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Sydney Bridge Upside Down : Roman / David Ballantyne

Neuseeland, 1950er Jahre. Calliope Bay ist ein kleiner, abgelegener Ort an der Küste, der schon bessere Zeiten gesehen hat. Seit der Schlachthof geschlossen ist, stirbt der wirtschaftlich ausgeblutete Ort langsam aus. Zu den wenigen Highlights zählt die Ankunft eines Schiffes, das Fracht und selten Besucher nach Calliope Bay bringt. Allgegenwärtig scheint der schweigsame, etwas unheimliche Sam Phelbs, der sein alterschwaches Pferd namens „Sydney Bridge Upside Down“ zur Erledigung kleiner und großer Aufträge durch den Ort treibt.

In Calliope lebt auch der 13jährige Harry. Zusammen mit seinem Vater, der ein Bein verloren hat, und seinem Bruder wartet er in diesem Sommer auf die Rückkehr seiner Mutter, die in die Stadt gezogen ist. Zusammen mit einigen der wenigen Kinder verbringt Harry seine Zeit an der Steilküste und – verbotenerweise – im verlassenen Schlachthof mit seiner unheimlichen, an das massenhafte Töten unzähliger Tiere erinnernden Ausstrahlung.

Doch dann kommt Harrys ältere und wunderschöne Cousine Caroline mit dem Schiff an. Für Harry, der unter der Abwesenheit seiner Mutter leidet und seine Tarurigkeit unter ruppigem Verhalten verbirgt, beginnt eine quälende Zeit, in der er ihre Nähe sucht und zugleich noch ganz der Kinderwelt verhaftet ist. Doch er spürt die begehrlichen Blicke der Männer, die auf seiner Cousine ruhen, und entwickelt einen Beschützerinstinkt, der weit über die Fasination eines Jungen an der Schwelle zur Erwachsenenwelt hinausgeht. Doch schon bald bricht aus dem spielerischen Erkunden der Welt eine Tragödie hervor, die in Harrys Leben zuur nachhaltigen Wende führt …

Leider ist David Ballantines im neuseeländischen Original 1968 erschienener und erst jetzt von Gregor Hens übersetzte Roman der einzige, der bis heute von ihm auf Deutsch erschienen ist. Leider, denn Ballantyne, der zu den großen Schriftstellern Neuseelands gezählt wird, fesselt ungemein mit diesem Roman, der eine Familientragödie geschickt mit einer Coming-of-age-Geschichte verbindet und ebenso beeindruckend wie bedrückend ist. Erzähler ist der Protagonist, Harry, der konsequent aus seiner Perspektive die Ereignisse schildert und sich dabei in Vor- und Rückblenden den dramatischen Ereignissen annähert, die ihn schliesslich voller Schuldgefühle zur Flucht aus dem Ort veranlassen.

Der bereits 1986 verstorbene Ballantyne zeigt nicht nur die inneren Konflikte eines sich aus der Kindlichkeit lösenden Menschen, sondern auch die schmalen Wege, auf die große Emotionen uns Menschen führen können: er erzählt seine Geschichte mit großem Gespür für seine Figuren und einem warmherzigen Mitgefühl für seinen Protagonisten, den zwischen seinen Gefühlen hin- und hergerissen Harry mit seinen dunklen Seiten, den der Leser bestürzt ins Unglück gehen sieht. Zwischen Einsamkeit und Sehnsucht, Freundschaft und Liebe, Angst und Lust entfaltet sich in diesem großen Roman das ganze Kaleidoskop menschlichen Lebens und seine Größe, die so schnell in Tragik umschlagen kann.

Zu recht wird „Sydney Bridge Upside Down“, der Abenteuer- und Entwicklungsroman zugleich ist, heute zur Weltliteratur gezählt. Ein trauriges und zugleich wunderbares und spannendes Buch, fein übersetzt und in Sprache und Komposition sehr überzeugend.

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