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Jargsblogs beste Bücher 2013: Romane

Auch für das Jahr 2013 gilt es wieder, eine literarische, musikalische oder cineastische Bilanz zu ziehen auf diesem Blog und damit die ausgesprochen gut aufgenommene Tradition aus dem Vorjahr wieder aufzunehmen. Im Rückblick betrachtet scheine ich im Jahr 2013 vorwiegend Romane mit einer gewissen melancholischen, zuweilen sogar traurigen oder düsteren Grundstimmung gelesen und hier auf Jargsblog vorgestellt zu haben: Geschichten von Verlust, Trauer und Veränderung dominieren die entsprechende Rubrik.

Dabei ist ein Schwerpunkt bei skandinavischen Autoren und amerikanischen Vertetern des Krimi noir zu beobachten und eine gewisse Exzessivität: so führte die Entdeckung von Per Pettersson zur Lektüre weiterer Bücher von ihm und anderen norwegischen Autoren, während Woodrell mit „Winter Knochen“ den Auftakt zu einer Lektüreserie düster-existentialistischer Romane führte, die alle mehr oder weniger von Verlieren des amerikanischen Traumes handeln.

So eine Liste ist ja immer eine Momentaufnahme, denn schon Tage später rutscht der Fokus der Erinnerung vielleicht aufgrund aktueller Einflüsse auf andere Bücher. Gemäß dem radikal-subjektiven Ansatz von Jargsblog kann solch eine Liste der zehn „besten“ Romane auch nicht vollständig sein, denn je länger ich darüber nachdenke, desto eher fallen mir auch noch weitere Titel ein, die aus dem einen oder anderen Grund einen Platz auf dieser Liste verdient hätten. Kurz vor Weihnachten mag man die Liste natürlich gerne zum Anlass für Bücherkäufe im lokalen Buchhandel nehmen, denn alle hier aufgeführten Romane sind noch lieferbar.

Aber lesen sie selbst – hier sind Jargsblogs beste Bücher aus der Kategorie „Romane“ für das sich dem Ende zuneigende Jahr 2013. Per Link geht es natürlich immer zur vollständigen Rezension, falls die hier abgesonderte Kurzfassung nicht reicht.


Den Auftakt zu einer Lektüreserie norwegischer Romane bildete Per Petterssons „Ist schon in Ordnung““über die Reflexionen eines alkoholkranken Schriftstellers, in denen er seiner tragischen Lebensgeschichte und seinem Vater näherzukommen versucht. Arvids Leben scheint in Scherben zu liegen – doch je tiefer er in die Familiengeschichte eintaucht, um so näher kommt er seinem übermächtigen erscheinenden Vater und entdeckt unerwartete, verletzliche und leidenschaftliche Seiten an ihm. Ein behutsamer und sorgfältig aufgebauter Roman auf hohem sprachlichen Niveau.


Da ich zum literarischen Exzess neige, zählte auch ein weiteres Buch von Petterson zu meinen Lektüren dieses Jahr: „Im Kielwasser“ ist ein Roman über einen Menschen, der durch die erdrückenden, von der Gegenwart beeinflussten Erinnerungen der Vergangenheit taucht und am Ende alle Fäden aufzunehmen scheint. Ein wahrhaft großes, sprachlich sehr anspruchvolles und schönes Buch.


Sehr beeindruckend war auch „Vindings Spiel“ von Ketil Bjornstad: ein wunderbares Buch, das auf sprachlich und literarisch hohem Niveau mehrere Motive in eine Geschichte fasst: das Erwachsenwerden und seine Schwierigkeiten, darunter die ersten Erfahrungen mit Liebe und Sexualität, die Liebe zur Musik, die zur Obsession werden kann, und die Auseinandersetzung mit dem Tod und der Endlichkeit des Lebens. Dabei gelingen dem Autor wunderbare Bilder, die noch lange vor dem inneren Auge nachleuchten.
Ebenso wunderbar war es, dass die Rezension zunächst exklusiv auf „The World according to Dina“ erscheinen durfte, illustriert mit schönen Bildern von Susanne Haun.


Der Roman „Winters Knochen“ von Daniel Woodrell gab dann den Auftakt zu einer Serie von düsteren Romanen, die sich dem Dunstkreis der Krimis noir oder der Southern Gotchic zuordnen lassen. Ein bedrückendes, gleichwohl auf eine traurige Weise beglückendes Buch von großer literarischer Kraft und elementarer sprachlicher Schönheit, dem kurz daraus vom gleichen Autor der Roman


„Der Tod von Sweet Mister“ folgte, der im gleichen Milieu spielt. Ein zutiefst bedrückendes, trotzdem mitreissendes und perfekt komponiertes Buch über die Kehrseite des amerikanischen Traums und die Not des “American White Trash”, sprachlich hoch intensiv mit starken, düsteren Bildern.


In eine vergleichbare Kategorie würde ich „Driver“ von James Sallis einordnen. Ein Roman, der sich jeglicher moralischer Bewertung entzieht. Ähnlich wie in “Winter in Maine” identifiziert sich der Leser ein Stück weit mit dem eigentlich düsteren Helden – gerade soweit, dass man dessen illegales, ja mörderisches Tun fast schon zu tolerieren bereit ist, nur um ihn überleben zu sehen. Dabei wohnt dem Roman zwischen den Zeilen eine tiefe Melancholie inne darüber, was der Mensch an sich sein könnte und wie weit er unter seinen Möglichkeiten bleibt, womit er sich abfindet.


Mein erster Roman von Richard Ford („Kanada“) gehört unbedingt auf diese Liste: Eine düstere, eine traurige und zutiefst menschliche Geschichte über Schuld und Einsamkeit, über die jähe Zerbrechlichkeit der menschlichen Welt, über den dünnen Schutzraum, der Kinder umgibt, bevor sie, erwartbar oder plötzlich herausgerissen aus der heil erscheinden Kindheitswelt, in eine ungewisse Zukunft aufbrechen. Ein Entwicklungsroman und zugleich auch eine Geschichte über eine Familie, die am Leben zerbricht.


„Und wieder Februar“ von Lisa Moore nimmt sich mit dem Untergang der Ölplattform „Ocean Ranger“ ein reales Ereignis als Basis für ihre Geschichte. Moore ist es gelungen, über Trauer, Verlust und spätes Glück ohne gefühlsselige Worte in einem von intensiven Naturbildern angereichterten Klang zu erzählen. Dabei arbeitet Moore die Gefühlswelt ihrer Protagonistin, ihre Trauer und ihre innere Wandlung durch geschickte Rückblenden heraus. So entsteht ein Erzählfluß, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft und einen starken Sog auf den Leser entwickelt.


Haruki Murakamis fantastische, beeindruckend illustrierte Novelle „Die unheimliche Bibliothek“ darf auf dieser Liste nicht fehlen. Murakami führt uns in eine unhemliche, eine klaustrophobische Bibliothek, einen Ort der Schatten und des Schreckens, düster, skuril und seltsam, der alte Kindheitsängste aufflackern lässt. Die Geschichte fesselt ungemein, fühlt man sich doch in die bizarren Realitäten eines nächtlichen Alptraums versetzt, in dem Schönheit und Tod, heitere Momente und offensichtliche Grausamkeit nahe beieinanderzuliegen scheinen.


Im englischen Sprachraum und vor allem in der Bergsteigerszene wohl ein echter Klassiker, liegt es jetzt auch auf Deutsch vor: das Buch „„Die Besteigung des Rum Doodle“ von William E. Bowman über eine fiktive Expedition. Wer gerne Bergsteigerliteratur liest und auch den einen oder anderen Bericht über die mit gigantischem Aufwand betriebenen Erstbesteigungsexpeditionen der 1930er bis 1950er Jahre kennt, wird an dieser wunderbaren Parodie seine Freude haben und sich am Ende wünschen, dass es den im Buch beschriebenen Rum Doodle wirklich geben würde – denn eine absurdere, komischere Bergbesteigung lässt sich wohl kaum denken, eine Expedition, bei der etwa Champagner häufig benötigter Bestandteil der Reiseapotheke ist und sich jeder Proviantvorrat durch den einheimischen Koch in einen ungeniessbaren Brei verwandelt.

10 thoughts on “Jargsblogs beste Bücher 2013: Romane

  1. Ui… Pettersson muss ich mir dringend mal auf die Liste setzen. Ich mag ja die Skandinavier – bei ihnen sind die Charaktere immer etwas gegen den Strich gebürstet und selten eindimensional.
    Ein gutes, entspanntes und lesemußiges neues Jahr wünsche ich bei dieser Gelegenheit noch 😊

    Herzliche Grüße
    Sonja

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    • Hallo Sonja,
      Pettersson ist ein ganz wunderbarer Autor, den zu entdecken für mich eines der schönsten Leseerlebnisse im letzten Jahr war und zu einer wahren Norwegenphase mit Büchern verschiedener Autoren führte. Irgendwie wachsen dort ganz besondere Schreiber …
      Auch Dir, wenn auch wegen akutem Kommentamoderationsstau etwas verspätet, ein gutes neues Jahr mit zahllosen schönen neuen Leseentdeckungen [es muss ja nicht „Der große Bluff“ sein ;-)]
      Herzlich grüsst
      Jarg

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      • Den großen Bluff hebe ich mir für Zeiten besonderer mentaler Stärke auf😉

        Ich habe vor (zehn? zwölf?) Jahren ein Buch von Herbjoerg Wassmo (Die siebte Begegnung) gelesen. Ob es jetzt besonders gut war, kann ich nicht mehr genau sagen – aber wie ich gerade feststelle, sind mir noch viele Bilder im Kopf. Und das ist ja auch schon wieder besonders😉

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      • Hallo Sonja,
        Wassmo kenne ich noch gar nicht. Nach all der düsteren Noir-Literatur der letzten Zeit könnte aber die literarische Weiterreise nach Norwegen nicht schaden (in der Tat lese ich gerade Anne B. Ragdes „Ich werde dich so glücklich machen“) – und die so lange bei Dir nachwirkenden Bilder, von denen Du schreibst, weisen auf eine Autorin, die mich interessieren könnte. Ist abgespeichert in der Schublade für besondere Lesevorschläge. Danke!
        Herzlich grüsst Jarg

        PS: Muchs „Bluff“ liest sich auch sehr amüsant und man kann das O.-Kapitel auch überblättern😉

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    • Lieber Kai,
      danke schön für die freundlichen Worte. Beide genannten Autoren sind sehr lesenswert … und insbesondere der Norwegen hat mich nachhaltig beeindruckt. Eine intensive Lektüre und liebe Gruesse!
      Jarg

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    • Hallo Susanne,
      danke schön!
      Die Blog-Kooperation bei „Vindings Spiel“, verbunden mit Deinen schönen Illustrationen, hätte natürlich noch ein Extra-Posting verdient.
      Meine Vorweihnachtstage sind ja zur Zeit auch Vorgeburtstagstage – die Zwillinge sind schon ganz aufgeregt.
      Auch Dir einen zauberhaften Tag und beste Grüsse von
      Jarg

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