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Weniger sind mehr / Maybebop

A-capella-Gesang hat ja seine ganz eigenen Reize und ist in den vergangenen Jahren auch im Popmusikbereich recht populär geworden. Manhattan Transfer wird auch heute noch vielen ein Begriff sein – und die in den 1980ern recht populären britischen Flying Picketts setzten seinerzeit Maßstäbe. In Deutschland kennt man vor allem Bands wie Basta, die Wiseguys, die Fuenf oder Ganz Schön Feist – oder auch die Prinzen, die nicht selten aber auch Instrumente einsetzen und daher nicht ganz der „reinen Lehre“ zugeordnet werden können.

In den letzten Jahren ist zum Glück auch die 1992 gegründete Band „Maybebop“ bekannter geworden, die ich schon immer für besser hielt als die sehr populär, aber eben auch zuweilen recht seicht geworden Wise Guys. Die stark dem Jazz verpflichtete, aber auch Elemente des Hip-Hop und Latin nutzende Band zeichnet sich nicht nur durch große Virtuosität und schöne, zum Teil sehr komplexe Arrangements aus: neben Eigenkompositionen werden auch bekannte Rocksongs, Volks- und Weihnachtslieder bearbeitet. Die Eigenkompositionen können dabei nicht nur musikalisch, sondern auch durch die Texte sprachlich und stilistisch überzeugen: dabei werden auf humorvolle Art nichts selten ernstere Themen reflektiert. Vorwiegend singen sie auf Deutsch, setzten aber mit German verboten Eigenkompositionen komplett ins Englische um. Verdientermaßen gab es für Maybebop deshalb 2013 in den USA den CARA, eine Art „A-capella-Grammy“.

Mit „Weniger sind mehr“ legen Maybebop eines ihrer bisher besten Alben vor, dessen Stimmung zwischen melancholisch und komisch ossziliert. Meisterhaft ist aus meiner Sicht die opulente, eindrucksvolle Umsetzung von Goethes Gedicht „Der Erlkönig“ in der Version von Franz Schubert, die düster daherkommt, einem Schauer über den Rücken jagt und Tränen in die Augen treibt. Zauberhaft-filigran wird es bei „Kleiner grauer Falter“, während sich „Esst mehr Insekten“ durch seinen absurden Humor auszeichnet und „Alles in den Genen“ eingängig und musikalisch ansprechend zugleich aktuelle Diskussionen aufgreift.

Die Band zeigt auf dem Album die ganze Bandbreite ihres Schaffens und liefert damit den Beweis, dass der Wechsel zu einem Majorlabel nicht mit einer Verflachung der Inhalte und dem Glattbügeln musikalischer Finessen zugunsten der Massenkompatibilität einhergehen muss. Im Gegenteil: Maybebop habe die sich ihnen mit dem neuen Vertrag bietenden Möglichkeiten ausgenutzt und ein wunderbar abgemischtes und arrangiertes Werk vorgelegt, auf dem jeder einzelne Titel in sich stimmig ist und in der Kombination mit den anderen einmal mehr zeigt, dass die Albumkultur noch nicht tot ist und es durchaus noch musikalische Gesamtkunstwerke auf der Scheibe oder im Komplettdownload geben kann, die sich an ein breiter aufgestelltes Publikum richten und trotzdem nicht auf musikalischen und inhaltlichen Anspruch verzichten.

2 thoughts on “Weniger sind mehr / Maybebop

    • Liebe Gabi
      ich habe Maybebop vor Urzeiten mal auf der Bühne gesehen (war es in Soltau?) und war schwer beeindruckt. Seither freue ikch mich über jedes neue Album. Und ja: Gummibaum ist auch wunderbar.
      Herzlich grüsst
      Jarg

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