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Zurückbleiben bitte! oder: übernehmen die Kinder die Macht?

Generationen von U-Bahn-Passagieren in Hamburg waren daran gewöhnt: vor dem Schliessen der U-Bahn-Türen erklang ein herzhaft geschnarrtes, in den letzten Jahren sanft vom Tonband ertönendes „Zurückbleiben bitte“ (Beispiel: hier), dass über die Jahre noch mit Warntönen und Blinklichtern technisch aufgepeppt wurde.

Das ist vorbei: die Blinklichter und die Warntöne bleiben, aber die Ansage „Zurückbleiben bitte!“ gibt es seit Montag nicht mehr. Nicht, dass das unbedingt zu bedauern wäre und sicher sind die Gründe dafür durchaus schlüssig. Allerdings hatte es einen gewissen touristischen Wert: Auswärtiger Besuch war immer sehr angetan von der Durchsage – vor allem zu Zeiten, als der Text eher wie „Zrrübleim bidde“ klang und zu lautmalerisch ausgekosteten, erheiternden Wiederholungen einlud. Nun, dass Ministry of sound wird ja irgendwann gegründet und gründet dann sicher ein Museum obsoleter Ansagen.

Als Vater von Zwillingen allerdings bekommt das „Zurückbleiben bitte!“ für mich zumindest in musikalischer Hinsicht eine ganz neue Konnotation: bisher war ich als Medienspezialist der Familie ja quasi Monopolist in der Buch-, Medien- und Informationsversorgung. So kamen die Kinder musikalisch etwa auf Joe Satriani, Metallica, Thomas D oder Reinhard Mey, auf weltmusikalische Preziosen oder klassische Harfenklänge. Zumindest im musikalischen Sektor ist das seit dem Wochenende endgültig vorbei:

Die Kinder hatten in den letzten Tagen wiederholt im Autoradio bei den Fahrten zur Schule einen Song gehört, der ihnen nicht mehr aus dem Ohr ging. Mein sprachrhytmisch begabter Sohn konnte das englischsprachige Lied lautmalerisches auch recht passend wiedergeben im vollen Vertrauen darauf, dass sein erwachsener Mediendealer sofort in die Hirnschublade greift, Interpret, Songtitel und die verwendeten Instrumente nennt und hernach zum CD-Regal schreitet, um die Scheibe hervorzuziehen.

Pustekuchen. Vaters musikerinenrungstechnisch durchaus kompetentes Hirn konnte in der akustischen Analyse keine Übereinstimmung mit vorhandenen Songs im Hauptspeicher feststellen. Da aber das Lied offensichtlich um 13:10 just während des Einfahrens in die Tiefgarage von einem bestimmten Sender abgespielt wurde, war die entsprechende Playlist rasch auf dem Smartphone erwedelt: „Somebody That I Used to Know“§ von Gotye, gesunden mit Kimbra. Beide mir durchaus aus berufsbedingten Medienkäufen geläufig, hatten es aber mit dem Song nie zu mir nach Hause geschweige denn auf die Ohrschnittstelle geschafft. Von der dazugehörigen CD „Making Mirrors“ ganz zu schweigen.

Also flugs die CD ausgeliehen und durchaus angetan. Chartplatzierungen müssen nicht immer schlecht sein, Grammys auch nicht und was man über Gotye und Kimbra so im Netz der Netze lesen kann, klingt auch vielversprechend. Jetzt werde ich mir das Album also nochmal ganz in Ruhe anhören, sobald meine Kinder es aus ihren CD-Spielern lassen, die derzeit auf Dauerwiederholung von Song 4 programmiert sind (in dieser Hinsicht neigen sie ebenso zu zeitweisen musikalischen Monotonieexzessen wie ich). Eine Besprechung auf Jargsblog erscheint nach ersten Erkenntnissen nicht ganz unwahrscheinlich. Sehr wahrscheinlich ist aber, dass es auch in Zukunft öfter mal bei uns „Zurückbleiben bitte!“ heissen wird – und ich feststellen muss, dass ich vielleicht recherchetechnisch noch der Held bin, mir die Kinder musikalisch aber mal wieder davongefahren sind. Keine so üble Vorstellung, wie ich finde.

8 thoughts on “Zurückbleiben bitte! oder: übernehmen die Kinder die Macht?

  1. So ist es. Man kann ruhig öfter mal auch auf seine Kinder hören.🙂
    Der Song gefällt mir auch sehr gut.

    Hier eine Coverversion davon mit 5 Leuten und nur einer Gitarre:

    Und diese Coverversion gefällt mir auch sehr gut:

    Die beiden haben jeweils auch einzeln schon viele Coverversionen in die Tube gestellt. Ich bin immer wieder erstaunt, wieviele musikalische Talente es doch gibt.

    LG Gabi

    Gefällt mir

    • Liebe Gabi,
      danke für die Links. Beizeiten werde ich die den Kindern 2wohl mal vorführen, denn die Versionen kennen sie noch nicht …😉
      Ich freue mich immer, wenn meine Kinder mich auf etwas bringen, dass ich noch nicht kannte. Wäre ja auch blöd, stehen zu bleiben bei dem, was man selbst entdeckt hat, und sich nicht anregen zu lassen.
      Und: ja, es gibt zum Glück immer wieder musikalische Perlen im akustischen Einheitsbrei! Zum Glück!!
      Liebe Grüsse von
      Jarg

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