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Mavericks – Lebe deinen Traum / Regie: Curtis Hanson. Darst.: Gerald Butler; Jonny Weston; Elisabeth Shue …

Wir können alles nur einmal erleben – und das nicht mal für eine lange Zeit. Also geniesst es (Jay Moriarity)

Santa Cruz (USA, Kalifornien). Der aus nicht gerade einfachen Verhältnissen stammende 9jährige Jay rettet den Hund einer Freundin vor dem Ertrinken – und wird selbst von einer Welle ins Meer gespült. Gerettet wird er von dem Surfer Rick „Frosty“ Hessen, einer lokalen Surflegende, der gerade an dem Küstenabschnitt Wellen reitet: fasziniert durch den charmismatischen Frosty, schnappt sich Jay ein altes Surfboard seines oft getrennt von der Familie lebenden Vaters und entdeckt seine Leidenschaft für Surfen.

Mit 16 Jahren, längst gewandt auf seinem Bord, folgt er heimlich Frosty und seinen Surffreunden in die Half Moon Bay und entdeckt, dass die legendären Mavericks – riesige Wellen – keine Legende sind. Von da an hat er keinen anderen Gedanken mehr als große Wellen zu reiten. Frosty reagiert auf Jays Vorhaben ablehnend und macht dem Jungen rasch klar, dass ihm Kraft und Erfahrung fehlen, um diese potentiell tödlichen Wasserberge reiten zu können. Am Ende schliesst er mit dem Jungen einen Pakt: er wird ihm innerhalb von zwölf Wochen die nötigen Dinge beibringen – sofern der Junge bereit ist zu akzeptieren, dass Frosty die Regeln aufstellt und niemand von den Mavericks erfahren darf.

Jay willigt ein: ein hartes Trainingsprogramm folgt, an dem Frosty den Jungen immer wieder an die Grenzen seiner physischen und psychischen Belastbarkeit treibt. Jay setzt seine ganze Energie für das Training ein – doch die Verbindung zwischen ihm und Frosty ist etlichen Belastungen ausgesetzt – und zu allem Überfluss verliebt sich der Teenager noch in die zwei Jahre ältere Kim. Am Ende geht es für Jay um sehr viel mehr als die Riesenwellen – um Freundschaft und Liebe.

Das Biopic von Curtis Hanson mit Gerald Butler als „Frosty“, Jonny Weston als Jay Maverick und der von mir sehr geschätzten Elisabeth Shue als Jays Mutter baut auf der wahren Lebensgeschichte des Surfprofis Jay Moriarity, der 1994 als 16jähriger auf spektakuläre Weise einen bedrohlichen Wipe out in einer der Wellen von Mavericks hatte, direkt danach eine Riesenwelle ritt und damit populär wurde, bis er 2001 unter tragischen Umständen 23jährig ertrank. Hanson legt den Fokus in seinem Film dabei nicht ausschliesslich auf die Wellen, sondern entwickelt sorgfältig und psychologisch überzeugend seine Protagonisten, zeigt differnziert ihre inneren Widersprüche, Ängste und Sehnsüchte. So entwickelt er eine Geschichte, die von Beginn an nicht nur durch die bemerkenswert schönen Bilder, sondern auch durch die nachvollziehbar gezeichneten Personen und ihre Entwicklungen gekennzeichnet ist.

Dabei stehen Ängste im Vordergrund, die durchaus nicht nur auf das Wellenreiten bezogen sind. Deutlich wird, dass Jay sich nur erfolgreich den Wellen bei Mavericks (und damit dem Leben) stellen kann, wenn er sich selbst und damit auch seine Ängste gut kennt. Dabei zieht „Frosty“ einen deutlichen Unterschied zwischen der potentiell für einen Surfer tödlichen Panik und der ihr vorangehenden Angst, die der Big-Wave-Surfer kennen muss, um überleben zu können.

Jay Moriarity muss ein bemerkenswerter Mensch gewesen sein, wie nicht nur aus dem Film, sondern auch aus dem umfangreichen Bonusmaterial, den Kommentaren der Schauspieler und der Zeitzeugen (darunter seine bemerkenswert gefasste und engagierte Witwe Kim) deutlich wird. Er muss dass Meer und das Leben ausserordentlich geliebt haben und wurde zu Lebzeiten bereits ein Vorbild für viele Jugendliche, sich dem Leben und seinen Herausforderung mit ganzem Herzen zu stellen.

Hanson erzählt nicht nur eine bemerkenswerte Geschichte: ihm gelingt es deutlich zu machen, warum eine Grenzerfahrung wie Surfen so etwas besonderes ist: im Bonusmaterial formuliert eine der dort interviewten Surflegenden, dass Surfen wie Zen sei: man sei vollkommen im Hier und Jetzt, was das vollkommenste Glück sei, das ein Mensch erreichen können. Ein bemerkenswerter Film, der einen tief berührt und bereichert zurücklässt – und nach dem man sich wünscht, selbst Surfen zu können.

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9 Kommentare zu “Mavericks – Lebe deinen Traum / Regie: Curtis Hanson. Darst.: Gerald Butler; Jonny Weston; Elisabeth Shue …

  1. Hallo Jarg,
    wollte mich nochmals für den tollen Tipp bedanken, habe die DVD gestern gesehen. Ein super Film mit einem tragischen Ende. Ich war tief berührt, vor allem weil es eine wahre Geschichte ist. Zuerst denkt man, dass es total schlimm ist, dass Jay mit nur 22 Jahren ums Leben gekommen ist, aber dann musste ich an das Leben von z.B. Katzen denken. Ich frage mich oft, welche Katze wohl glücklicher ist: die, die ihr ganzes Leben lang nichts anderes sieht als die Wohnung, in welcher sie behütet lebt und nicht raus darf, dafür aber sehr alt wird und lange mit dem Besitzer zusammenleben darf oder die Katze, die raus darf, viel erlebt, Mäuse jagt, sich mit anderen Katzen rauft, die Gegend erkundet, aber eventuell schon mit 3 Jahren vom Auto überfahren wird… Ich glaube, dass Jay, obwohl er so jung starb, glücklicher war in seinem Leben als viele andere Menschen, die vielleicht 90 Jahre alt werden. Ich habe mir nach dem Film noch etliche Interviews, Photos vom echten Jay angesehen und er hatte eine besondere Ausstrahlung, die einen umhaut. Er lachte/strahlte immer und war so zufrieden und im Reinen mit sich, den Mitmenschen und der ganzen Welt! Er tat mit dem Surfen genau das, was ihn erfüllte, fand in Kim die Liebe seines Lebens… Ich ziehe meinen Hut vor dieser Persönlichkeit!!!! „Live like Jay“ !!!

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    • Liebe Anni,
      danke für deinen mitreissenden Kommentar. Es freut mich, dass Dir der Film gefallen hat. Ich hatte von Ja vorher nicht wirklich etwas gewusst, war sehr beeindruckt … und denke, dass man sich von seiner intensiven Lebenslust auch als Nicht-Extremsportler eine dicke Scheibe abschneiden kann. Wir haben ja nur dies eine Leben … also sollte man es mit allen Sinnen auskosten und wach sein für jeden Augenblick.
      Eine zauberhafte kürzeste Nacht des Jahres wünscht dir
      Jarg

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  2. Vielen Dank für diese schöne Empfehlung. Da ich nicht gern Bücher lese, freue ich mich immer sehr, wenn Du DVD-Tipps gibst. Weiter so! Habe den Film eben auf meine Leihliste gesetzt. Schöne Pfingsten!

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    • Gern geschehen. Es sind bereits die nächsten Filme in der Pipeline – und der nächste dreht sich um dasselbe Thema.
      Herzlich grüsst dich, leicht verspätet,
      Jarg

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  3. 1000 Dank für die Besprechung! Der Film steht bereits auf meiner Leihliste. Hatte vor ein par Wochen „Drift – Besiege die Welle“ (Australien 2013) gesehen. Und spürte, dass ich irgendwie mehr zu dem Thema will. Falls du ihn nicht kennst: er lohnt sich. Spielt in den 70ern, erzählt die Geschichte zweier Brüder und ist sehr atmosphärisch.

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