dabei immer subtil eingebunden und stehen nie im Vordergrund, sondern sind stets eng mit der Geschichte verbunden und bilden so zusammen mit der schauspielerischen Leistung Wrights und der Musik eine überzeugende Einheit.

Ein wunderbarer Film – und für mich bereits jetzt eines der intensivsten Filmerlebnisse des Jahres.

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