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Jargsblogs beste Scheiben 2013: Musik

Auch im Jahr 2013 gab es eine ganze Reihe bemerkenswert schöner und beeindruckender Alben: diejenigen, die mich am meisten berührt haben, habe ich bereits auf Jargsblog vorgestellt und daraus zum Jahresende eine kleine, feine Auswahl getroffen – was nicht einfach war. Viel Spaß beim Stöbern und entdecken der einen oder anderen musikalischen Perle.

Ganz oben steht dieses Jahr eine amerikanische Künstlerin, die nicht ganz zufällig bereits in einem Musical Janis Joplin darstellen durfte und mich sehr begeistert hat: Dana Fuchs wird in „Bliss Avenue“, meinem diesjährigen Lieblingsalbum, kongenial ergänzt vom rollend-erdigen Bass Daleys, der Virtuosität von Diamond Powerhouse und dem gut arrangierten Zusammenspiel der Band, zeigt Fuchs die ganze Bandbreite ihrer Stimme in kraftvoll-rockigen Stücken (etwa dem Titelsong) sowie in Balladen. Insgesamt überwigt in der überwiegend etwas ruhigeren Album der Bluesrock, ergänzt um soulige Elemente, Traditional Rock und musikalisches Südstaatenflair. Ein wunderbares Album von einer wunderbaren Musikerin, deren unverwechselbare Stimme im Verbund mit der authentischen und gut ausbalancierten Virtuosität einen echten Hörgenuß bietet.

Diana Krall überzeugt in „Glad Rag Doll“ einmal mehrmit ihrer Stimme: lasziv, warm und voller Selbstbewußtsein, schmeichelt die dem Ohr des entzückten Hörers und macht doch zugleich den Abstand klar, als säße man selbst im Nachtclub vor der Bühne, gebannt vom Gesang und doch gefangen in einem deutlich vernehmbaren, doch nie ausgesprochenen “Lass dich einfangen von meinem Gesang, aber komme mir nicht zu nahe!”. Die Bandbreite von “Glas Rag Doll” reicht von direkt in die Beine gehenden Songs wie “You Know – I Know Ev’rything’s Made For Love” bis hin zum melancholisch-düsteren Klassiker “Lonely Avenue” von Ray Charles, mit dem uns Krall akustisch in einen zwielichtigen Nachtclub in einer dunklen Seitengasse entführt. Ein wunderschönes Album, dem man sich gerne anvertraut, und das besonders gut an einem nasskalten Winterabend bei flackerndem Kerzenlicht und draußen heulenden, regenpeitschenden Winden gefällt.

Jill Barbers „Michievious Moon“ ist ein sorgfältig aufbereitetes und klassisch arrangiertes Album, opulent und filigran zugleich, das den geneigten Hörer mit leiser Romantik und einem Hauch von Drama in die 1950er entführt und unerhört entspannend wirkt, als säße man in einem gerade von der California State Route 1 abgebogenen 1955er Studebaker Speedster, dessen abgestellter Motor noch knistert, irgendwo mit Meerblick auf einem einsamen Parkplatz an der Küste von Big Sur. Mit Auto-Radio, natürlich.

Es gelingt dem 21jährigen Jesper Munk in „In my way it lies“ glaubhafte, authentische Geschichten zu erzählen und sich mit seiner rauhen Stimme und den feinen Kompositionen rasch tief im musikalischen Gedächtnis des geneigten Zuhörers zu verankern. Schnell merkt man, dass hier nicht jemand abgegriffene Gefühlsklischees zu musikalischen Versatzstücken verbastelt, sondern offen auf die Welt und in sich hinein schaut und seine Gefühle, seine Gedanken in seine Songs fliessen lässt, Geschichten in und zwischen den Songzeilen zu erzählen weiss und dabei alle musikalischen Register zieht zwischen zart und hart, zwischen rauh und sanft, zwischen kraftvoll-energisch und subtil.

Der virtuose Musiker William Fitzsimmons zeigt in „Goodnight“</a> einmal mehr eine Mischung aus akustischen und elektronischen Instrumenten und zeichnet sich durch sehr persönliche Texte aus, die aus dem persönlichen Lebensumfeld des Sängers erzählen und eigene Erlebnisse verarbeiten. Die feine Instrumentierung von Banjo bis Mandoline, ergänzt um zarte elektronische Elemente bis hin zu geschickt eingesetzten Geräuschen und die subtilen Arrangements werden dabei vortrefflich von den sanft mit Baritonstimme vorgetragenen Texten ergänzt. Trotz eines melancholischen Untertones sind die Songs wunderschön, weiten die Gedanken und lassen sie aus den Niederungen des grauen Alltags aufsteigen.

„An Acoustic evenning at the vienna opera house“ von Joe Bonamassa ist ein echtes musikalisches Erlebnis. Dieses vergleichsweise ruhige Album mit seiner leuchtend schönen arrangierten Musik hat mich 2013 nachhaltig begeistert – und auch den Zwillingssohn, der insbesondere von “Dust Bowl” nicht genug bekommen kann. Der Konzertmitschnitt auf der beigefügten DVD ist ebenfalls sehr sehenswert und um einiges Dokumentationsmaterial angereichert. Wunderbare Musik, auch sehr für die hier schon oft beschriebenen langen Autofahrten geeignet, für das Öffnen der Ohren und für weite Herzen an Tagen, an denen die Welt uns zu eng geworden ist.

Manche Bands sind unverzeihlicherweise jahreslang an mir vorbeigenagnen. So auch Kettcar, die mir jetzt mit „Zwischen den Runden“ begegneten. Ein wunderbares Album, das mir über die weit offene Ohrschnittstelle direkt in den Bauch fuhr: bemerkenswert gute, zuweilen sehr lyrische Texte – wunderbar interpretiert von Marcus Wiebusch mit seiner heiser-rauhen Stimme – in Verbindung mit einer schön instrumentierten und arrangierten Musik, perfekten Gitarrenriffs von zart bis hart auf einem Album voll von melancholisch eingefärbtem Lebenstrotz, dass Independent-Pop durch die Verwendung von Streichern, Bläsern und Klavier geschickt mit jazzigen Elementen verbindet.

Sophie Hungers „The Danger of Light“ ist ebenfalls ein bemerkenswert eigenständiges Album jenseits des Mainstream: Die Schweizerin, mittlerweile wohl eine der international bekanntesten Musikerinnen ihres Landes, bewegt sich in den Grenzbereichen von Chanson, Pop und Vocal Jazz und zeichnet sich durch eine musikalische Wachheit weit jenseits der auf ewige, stets gleichbleibende Reporduzierbarkeit angelegten Massenprodukte aus, die auch ihre Konzerte zu einem unvergesslichen und intensiven Erlebnis machen, in denen die Grenze zwischen vorher festgelegten Songs und Improvisation in den besten Momenten wunderbar fliessend wird.

Er röhrt, grummelt, dröhnt immer noch unvergleichlich: Tom Waits, der in“Bad as me“ mal wieder die hintersten Winkel der menschlichen Existenz auslotet, ihre Abrgünde, verschlungenen Wege, abscheuliche Ecken und elenden Einsamkeiten: dabei dringt er mit seinen Songs tief ins Herz seines Zuhörers und lässt einen verändert, doch nicht verletzt zurück. Kunstvoll wandert er zwischen Ernst und Heiterkeit, Hoffnung und Melancholie, Verzweiflung und Trotz, Sarkasmus und Romantik mit Songs, die zwischen Blues, Roackabilly, Jazz und Anklängen ans Vaudeville changieren.

4 thoughts on “Jargsblogs beste Scheiben 2013: Musik

  1. Lieber Jarg, da hast Du wirklich einige Perlen versammelt. Ich habe gerade in die Scheibe von Joe Bonamassa reingehört und kann besonders hier Deine Begeisterung vollkommen verstehen. Das ist wirklich toll. Und obwohl Joe Bonamassa seit Jahren ganz massiv vom Plattenladen meines Vertrauens (Mr. Music in Bonn) gepusht wird, ist diese Scheibe an mir vorbeigegangen. Ich neige dazu, das Ding sofort herunterladen zu müssen… Über Dana Fuchs haben wir ja schon mal commented, die finde ich auch grossartig, genau so wie der mir bis zu Deinem Post vollkommen unbekannte Herr Fitzsimmons mit seiner wunderbar entspannten Musik. Meine Platte des Jahres ist was älter – und tatsächlich war Deine Besprechung von Dana Fuchs (und ihre Stimme) Anlass für mich, so lange darüber zu grübeln, bis mir Genya Ravan wieder einfiel. Deren Scheibe Urban Desire von 1978 habe ich wieder rausgeholt und sehr häufig zum Aggressions- und Frustabbau, zum neue Energie tanken und einfach zum Mitgrölen seeehr laut im Auto auf allen möglichen Wegen gehört. In itunes gibt es die jetzt auch und es lohnt sich echt immer noch, mal reinzuhören. Also was Ruhiges ist das nicht, die knallt eher so rein… Von den neueren Sachen haben mir in diesem Jahr vor allem die Dawes gut gefallen und eine Band namens Young Rebel Set. Deren Album ist zwar von 2011 oder 2012, aber für mich ist das noch neu. So, jetzt genug geschwallt, aber wenn es um Musik kann ich mich manchmal leider nciht bremsen. Ich freue mich jedenfalls schon jetzt auf Deine musikalischen Entdeckungen im nächsten Jahr. Liebe Grüsse sagt der Kai

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    • Lieber Kai,
      es freut mich, dass für Dich etwas dabei ist! Bonamassa ist ja wirklich unglaublich – mein achtjähriger Sohn hat ja ein Faible für Gitarrenvirtuosen und stellt den schon auf eine Stufe mit Satriani und den Red Hot Chilli Peppers. Fürchte, irgendwann wird es mal mächtig laut hier und es wird nicht das Klavier sein.
      Danke für die Musiktipps, denen ich im neuen Jahr unbedingt nachgehen werde. Hoffe, ich schaffe es im Jahresabschluss- und Stellenausschreibungsfuror die Tage mal in die musikalisch recht gut ausgestattete Zentralbibliothek meiner Heimatstadt, die ich täglich beim Umsteigen sehe, aber viel zu selten besuche.
      Liebe Gruesse und guten Rutsch!!
      Jarg

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