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Purely Belter / Regie: Mark Herman. Darst.: Chris Beattie, Greg McLane …

Alles beginnt im Fußballstadion bei Nacht. Man hört die Stimmen zweier Jungs – und plötzlich geht das Flutlicht an und die beiden gehen stiften mit einem Stück Rasen, verfolgt von Sicherheitskräften. Die Freunde Gerry und Sewell sind nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren und leben – wie es so schön heißt- unter prekären Verhältnissen. Gerry hat die Schule zum Verdruss seiner schwerkranken Mutter weitestgehend geschmissen. Er lebt mit ihr und seiner Schwester, die ein uneheliches Kind hat, in einer vom Sozialamt gestellten Wohnung in ständiger Angst, dass der gewalttätige Vater sie finden könnte. Sewell lebt bei seinem senilen Großvater, adoptiert im Laufe der Geschichte den Hund eines stadtbekannten, durchgeknallten Schlägers und verliebt sich in Gemma, die leider mit einem muskelbepackten Football-Spieler liiert ist.

Sie träumen davon, Saisonkarten für die Heimspiele von Newcastle United zu bekommen – ein 1000-Pfund-Traum. Für ihren Traum nutzen sie jedes Mittel vom (erfolglosen) Schrottverkauf bis hin zum gewieften Ladendiebstahl. Endlich sind sie am Ziel, scheint ihr Traum ganz nah: doch leider reisst sich Gerry alkoholkranker, gewalttätiger Vater die Kasse der beiden unter den Nagel. Die Verzweiflung der beiden ist groß – und sie greifen zu einem letzten, verzweifelten Mittel, dass weit über die kleinen Gaunereien hinausgeht, mit denen sie das Jahr über ihren Traum genährt haben. Ausgerechnet dieses letztlich scheiternde Verbrechen öffnet ihnen aber neue Horizonte …

„Purely Belter“ von Mark Hermann („Brassed off“) ist eine jener wunderbaren britischen Komödien, die hinter der heiteren Fassade einen tieferen Blick auf die Lebenswirklichkeit von Menschen wirft, die vergeblich auf eine Änderung der deprimierenden Verhältnisse hoffe, in denen sie leben. Dabei mischt sich in die Komik der Geschichte nicht selten eine tiefe Traurigkeit, die beide Protagonisten umgibt. Bewunderswert authetisch ist das Spiel der beiden Protagonisten, dass buchstäblich unter die Haut geht und zeigt, wie versehrt Gerry und Sewell von ihrem jungen Leben sind und wie sehr sie sich ein anderes, besseres Wünschen im Wissen, dass es für sie nur schwer – wenn überhaupt – erreichbar ist.

Der Film vermeidet dabei einfache Lösungen, zeigt Härten, ohne sie zu beschönigen und lässt einem so die Geschichte von Gerry und Sewell unter die Haut gehen: ihre Verzweiflung und ihre Sehnsucht, ihrem deprimierenden Umfeld wenigstens für die Dauer eines Fußballspiels zu entkommen, wird dabei deutlich spürbar. Ich konnte bei meinen Recherchen zu dem Film nicht feststellen, ob die beiden Hauptdarsteller Laiendarsteller sind – sollten sie es sein, so haben sie meisterhaft gut gespielt, subtil und mit großem Gespür für dramatische und charakterliche Tiefe.

Eine wunderbare Tragikomödie, die unbedingt sehenswert ist.

2 thoughts on “Purely Belter / Regie: Mark Herman. Darst.: Chris Beattie, Greg McLane …

    • Liebe Desiree,
      wenn Du ‚Brassed off‘ und diese kleinen, feinen englischen Arbeiterkomoedien (mit oft traurig realen Elementen) magst, wirst Du diesen Film bestimmt lieben. Die beiden Protagonisten wachsen einem über den Film sehr ans Herz …
      Ein intensives Heimkinoerlebnis und liebe Gruesse von
      Jarg

      Gefällt mir

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