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Das Leben des Brian oder: Monty Python’s Life of Brian / Regie: Terry Jones

„Ach, komm Brian. Lass uns zur Steinigung gehen.“ -„Zur Steinigung kannst du jeden Tag hingehen!“ (Filmzitat)

„Ich bin nicht der Messiahs! Würdet ihr mir bitte zuhören! Ich bin nicht der Messiahs! Versteht ihr das? Ganz, ganz ehrlich!“ – „Nur der wahrhaftige Messiahs leugnet seine Göttlichkeit!“ „Was? Ihr müsst mir doch „ne Chance lassen, da rauszukommen! Also gut: Ich bin der Messiahs!“ – „Er ist es! Er ist der Messiahs!“ (Filmzitat)

Man darf gespannt sein: im letzten Jahr wurde das Verfahren gegen die Bochumer Atheisten, die am Karfreitag „Das Leben des Brian“ öffentlich aufgeführt haben, ja eingestellt. Zur Erinnerung: der Gesetzgeber hat die Möglichkeit, an hohen Feiertagen die Aufführung von Filmen zu untersagen, die er für ungeeignet hält.

Sie tun es natürlich wieder – und da der zuständige städtische Dezernet die Einstellung des Verfahrens im letzten Jahr nicht als Freibrief verstanden wissen will, kann man wohl davon ausgehen, dass die durchaus als gezielte Provokation gedachte Aufführung abermals juristisches Geplänkel nach sich zieht in unserem vorgeblich säkularen Land. Diesmal wollen die zuständigen Behörden bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen – wünschen wir also dieser Initiative gegen religiöse Bevormundung die Aufmerksamkeit, die ihr zu recht zusteht und hoffen wir, dass die möglichen juristischen Folgen der Aufführung die Absurdität solcher Gesetze offensichtlich machen.

Worum geht es in dem Film? Brian, ein schlichtes und eher introvertiertes Gebüt, wird zur gleichen Zeit wie Jesus geboren. Er verliebt sich in die leidenschaftlich in einer Widerstandsgruppe für die Befreiung Judäas (Volksfront von Judäa) kämpfende Judith. Er versucht alles, in die Widerstandsgruppe aufgenommen zu werden, um Judith nah sein zu können. Als die Entführung der Frau des römisches Statthalters scheitert, wird Brian gefangen genommen und zu Pontius Pilatus geführt. Unter absurden Umständen kann er fliehen und mischt sich auf dem Marktplatz unter die zahlreichen Propheten. Durch Mißverständnisse sehen die Menschen aber plötzlich in ihm den Messias, obwohl er alles versucht, um sie von ihrem Glauben abzubringen.

Rasch erreicht selbst seine Sandale und die schiere Existenz eines Wacholderbusches hohe symbolische Kraft für die Gläubigen. Der Massenhyterie entkommt Brian aber nur für eine Nacht an der Seite Judiths. Auch am nächsten Tag sieht er sich einer Masse Anhänger gegenüber, die er erfolglos zu überzeugen versucht, dass man niemandem kritiklos folgen sollte. Am Ende wird er nochmals Pilatus vorgeführt und in einer Massenkreuzigung hingerichtet, getröstet vom Lied eines ebenfalls Verurteilten, dass ihn dazu auffordert, trotz aller Hoffungs- und Sinnlosigkeit auf die schönen Seiten des Lebens zu schauen: „Always look on the bright side of life“. Ein Lied, in das bald alle Gekreuzigten einfallen.

Ein wunderbarer, aberwitziger Film, der Religionen und Ideologien, allem Dogmatismus und blindem Glauben den Spiegel vorhält und dafür eintritt, das Leben trotz aller Zweifel, aller Kämpfe und Niederlagen zu feiern. „In Nuce“ bringt der Film die in den anderen Arbeiten der Truppe spürbare existentialistische Haltung auf den Punkt, wonach die Aufgabe im Leben darin bestehe, ihm selbst einen Sinn zu geben, da das Leben aus sich heraus keinen hat. Dem Film wurde oft Blasphemie unterstellt. Tatsächlich aber geht er mit der aus den Märchen der Bibel bekannten Erzählungen über Jesus (sei er nun eine historische person oder nicht) überaus respektvoll um), wendet sich aber gegen den Mißbrauch des Glaubens als Macht- und Herrschaftsinstrument. Terry Jones hat den Film denn auch selbst als nicht blasphemisch, sondern ketzerisch bezeichnet.

Vor allem aber hat der Film Humor. Und wenn es etwas gegen das allgegenwärtige Nichts, gegen die Sinnlosigkeit des Lebens an sich zu stellen gibt, um es erträglich, ja angenehm zu machen, dann wohl dies: das Lachen! Einen angenehmen Filmabend allen, die heute „Das Leben des Brian“ gucken – ob privat oder öffentlich. Allen anderen natürlich auch eine gute Zeit.

„Der Nächste! Zur Kreuzigung?“ – „Nein, Freispruch.“ – „Was?“ – „Sie haben mich freigesprochen. Sie sagten, ich hätte nichts getan, also könnte ich frei ausgehen und irgendwo auf „ner Insel leben.“ – „Oh, das ist aber nett für Dich. Dann aber nichts wie ab.“ – „Nein, nein, ich hab Sie verulkt. In Wirklichkeit ist es Kreuzigung.“ – „Oh, ich verstehe, sehr gut, sehr gut. Nun, zur Tür hinaus …“ – „… ja, ich weiß Bescheid. Zur Tür raus, jeder nur ein Kreuz, linke Reihe anstellen.“ (Filmzitat)

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14 Kommentare zu “Das Leben des Brian oder: Monty Python’s Life of Brian / Regie: Terry Jones

    • Ich bin da halt sehr subjektiv (wie dieser Blog), liebe Conni, und betrachte den Film weiterhin mit den Augen des Filmliebhabers, der ihn unbedingt zu den kultigen Klassikern zählen möchte. Aber klar, da kann man unterschiedlicher Auffassung sein und manches, was damals ein Aufreger war oder unerhört neu, ist es heute sicher nicht mehr … 😉
      Liebe Grüsse von Jarg

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  1. Ich hab nie so recht verstanden, wieso diverse Leute den Film (in erster Linie) als religionsverspottend ansahen. War mir zu vordergründig. Die Anleihen bei politischen Gruppierungen waren doch überdeutlich.

    Ein echter Klassiker. Und unsterblich die Szene mit der Grammatik-Lektion für Sprüchemaler.

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    • Er richtet sich gegen Dogmatismus an sich, ob religiös oder ideologisch. Und ist damit ein Plädoyer für die säkulare Gesellschaft, in der Religion nichts als Privatsache ist.

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    • Oder einfach „Leben lassen“. Aber leider gilt oft mehr „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein“. Siehe Syrien, Ukraine, etliche Länder im arabischen und afrikanischen Raum, Pakistan & Indien …

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  2. „Meine Frau und ich sind auch Brian!“ – Herrlich, dieser Film! Und die Anspielungen auf andere Filme (bei diesem Zitat auf Spartacus). Tanz- und Aufführungsverbote halte ich in einem angeblich säkularen Staat für genauso fehl am Platze wie Kirchensteuer und Religionsunterricht.

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    • Ein echter Klassiker. Bezüglich Religionsunterricht klagt ja jemand vor dem Bundesverfassungsgericht. Und dass der Staat Bischofsgehaelter bezahlt, ist auch nicht einzusehen. Dann bitte auch Gelder an die Propheten des Fliegenden Spaghettimonsters, oder?

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