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Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt / Sebastian Schnoy

Wer wie ich das Glück hatte, Sebastian Schnoy einmal auf der Bühne zu erleben, wird beeindruckt gewesen sein von seiner Eloquenz, seinem scharfen Blick auch auf scheinbar Nebensächliches und seinem feinen Humor. wenig bekannt dürfte vielen sein, dass Schnoy von Hause aus Historiker ist, der erst nach dem Studium zum Kabarettisten wurde.

Mit „Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt“ legt er nun eine Geschichte Europas vor, die übliche Elemente der Geschichteschreibung wie Kriege und Krönungen eher am Rande behandelt und den gemeinsamen Binnenmarkt, den Euro und über sechszig Jahre Frieden einmal nicht in den Fokus der Reflexionen über jenes Staatengebilde namens Europäische Union stellt. Stattdessen widmet sich Schnoy den wahrhaft substantiellen Alltagsbeiträgen nahezu aller Nationen zu jenem Gebilde, dass wir heute Europa nennen. Ob Kurzparkzonen, Staus oder Fußbodenheizungen im alten Rom, die durch Nacktkampf Angst und Schrecken verbreitenden Germanen, die erste Spendengala in Form des Ablasshandels im spätmittelalterlichen Deutschland, Blind Dates im alten England, die Überbewertung regionaler Dialekte – Schnoy taucht tief hinab und stellt überraschende und oft satirisch überspitze Verbindungen zwischen der Vergangenheit und unserem heutigen Alltag als Europär her.

An das Ende jeden Kapitels legt er bei den den jeweils in Mittelpunkt gestellten Nationen nochmal auf nicht ganz, ober eben teilweise ernstgemeinte Weise dar, was wir ihnen zu verdanken haben: bei den Italienern etwa sind es unter anderem Mörtel, Chianti, Brot und Spiele und das Bankwesen nebst Adriano Celentano, bei den alten Griechen automatische Türen, Hirtensalat und Trojaner, bei den Briten Dosen, Linoleum, Miss Moneypenny und der Minirock. Wen wundert es, dass ihm bei den zum Beispiel Deutschen Bier, Schrippen!, Vollkornbrot und Derrick einfallen.

Schnoys „Von Napoleon …“ ist ein humorvoller, rasanter Parforceritt durch die etwas anderen Seiten der europäischen Geschichte, dessen Lektüre man all jenen wünschen würde, die das Europa der Gegenwart so vehement bekämpfen oder ihre eigenen Nationen und ihre Beiträge zu einem menschenwürdigen Leben auf dem Kontinent permanent überschätzen. Möglicherweise unbeabsichtigt vom Autor, vermag der Rezensent gleichwohl dabei auch eine humorvolle, zugleich ernste Botschaft zwischen den Zeilen zu lesen: uns als Nationen in Europa nicht so ernst zu nehmen – die europäische Sache dagegen schon!

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