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Jargsblogs Beste 2012 : Romane

Auch unter den auf Jargsblog im Jahr 2012 besprochenen Romanen boten einige eine so nachhaltige, nachwirkende Lektüre, dass eine radikal-subjektive Zusammenstellung der „besten fünf“ an dieser Stelle keinesfalls fehlen soll.


Sehr intensiv war die Lektüre des athomosphärisch dicht geschriebenen Romans „Bonbontag“ des hierzulande noch wenig bekannten Autors Markus Nummi: ein ungemein erschütterndes Buch über Kindesvernachlässigung, im Alltag überforderte Eltern und eine gleichgültige, wegschauende Gesellschaft, das noch lange nachwirkt und eine Lanze bricht für eine achtsamere, liebevollere Gesellschaft.


Für mich eines der schönsten Bücher dieses Jahres, ein hervorragendes Romandebüt und ein beeindruckendes Leseerlebnis war „Vatermord und andere Familienvergnügen“ von Steve Toltz: eine aberwitzige, tragikomische Familiengeschichte und ein Plädoyer für den Zweifel und die Ideologiefreiheit als grundsätzliche Lebenshaltung.


Ein Buch über Strandungen zu schreiben birgt Gefahren, denn schnell kann man dem Klischee des Themas verfallen. Mit „Die Inseln auf denen ich strande“ ist es Lucien Deprijck in Zusammenspiel mit den wunderbaren Illustrationen von Christian Schneider gelungen, diese Klippen erfolgreich zu umschiffen und facettenreich existentielle menschliche Erfahrungen und Situationen auszuloten.


Mit „Erschieß die Apfelsine“ ist Mikael Niemi ein atmosphärisch dichtes Buch über die Nöte des Erwachsenwerdens gelungen, das weit über sein Genre hinausreicht: skuriller Humor, ein hohes Gespür für Zwischentöne und Sprache sowie ein sorgfältig konstruierter Spannungsbogen kennzeichnen die hoch aktuelle Geschichte über das Erwachsenwerden in einer Aussenseiter ausgrenzenden Umgebung.


Zwar kleidet sich „Traumland“ des norwegischen Autors Vidar Sundstol vordergründig in das Gewand des Thrillers, bei dem es um einen sich zwischen Berufsethos und Familienverplichtung verlierenden Polizisten in Minnesota geht. Bei genauer Betrachtung ist ihm eine hohe literarische Qualität zuzusprechen, denn neben der sorgfältig aufgebauten Geschichte mit ihrem überzeugenden Spannungsbogen und der auch in der Übersetzung durch ihre Sprache ansprechenden Geschichte vermittelt er en passant ein faszinierendes Stück lokaler amerikanischer Kulturgeschichte und Landeskunde.

8 thoughts on “Jargsblogs Beste 2012 : Romane

  1. Einfach ein großes, dickes, dreifaches Danke für deinen Blog, den ich im letzten Jahr entdeckt habe und der
    a) gut geschriebene und anregende Büchertipps hat (und das, obwohl ich mir für die nächsten Monate einen Bücherkaufstopp verordnet habe… )
    b) mich mit seinen aufgestöberten Videos immer wieder zum Kichern bringt
    c) Das dritte Dankeschön für die Verlinkung zu meinem Blog!
    Und so wünsche dir dir und deiner Familie ein wunderschönes, gesundes und behütetes 2013 mit vielen tollen Büchern, Filmen und allem, was so dazugehört. Anna

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    • Hallo Anna,
      vielen Dank für die schönen Komplimente zu Jargsblog.
      Zu c) zu guten Blogs MUSS ich einfach verlinken, geht gar nicht anders – denn das schöne am Bücher- und Medienbloggen sind ja auch und vor allem die Tipps der anderen.
      Zu b) bei so viel Begeisterung muss ich die „Mittwochsfilmchen“ ja geradezu beibehalten und auch immer wieder was zum Kichern bieten. Versprochen.
      zu a) heisser Tipp: die öffentliche Bibliothek in deiner Nähe hilft möglicherweise sehr beim Kostenminimieren – und das MUSS ich an dieser Stelle quasi sagen, da die „déformation professionnelle“ mich nicht anders handeln lässt 😉
      Auch Dir in jeder Hinsicht ein glückliches, gesundes und natürlich an schönem, anregenden und bereicherndem Buch-, Film-, Musikgenuss gut gefülltes Jahr!
      Herzlich grüsst
      Jarg

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  2. Hui, da fällt mir ein: Mikael Niemi: „Der Mann, der starb wie ein Lachs“. Tolles Buch. Den habe ich sogar in Schweden selbst gelesen🙂
    „Erschieß die Apfelsine“ werde ich mir jetzt kaufen. Wie schön, dass ich jetzt eine weitere Anlaufstelle für Rezensionen skandinavischer Literatur habe. Vielen Dank hierfür.

    Grüße

    Achim

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    • Hallo Achim,
      Viel Spaß mit der „Apfelsine“ … ich hoffe, seh, dass ich in nächster Zeit wieder einige skanidinavische Autoren vorstellen kann. Die Besprechung von „Pferde stehlen“ hat ja auch wieder mit Büchertipps versehene Kommentare ausgelöst – darunter auch Autoren, die ich noch nicht kannte. Es geht also weiter …🙂
      Ja, den „Lachs“ habe ich auch noch auf der Leseliste. Ist bestimmt gut.
      Liebe Grüsse von
      Jens

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  3. Ganz herzlichen Dank, dass du Bücher abseits des Mainstreams vorgestellt hast. Ich finde, das ist der Charme deines Blogs, dass du im Gegensatz zu anderen literarischen Blogs, deine Leser meist auf unbekanntere Literatur aufmerksam machst.
    Ich lasse mich immer wieder gerne von dir anregen.
    Wie Mara bin ich übrigens auch ein Fan der norwegischen Literatur.
    Liebe Grüße aus dem sonnigen Norfolk, wo ich bis jetzt im Garten Abgestorbenes verbrannte
    Klausbernd

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    • Lieber Klausbernd,
      danke für die freundlichen Worte zu meiner Buchauswahl, die mich sehr gefreut haben. Ich hoffe, den Erwartungen an meine Buchauswahl weiter gerecht zu werden – I’ll do my very best!
      Herzliche Grüsse aus Hamburg und Norddeutschland, dem Land der vereisten Zugtrittbretter, der rutschenden hochmotorisierten Schrankwände und tief vermummten weihnachtshetzigen Konsumpassanten😉
      Jarg

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  4. „Traumland“ ist ein bemerkenswertes Buch – und ich hoffe auf weitere Übersetzungen dieses norwegischen Autors ins Deutsche …
    Wie war Steve Toltz für Dich? Er spaltet ja ein wenig die Leserschaft, oder?

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  5. Bis auf den Roman von Steve Toltz habe ich bisher keines deiner genannten Bücher gelesen. „Bonbontag“ und „Die Insel auf den ich strande“ haben es aber bereits auf meine kilometerlange Wunschliste geschafft!🙂 Auch „Traumland“ klingt sehr interessant, ich mag sehr gerne Bücher aus Norwegen!

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