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Leinen los, Seeräubermoses! / Kirsten Boie. Barbara Scholz (Ill.)

Kann Kirsten Boie Gedanken lesen? Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Dennoch: die Zwillinge und ich hatten eigentlich fest vor, ihr nach der wunderbaren Lektüre von „Seeräubermoses“ einen Brief zu schreiben und um Fortsetzung zu bitten, wurden doch aus dem „Ritter TRenk“ auch schon mehrere Teile. Aus dem Brief ist dann zwar nie etwas geworden – aber endlich stand es in den Regalen der Buchhandlungen, geriet in mein Medienradar und strapazierte mehrere Wochen lang die Geduld meiner Kinder, da wir erst ein anderes Buch zuende lesen wollten.

Moses gewöhnt sich nur schwer an den Alltag als Prinzessin, trotzdem ihre über die unverhoffte Rückkehr der verloren geblaubten Tochter glücklichen Elter große Geduld aufbringen: sie soll tanzen, singen und sich allgemein prinzessinnenhaft benehmen lernen und möchte doch zum Schrecken ihrer Zofe und des auf die Etikette bedachten Oberhofzeremonienmeisters viel lieber dem Seeeräuberleben frönen. Dann aber behauptet der wüste Ubbo Wutwalle, Häuptling von der Westsee, seine Tochter wäre die rechtmäßige Erbin des blutroten Blutrubins – und entführt nicht nur Euter-Klaas, die Ziege, und Schnackfass, die sprechende Dohle, sondern klaut sich den Rubin auch noch. Auch die Frendschaft zu Dohlenhannes ist plötzlich in Gefahr. Und es kommt noch schlimmer, denn plötzlich steht da eine feine Dame und behauptet, das ihre Ziehtochter die wahre Prinzessin wäre.

Moses ist zutiefst erschüttert – und auch ihre (vermeintlichen) Eltern sind mehr als erstaunt über diese Vorwürfe, die Moses und ihre Seeräuberkumpane unter Betrugsverdacht stellen. Schnell zieht es Moses zurück zu ihren „Seeräubervätern“. Und die lassen sie nicht im Stich: schon bald ziehen Moses, Dohlenhannes, Käpt’n Klaas und seine Mannschaft mit der Wüsten Walli los auf der Jagd nach dem Blutrubin, zur Befreiung von Euter-Klaas und Schnackfass – und der Wahrheit.

Kirsten Boie legt mit „Leinen los, Seeräubermoses eine wunderbare Fortsetzung des ersten Bandes vor: humorvoll, dass einem der Bauch weh tut und doch so konsequent aus dem Lebensblick von Kindern geschrieben, dass sie gebannt der Geschichte und ihren Volten folgen. Mit Seeräubermoses und Dohlenhannes bieten sich wieder für beide Geschlechter Identifikationsfiguren an – und wie diese schafft Boie ein wunderbar plastisches Ensemble von Charakteren vom dösigen Haken-Fiete bis zum polterigen Käptn Klaas, in dem durchaus sachkundig und mit lehrreichen, unterhaltsamen Anmerkungen aufbereiteten Ambiente des Mittelalters. Die Geschichte selbst ist durchaus eigenständig, denn es fliesst genug Information ein, um Moses besondere Geschichte und Herkunft verstehen zu können – wobei natürlich gerne darauf hingewiesen sei, dass der erste Band sehr lesenswert ist.

Starke Kinder, die sich gegen fiese Schurken gewitzt und mit dem einen oder anderen Trick zu behaupten wissen, stehen ganz im Mittelpunkt der Geschichte, die ihren Spannungsbogen geschickt zwischen dem rauhen Seeräuberleben und zwischen echten und falschen Prinzessinnen aufbaut. Gespannt folgt man der Geschichte, die an nahezu jedem Kapitelende wunderbare Klippenhänger aufweist, die es fast unerträglich machen, nicht weiterzulesen und sogar auf den nächsten Abend warten zu müssen. Dazu kommt Boies treffsicher eingesetzter Humor, der auch den Vorlesenden gerne mal aus dem Konzept bringt, wenn rechts und links neben ihm plötzlich nur noch prustendes Lachen zu hören ist und ein guttural-kichernd hervorgebrachtes „Nochmal!“. Ausser wissen unsere zweisprachig aufwachsenden Kinder (Hochdeutsch, Schwäbisch) nun endlich auch dank des Glossars, was Worte wie etwa „gnatterig“, „abbeldwatsch“, „brägenklöterig“, „Büxenschieter“ und „auseinanderklamüsern“ bedeuten.

Fazit: ein spannendes und dabei überaus witziges, sprachlich ansprechendes Abenteuerbuch für Mädchen und Jungs, das den Zwillingstest mit Auszeichnung gewonnen hat, wunderbare Bilder von Barbara Scholz aufzuweisen hat und zum Vorlesen ab 6 und zum Selberlesen für geübte Leserinnen und Leser ab etwa 8-9 Jahren geeignet und sehr empfohlen ist.

7 thoughts on “Leinen los, Seeräubermoses! / Kirsten Boie. Barbara Scholz (Ill.)

    • Liever Tecdad,
      dann werden deine Söhne am zweiten Teil ihre Freude haben: meine Zwillinge jedenfalls konnten es kaum erwarten, das Buch jeden Abend weiter vorgelesen zu bekommen.
      Liebe Grüsse von
      Jarg

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