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Jargsblogs Beste 2012: Sachbücher

Auch bei den Sachbüchern gab es in diesem Jahr einige bemerkenswerte, anregende und schöne Lektüren, die an dieser Stelle keinesfalls fehlen sollten. Die Auswahl ist auch hier nicht einfach: aus den auf Jargsblog rezensierten Büchern habe ich letztlich zehn ausgewählt, die mich in diesem Jahr besonders beschäftigt und begeistert haben:


Den Blick für die Natur um uns herum in Stadt und Land schärft das hervorragend illustrierte und schön edierte „Naturgenies : die verblüffenden Tricks der Tiere und Pflanzen“, das nicht nur eine kleine Einführung in die Entstehung und den Aufbau allen Lebens bietet, sondern mit einem Streifzug durch die Jahreszeiten die Augen öffnet für die wunderbaren Erscheinungen der Natur, sie erklärt und Lust darauf macht, mehr zu erfahren. Für mich eines der schönsten Bücher des Jahres!


Unsere aufgeklärte Zeit, die derzeit wieder von Fundamentalismus und Dogmatismus bedroht ist, wäre nicht möglich gewesen ohne die Renaissance. 1417 wurde zufällig von einem italienischen Humanisten in einem deutschen Kloster ein „ketzerisches“, unerhört modernde Gedanken äußerndes antikes Gedicht wiederentdeckt, abgeschrieben und nur so der Nachwelt erhalten und wieder zur Kenntnis gebracht. Wie stark dieses Gedicht modernes Denken bis in unsere Tage beeinflußt hat und welche Vorgeschichte, welche Einflüsse auf die Nachwelt diese Wiederentdeckung hat, enthüllt uns Stephen Greenblatt in „Die Wende : wie die Renaissance begann“. Ein ungemein anregendes Buch, spannend wie ein Krimi und doch von großer intellektueller Schärfe.


In die Hand jedes Politikers, jedes Stadtplaners, Lehrers und auch aller Eltern sollte „Menschenkinder : Plädoyer für eine artgerechte Erziehung“ von Herbert Renz-Polster gehören: der Kinderarzt und Wissenschaftler setzt sich damit auseinander, wie die Evolution unsere Kinder und ihr Verhalten prägt, räumt auf mit Klischees, Vorurteilen und vielen Ratgebertipps zur Kindererziehung und setzt sich leidenschaftlich und durchaus auch polemisch dafür ein, den Kindern den Raum und die Lebensbedingungen zu geben, die sie brauchen.


Tief bewegt und berührt haben mich die Erinnerungen „Da steht mein Haus“ von Hans Keilsson: der in den Dreissiger Jahren aus dem nationalsozialistischen Deutschland geflohene Arzt und Schriftsteller beschreibt darin mit einer klaren Sprache und dem absoluten Vorrang der aufschimmernden Erinnerungsbilder vor der biographischen Akkuratesse, eine Kindheits- und Jugenderinnerung der besonderen Art. Nie beschwört sie eine heile Welt, und doch lässt sie in der Zartheit ihrer Bilder das aufscheinen, was später so brutal verloren zu gehen scheint, in Keilsons Erinnerung jedoch wieder gegenwärtig wird.


Ein leidenschaftliches Plädoyer für das Fahrrad mag man aus den „Bycicle Diaries“ den britischen Musikers und Künstlers David Byrne lesen, der über seine Radlererfahrungen in neun Metropolen der Welt berichtet: eine wunderbares Buch über das Reisen, das Radeln und die pedalisiert gefördete Begegnung mit fremden Menschen und Kulturen.


Anregend und bereichernd war für mich die Lektüre von Florian Illies Buch „1913 : Der Sommer des Jahrhunderts“, in dem er monatsweise, humorvoll und kenntnisreich Anekdoten und Fakten aus dem Leben von Malern, Musikern, Literaten und anderen Zeitgenossen im Jahr 1913 verbindet und so Erlebnisse, Verbindungen, Begegnungen, Verflechtungen und gegenseitigen Einflüsse nachzeichnet. Es entsteht das Bild eines Jahres zwischen Aufbruch und Restauration, zwischen Moderne und Althergebrachtem, am Vorabend der ersten großen Weltkriegskatastrophe des Jahrhunderts.


Simon Garfields „Just my Type“ setzt uns in Kenntnis über die spannende Geschichte der Typografie, über Schriftgestaltung, typografische Glaubenskriege, skurrile Schriftgestalter und brutale Schrifttypen. Ein wunderbares Werk für Buchliebhaber und Schriftfetischisten, dass anregt, sich mit Typografie auseinanderzusetzen und mit der Bedeutung gut gestalteter Schrift.


Seine Reiseberichte und Essais sind für manche Kult, seine Art zu Erzählen ist ungeheuer lebendig, subjektiv und von einem Menschen geprägt, der wachen Auges durch die Welt geht. Wie alle seine Bücher, so hat mich auch Helge Timmerbergs „African Queen“ gefesselt und begeistert: Die besondere Verquickung von Reiseabenteuer mit dem nicht risikoloseren und eigentlich gefährlichsten aller Abenteuer – der Liebe – macht einen nicht unerheblichen Reiz des Buches aus, das mit Humor, tiefen Gedanken und der Weisheit eines Reisenden begeistert, den Reisen nicht unverändert lassen.


Eine andere Art der Biografie und ein Plädoyer für den Zauber des Augenblicks – ob im Unglück oder Glück, war für mich „Momentum“ von Roger Willemsen, ein ungeheuer intimes Buch, das gleichzeitig Mut macht, den Blick zu öffnen und zu weiten für das eigene Leben und das der anderen, für seine Unabwägbarkeiten und Bestimmungen. Ein schönes Buch und für mich zugleich eines der schönsten Leseerlebnisse des Jahres.


Ein moderner Klassiker und Longseller zu einer zeitgemäßen Ethik ist das in diesem Jahr auch als Taschenbuch erschienene „Jenseits von Gut und Böse“ von Michael Schmidt-Salomon, das auf hohem intellektuellem Niveau bei guter Lesbarkeit aufräumt mit der Vorstellung, eine auf „Gut“ und „Böse“ basierende Moral sei notwendig für eine Gesellschaft. Das ungemein anregende Buch, das neueste Erkenntnisse der Hirnforschung einbindet in einen spannenden

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