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Goodnight / William Fitzsimmons

Kennen Sie das? Sie hören Musik. Eher nebenbei, denn Sie sind mit etwas anderem beschäftigt. Doch die Musik, eigentlich sehr zurückhaltend, gerät in den Fokus Ihrer Aufmerksamkeit. Etwas daran ist besonders, obwohl die Musik eher zurückhaltend, ja zart ist – vielleicht eine Klangfarbe, ein wiederkehrender Akkord. Dann lauschen Sie genauer, Ihre Beschäftigung unterbrechend, und merken, dass auch der Gesang Sie anspricht, die Worte, die gesungen werden, eine Geschichte erzählen. Plötzlich hören Sie gebannt zu, hören das Album zuende. Sie lesen die Texte, hören die Musik nocheinmal und merken, dass sie etwas entdeckt haben – einen Musiker, den Sie bisher noch nicht kannten, der etwas zu erzählen hat und die Erzählungen nicht nur in feine Worte setzen kann, sondern auch wunderbare Musik dazu findet.

So ging es mir mit diesem Album von William Fitzsimmons, das mir im Frühjahr dieses Jahres zu einer echten Entdeckung wurde. Fitzsimmons, Sohn blinder Eltern, der Psychologie studierte und mit seelisch erkrankten Menschen gerarbeitet hat, ist in den USA bereits sehr viel bekannter ist als hierzulande. „Goodnight“ ist sein zweites Album und wurde daheim aufgenommen, was vielleicht dazu beigetragen hat, dass die Musik einen geradezu intimen Charakter bekommen hat, ohne deshalb klangliche Brillianz vermissen zu lassen.

Seine Musik ist eine Mischung aus akustischen und elektronischen Instrumenten und zeichnet sich durch sehr persönliche Texte aus, die aus dem persönlichen Lebensumfeld des Sängers erzählen und eigene Erlebnisse verarbeiten. Die feine Instrumentierung von Banjo bis Mandoline, ergänzt um zarte elektronische Elemente bis hin zu geschickt eingesetzten Geräuschen und die subtilen Arrangements werden dabei vortrefflich von den sanft mit Baritonstimme vorgetragenen Texten ergänzt. Trotz eines melancholischen Untertones sind die Songs wunderschön, weiten die Gedanken und lassen sie aus den Niederungen des grauen Alltags aufsteigen. Die Songs sind im wahrsten Sinne des Wortes ansprechend, melancholisch und zart, führen einen aber mit jenem feinem Lichtstrahl der Lebensfreude durch die dunkleren Nebel menschlichen Daseins, der einen letztlich doch gelassen am reissenden Fluss des Lebens stehen lässt.

Wunderschöne Musik für alle, die Simon & Garfunkel, Cat Stevens aka Yusuf Ilsam oder Sufjan Stevens schätzen und gerne Musik mögen, für die sich Zeit zu nehmen lohnt.

21 thoughts on “Goodnight / William Fitzsimmons

  1. Lieber Jarg,
    ich komme grade nicht so regelmässig zum Lesen und posten. Deshalb habe ich diesen Beitrag erst jetzt so recht wahrgenommen. Grade noch rechtzeitig…. Habe mir dann gleich mal diesen William Fitzsimmons angehört – und was ich gehört habe, hat mir sehr gefallen. Ich kannte den Mann nicht, eine echte Entdeckung. Hat mich manchmal an die Eels respektive Mark Oliver Everett erinnert, speziell an sein Live-Album ‚Eels with Strangs live at Town Hall‘. Naja, ich liebe Live-Alben…
    Liebe Grüsse
    Kai

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    • Lieber Kai,
      die Eels sind natürlich auch wunderbar. Deine Begeisterung für Live-Alben kann ich auch gut nachvollziehen – einen Künstler live zu sehen und zu hören kann ein ganz besonder intensives Erlebnis sein. Ging mir zuletzt bei Sophie Hunger so, deren CDs ich sehr schätze und live alles nochmal getoppt hat.
      Liebe Grüsse
      Jarg

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    • Gern geschehen!!
      Ja, der Bart, der hat auch was. Könnte ich mir glatt abgucken und mir so eine Matte über das Sakko hängen lassen. Aber meine Kinder wollen ein glattes Kinn am Vater, nichts zu machen😉
      Herzlich grüsst
      Jarg

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    • Gern geschehen. Und viel Spaß beim Entdecken dieses aussergewöhnlichen Musikers.
      Alex Hepburn habe ich gerade in der Bibliothek entliehen – mit Deiner Empfehlung und dem Link damit ist die unbedingt anzuhörende Scheibe für das Wochenende wohl gesetzt!😉

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  2. Entdeckte ihn damals zufällig durch die Amazon „Könnte Sie auch interessieren“-Funktion als ich eigentlich nach Joshua Radin suchte. Übrigens auch ein klasse Musiker.
    Mittlerweile stehen alle Alben von beiden in meinem Regal. Schön, dass solche Geheimtipps hier etwas Aufmerksamkeit erfahren!

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    • Danke für die freundlichen Worte. Joshua Radin interessiert mich jetzt natürlich sofort – und zum Glück hat die Bibliothek meines Vertrauens sein 2011er-Album im Bestand. Ich werde nachhören …

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      • Das trifft sich gut. Eben jenes werde ich mir ausleihen, sobald ich Luft habe für die Bibliothek meines Vertrauens – und nicht hektisch aus dem Regionalexpress aussteige und in die U-Bahn springe, um nach Hause zu kommen.
        Der Link ist total ok und bleibt hier stehen …
        Danke und herzliche Grüsse von
        Jarg

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    • Zum Wachwerden ist das sicher nichts – aber wenn man sich Zeit nimmt und ihm zuhört, fällt der Alltag locker von einem ab und des Lebens Kern tritt klar zutage😉

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