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Urmel saust durch die Zeit / Max Kruse

„Ich finde es wichtig, dass die Kinder, das kennen lernen, was uns die Wissenschaft enthüllt. Wenn Sie so wollen, ist das ein aufklärerischer Impuls. Außerdem ist mir der Respekt gegenüber der Natur, den anderen Lebewesen ein großes Anliegen. Denn die Evolutionsgeschichte zeigt es deutlich: Der Mensch ist Teil der Natur und steht nicht über ihr; schließlich sind alle irdischen Lebewesen miteinander verwandt.“ (Max Kruse über „Urmel saust durch die Zeit„)

Es war ja klar. Professor Habakuk Tibatong baut einen Raumzeitgleiter – und das Urmel drückt natürlich einfach auf den roten Knopf, während es mit Tim, Wawa und Ping Pinguin an Bord ist. Schon geht es Milliarden Jahre zurück in die Vergangenheit und damit in die Zeit vor der Entstehung des Sonnensystems. Zum Glück hat Tibatong ein besonderes Handy entwickelt, so dass er mit dem Raumzeitgleiter kommunizieren und die Besatzung auf ihrem schwierigen, gefahrvollen Weg zurück unterstützen und ihre Erlebnisse kommentieren kann.

Es wird natürlich eine mehr als aufregende Reise für die vier: sie erleben die Entstehung der Erde mit, das Aufkommen erster Lebewesen, den Asteroideneinschlag, der die Dinosaurier vernichtete. Sie begegnen dem frühen Homo erectus bei ersten Sprachversuchen und bringen einer späteren Variante das Feuermachen bei, hoffen, auf Verwandte vom Urmel zu treffen, retten sich aus einigen gefahrvollen Situationen und bewahren ein Steinzeitmädchen vor dem rituellen Opfertodf. Nicht selten sind sie auch genervt von den gelehrten Vorträgen des Professors, der ihre Erlebnisse und Abenteuer am Telefon wissenschaftlich kommentiert.

Zum Glück kommen auch die Emotionen für die Reisenden nicht zu kurz: Tim Tintenklecks verliebt sich in das Steinzeitmädchen und das Urmel ist weniger aus wissenschaftlichen Gründen am Auffinden seiner Verwandtschaft orieniert („Ich bin kein Bindeglied … Ich bin das Urmel. Punkt!“), sondern weil es einfach neugierig ist.

Derr 91jährige Max Kruse schrieb „Urmel saust durch die Zeit“ auf Anregung von Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung. Nach dreizehn Jahren Urmel-Pause hat er damit ein ebenso mitreissendes wie aufklärerisch-kritisches Buch geschrieben, in dem die spannende Geschichte, Dramatik, Emotion und Witz stets Vorrang haben vor der rationalen Ebene und sich doch vortrefflich mit ihr verbinden. So ist das auch für „Evokids“ (Evolution in der Grundschule“) eingesetzte Buch zu einer wunderbaren Urmelgeschichte geworden – und zugleich zu einem leidenschaftlichen, kindgerechten Plädoyer, uns als Teil der Natur zu sehen und sie allein schon deshalb zu schützen.

Im Anhang erhält Habakuk Tibatong dann nochmal Gelegenheit, die Fakten zur Evolution auszubreiten: in der Nussschale finden aufgeschlossene Grundschulkinder hier nochmal gut aufbereitet alle wesentlichen Informationen zur Entstehung und Entwicklung des Lebens. Mit Recht schrieb die SZ im Juli 2013 über diesen lesenswerten Anhang:

„Hoffentlich ist die Neugier der kleinen Leser oder Zuhörer von der Urmel-Geschichte dann so angestachelt worden, dass sie dranbleiben. Denn davon haben sie allemal mehr als von Geschichten über die Sintflut“. (Quelle: SZ, 24.07.2013)

Für das neue Urmel-Buch wurden auch neue Illustrationen von Günter Jakobs erschaffen. Kruse selbst sieht das neue Urmel-Buch als einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung:

Ich halte die Evolutionstheorie für einen wesentlichen Teil der Aufklärung und die Aufklärung selbst für die wichtigste geistige Leistung des Homo sapiens. Übrigens nicht erst seit heute, ich habe mich ja schon in meiner Entwicklungsgeschichte der Menschheit „Im weiten Land der Zeit“ mit Evolution und Aufklärung beschäftigt. Und jetzt, am Ende meines Lebens, muss ich mit Sorge, ja, mit Entsetzen feststellen, wie Fanatismus und Irrationalismen die Segnungen der Aufklärung, die leider noch lange nicht zu Ende ist, Tag für Tag zunichtemachen. „Urmel saust durch die Zeit“ ist für mich ein – ganz winziger – Beitrag zur Aufklärung. (Max Krise in einem sehr lesenswerten Interview in:Die Welt, 17.7.2013e)

Fazit: Max Kruse vermag es immer noch, Kinder mit seinen Geschichten zu begeistern und schenkt uns mit dieser neuen Urmel-Geschichte ein weiteres Abenteuer dieser wunderbaren Kinderbuchfigur, die schon so viele Kinder begeistert hat. Ohne zu belehren, leistet er en passant einen wichtigen Beitrag zur Auufklärung unserer Kinder über diese wunderbare, lange und schönste Geschichte des Lebens, zu der wir Menschen neben zahllosen lebenden und ausgestorbenen Tieren gehören.

Im Zwillingstest schnitt „Urmel saust durch die Zeit“ mit seinem zugleich hohen Spannungs- und Wissensfaktor hervorragend ab und vermochte die Kinder buchstäblich bis zur letzten Seite zu fesseln. Kein Wunder, denn wer würde nicht gerne durch die Zeit reisen und wäre dann auch noch ein freches, neuieriges und unverwechselbares Urmel? Einer unserer unbedingten kinderliterarischen Höhepunkte und daher auch ebenso bedingungslos empfohlen.

13 thoughts on “Urmel saust durch die Zeit / Max Kruse

  1. Moin moin lieber Jarg, ich möchte dir gerne die Kinderseite mit dem Text deiner Buchbesprechung als PDF senden. Wenn du eines meiner Blogs besuchst, findest du meine Mail-Adresse. Ich kann deine leider nicht finden hier🙂

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  2. Mit 91 noch mal einen neuen Urmel-Band veröffentlicht? Und dann offenabr auch noch einen ziemlich guten… Hut ab vor Max Kruse!
    Die Urmel-Bücher habe ich als Kind über alles geliebt, rauf und runter gelesen und die Geschichten selber fortgesponnen.
    Eine schöne Erinnerung🙂
    Vielleicht sollte ich glatt mal wieder ein Urmel-Buch lesen….

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    • Urmel ist einfach zeitlos … und auch in der neuen Urmelgeschichte so frech und neugierig wie eh und je. Also unbedingt lesen … auch als Erwachsener hat man da seinen Spaß.

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  3. Einen wunderschönen guten Morgen🙂
    Ich würde herzlich gerne einen Teil deiner schönen Rezension auf der Kinderseite meiner kleinen Regionalzeitung, für die ich schreibe, veröffentlichen. Selbstverständlich unter Angabe des Autors und mit Link zu deinem Blog. Darf ich das?🙂
    Herzliche Grüße, Heike

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