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Schimpansen / Regie: Alastair Fothergill und Mark Linfield

Die Kinder sind ja immer mal wieder skeptisch, wenn Vater mit Dokumentationen anrückt, bisher aber jedesmal hinterher beglückt gewesen von dem jeweiligen Film. Mit „Schimpansen“ konnte ich mich diesmal gegen die bei den Zwillingen (und mir) hoch im Kurs stehenden Filme mit Wallace & Gromit durchsetzen – und habe es nicht bereut.

„Schimpansen“ wurde mit hohem Aufwand in einem Nationalpark der Elfenbeinküste gedreht. Er verfolgt im Wesentlichen die Geschichte von Oskar, einem kleinen Schimpansenjungen, der mit seinem vom Alphamännchen Freddy angeführten Clan tief im Wald lebt. Die aussergewöhnlichen Bilder des Films zeigen den Familienverband, das Verhalten und den Umgang der Tiere miteinander, den Gebrauch von Werkzeug und die Jagd, aber auch die Bedrohung durch einen anderen Schimpansenclan, der von einem erfahrenen Männchen namens Scar angeführt wird.

Freddys Clan wird von Scar und seiner zahlenmäßig überlegenen Gruppe von seinem angestammten Platz vertrieben. Dabei verliert Oskar den Kontakt zum Clan – und seine Mutter stirbt an den Folgen der Kämpfe. uf sich allein gestellt kann Oskar nicht überleben und findet zum Glück wieder zurück. Doch die Mitglieder des Clans nehmen ihn nicht wieder auf. Überraschenderweise jedoch lässt das Alphamännchen Freddy den Kleinen an sich heran – und übernimmt die Fürsorge für ihn.

Ich hatte erst Bedenken, als ich auf dem Klappentext des Filmes las, dass die Schimpansen Namen tragen und fürchtete eine allzuu vermenschlichte Darstellung dieser uns so nah verwandten Affenart. Aber meine Bedenken wurden rasch zerstreut: der Erzähler begleitet die spektakulären Bilder sachkundig und ohne Pathos. Ausgesprochen ungewöhnlich ist das hier erstmals dokumentierte altruistische Verhalten eines Alphamännchens gegenüber dem rangniedrigsten Tier des Familienverbandes.

Der Film zeigt uns einen geradezu intimen Einblick in das Leben von wilden Schimpansen und lässt einen tief bewegt zurück: es ist beeindruckend, wie einfallsreich und mutig diese Tiere sind, wie liebevoll sie miteinander umgehen können. Man spürt, wie nah sie uns sind in ihrer gestik und Mimik – und ist beglückt über dieses wissenschaftlich hervorragend begleitete dokumentarische Kleinod. Trotz der offensichtlichen Brutalität der Affenkämpfe zwischen den beiden Clans verzichtet Fothergill auf blutige Details in seinem Film, was ihm nichts von seiner Spannung nimmt und ihm absolut familientauglich macht. Die Zwillinge wollen ihn gleich nochmal gucken – was mehr könnte für den Film sprechen, dessen Einnahmen zum Teil dem Jane Goodall Institute zugute kommen.

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