Startseite » Bücher » Unverbissen vegetarisch : der lockere Einstieg in ein fleischloses Leben / Claudia Klinger

Unverbissen vegetarisch : der lockere Einstieg in ein fleischloses Leben / Claudia Klinger

Mag sein, dass der „Veggie-Day“, den die GRÜNEN kurz vor der Wahl propagiert haben, zu provokativ für manche Fleischesser war und die Partei einige Stimmen gekostet hat. Das ändert aber nichts daran, dass es prinzipiell gut wäre, wenn in breiten Kreisen der bevölkerung mehr Reflexion über das eigene Ernährungsverhalten vorhanden wäre – sowohl im Bezug auf die Gesundheit als auch in Verbindung mit den ökologischen, ökonomischen und ethischen Folgen, die der eigene Ernährungsstil im Allgemeinen und der hohe Fleischkonsum in den Industrienationen im Besonderen zur Folge hat.

Claudia Klinger, bis 2010 durchaus überzeugte Fleischesserin, stiess kurz nach dem Gammelfleichskandal über die Haltungsbedingungen von Tieren im besagten Jahr auf das Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer, das bis in die Leitmedien hinein für Diskussionen sorgte. Sie begann, sich über die erschreckenden Haltungsbedingungen von Tieren und deren nicht selten grausame Schlachtung zu informieren, stiess auf Blogs zur vegetarischen und veganen Ernährung sowie auf die Diskussion um Tierethik und Tierrechte – und begann, ihre eigene Ernährung umzustellen und darüber auf dem Blog „Unverbissen vegetarisch“ (Untertitel: „…flexitarisch, vegetarisch, vegan? Hauptsache, die Richtung stimmt!“) zu berichten. Mit einigem Erfolg, weshalb irgendwann der TRIAS-Verlag anregte, daraus ein Buch zu machen.

Der Ansatz von Klinger war dabei, die eigene Ernährung schrittweise umzustellen, ohne dogmatisch auf der sofortigen Abkehr vom Fleisch- und Milchkonsum zu beharren. In der Folge informiert sie sich breit über vegetarische und vegane Ernährung, probiert Rezepte aus, testet Produkte und entdeckt auch tatsächliche Alternativen zu Fleisch- und Wurstwaren, Käse und Milch. Insbesondre mit Seitan und verschiedenen Sojaprodukten gelingt es ihr, sogar überzeugte Fleischesser ahnungslos rein vegane Gerichte zu verzehren, denen man den Mangel an Fleisch nicht anmerkt.
Dabei steht für Klinger allerdings nicht primär der Fleichersatz in Textur und Geschmack im Vordergrund. Sie entdeckt mit der Zeit, dass der Verzicht auf tierische Nahrung nicht mit Verzicht verbunden sein muss, manches vegane oder vegetarische Gericht sogar besser schmecken kann als die „normale“ Variante.

Ich bin selbst seit über 20 Jahren Vegetarier, habe aber aus Klingers Buch nicht nur einiges an Denkanstößen übernehmen können, sondern fühle mich auch angeregt, selbst mal das eine oder andere Produkt aus der veganen Ecke (etwa Seitan) beim Kochen auszuprobieren. Wenn man Kinder hat , die ebenfalls vegetarisch aufwachsen, ist man letztlich immer mal wieder auf der Suche nach etwas Neuem, da Kinder heikle Esser sein können, deren Vorlieben von einem auf den anderen Tag wechseln.

Bemerkenswert finde ich bei Klinger, dass ihr jeglicher missionarische Eifer fehlt, der mich an manchem „Mit“Vegetarier schon gelegentlich gestört hat, weil ich ihn für wenig erfolgreich halte, um Fleischesser zu überzeugen, „es“ mal vegetarisch oder gar vegan zu probieten. Mag sein, dass es daran liegt, dass Frau Klinger erst jenseits der 50 auf vegane und vegetarische Ernährung als Alternative stiess. Gerade weil das Buch so wenig missionarisch ist, könnte es für skeptische „Fleischer“ (wie meine Zwillinge Fleischesser immer nennen) jedoch eine gute Anregung bieten, es zumindest zur Abwechslung mal mit vegetarischen Gerichten auszuprobieren.
Auch wenn es für vegetarische oder vegane Ernährung mittlerweile eine Reihe überzeugender Argumente gibt, kan gerade der Geschmack auf einer anderen, der sinnlichen Ebene punkten und es sehr viel erstrebenswerter sein, viele zu bewegen, weniger Fleisch zu essen, als apodiktisch auf der totalen Abkehr zu bestehen.

Klinger bietet nicht nur eine Fülle von Informationen zu gesundheitlichen Aspekten, sondern auch zahlreiche Produkthinweise, die auszuprobieren sich lohnen könnte, sowie Webadressen und Rezepte. Ihr Buch beschreibt ähnlich wie ihr Blog keinen Königsweg, sondern macht deutlich, dass hier jemand mutig und gewillt war, für sich einen anderen Weg zu suchen, dabei neugierig auszuprobieren, was die Welt so an essbaren Alternativen anzubieten hat, ohne sich deshalb sofort jeden plötzlich auftretenden Fleischgenuß zu verbieten.

Ein undogmatisches, pragmatisches und damit sehr lesenswertes Buch – sowohl für „eingefleischte“ Vegetarier, die daraus manche anregende Information ziehen können, als auch für angehende Vegetarier und „Fleischer“, die mal über den Tellerrand sehen wollen, ohne sich stigmatisiert fühlen zu müssen.

9 thoughts on “Unverbissen vegetarisch : der lockere Einstieg in ein fleischloses Leben / Claudia Klinger

  1. Ich hatte mir das Buch aufgrund deiner Empfehlung als eBook geliehen. Die knapp 120 Seiten lassen sich gut lesen. Die Lektüre dürfte auch für Fleischesser interessant sein, geht die Autorin doch tatsächlich ohne missionarischen Eifer ans Werk und teilt mit dem Leser ihre Gedanken und Erfahrungen. Dies mag am Alter liegen, wie sie selber sagt, ich glaube, dass ist eine Typsache.
    Liest man das Büchlein als Vegetarier fühlt man sich in vielen Dingen bestätigt. Gleichzeitig steigt die Lust wieder mehr auszuprobieren, z.B. mehr Aufstriche in der heimischen Küche zu fertigen. Auch einige Webadressen waren mir nicht bekannt.

    Ein Buchtipp, den ich nur weiterempfehlen kann. Ich danke dir.

    Gefällt mir

    • Keine Ursache, gern geschehen. Es freut mich, dass Dir das Buch gefallen hat. Mir als eingemüstem Vegetarier ging es ähnlich wie Dir: viel Bestätigung, manch überraschende Erkenntnis und etliche Anregungen.
      Herzlich gruesst Jargon

      Gefällt mir

    • Gern geschehen. Ich werde auch mal einiges daraus ausprobieren. Ob es die Kinder dann essen, ist natürlich eine gänzlich andere Frage, die vermutlich ein gänzlich anderes Buch erfordert😉
      Herzlich grüsst
      Jarg

      Gefällt mir

  2. Bemerkenswert finde ich bei Klinger, dass ihr jeglicher missionarische Eifer fehlt, der mich an manchem “Mit”Vegetariern schon gelegentlich gestört hat, weil ich ihn für wenig erfolgreich halte, um Fleischesser zu überzeugen, “es” mal vegetarisch oder gar vegan zu probieten.
    Da haben wir etwas gemeinsam. Wobei ich manch einen missionarischen Eifer schon als militant bezeichnen würde, was leider nicht sehr effektiv ist.
    Das Buch hört sich interessant an, ich werde mal rein schauen. Danke für die Vorstellung.

    P.S. Ich lebe übrigens seit ca. 10 Jahren vegetarisch und ich lebe gut damit. Meine Umwelt auch (denke ich), denn ich beginne keine fruchtlosen Diskussionen, erkäre aber gerne meine Gründe wenn ich gefragt werde.

    Gefällt mir

    • So geht mir auch. Der Wurstsalatesser oder der Riesenschnitzelverzehrer gegenüber störende mich idR nicht … und wer ehrlich an meinen Motivationen interessiert ist, darf gerne fragen. So erreicht man mehr und alle sind entspannt dabei

      Gefällt mir

    • Ja, so gehts mir auch. Der Wurstsalatesser neben mir stört mich ebensowenig wie der Schnitzelvertilger gegenüber – und wer fragen mag, mag fragen. Dann rede ich auch gerne darüber. Aber gerne auch enstpannt.

      Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s