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The wildest dream : Mythos Mallory – Die Eroberung des Everest / Regie: Anthony Geffen. Mit Conrad Anker […]

„Why did you want to climb Mount Everest?“ This question was asked of George Leigh Mallory, who was with both expeditions toward the summit of the world’s highest mountain, in 1921 and 1922, and who is now in New York. He plans to go again in 1924, and he gave as the reason for persisting in these repeated attempts to reach the top, „Because it’s there.“

Dieser eine Satz, den der berühmte Bergsteiger George Mallory auf die Frage antwortete, warum er auf den Everest steigen woll – „Weil er da ist“ – gehört zu den berühmten Zitaten des 20. Jahrhunderts, hat sich mittlerweile von seinem Urheber gelöst und steht auch in abgewandelten Formen für manchen mittlerweile nicht mehr nur als Erklärung für die Faszination des Extremen, sondern verknüpft sich tief mit der ausgesetzten Existenz des Menschen, seiner Neugier und seinem Entdecker- und Lebensdrang.

Im Jahr 1999 findet der an der „Mallory and Irvine Research Expedition“ teilnehmende amerikanische Bergsteiger Conrad Anker die Leiche des seit 1924 am Mount Everest in über 8500 Meter Höhe vermissten britischen Bergsteigers Mallory. Die Untersuchung der Leiche führte zur der schon in den 20er Jahren gestellten Frage, ob es Mallory und Irvine damals unter Umständen doch gelungen sein könnte, den Gipfel des Mount Everest zu erreichen, bevor sie auf dem Rückweg zum Lager verunglückten: diese Rückschlüsse erfolgten insbesondere wegen der in einer Tasche verborgenen Gletscherbrille (die man nur nachts abnimmt), Aufzeichnungen, die Rückschlüsse auf die möglicherweise verwendete Anzahl von Sauerstoffflaschen beim Aufstieg zulassen, sowie aufgrund des Fehlens einer Aufnahme seiner Frau Ruth, die Mallory auf dem Gipfel ablegen wollte.

Acht Jahre später macht Anker zusammen mit dem jungen Bergsteiger Leo Houlding den Versuch, den Everest auf der von Mallory und Irvine genommenen Route mit der damals verwendeten Ausrüstung zu besteigen und so herauszufinden, ob ein Gipfelsturm überhaupt hätte erfolgreich sein können. Sie werden begleitet von einem Filmteam und etlichen heimischen Trägern, die Tonnen von Material den Berg hochbewegen.

Entstanden ist eine spannende Dokumentation auf den Spuren des legendären Bergsteigers, die geschickt Gegenwart und historische Artefakte wie Briefe, Fotos, alte Filmaufnahmen und biografische Details miteinander verschränkt. Deutlich wird nicht nur Mallorys Leidenschaft für das Klettern, sondern über die spektakulären Filmaufnahmen auch die Faszination, die dieser riesige Berg auf jeden ausübt, der ihn sieht.

„The wildest dreams“ nimmt seinen Ausgangspunkt an der mumifizierten Leiche Mallorys, rekonstruiert anhand der Auffindesituation den möglichen Unfallhergang und die dabei enstandenen Verletzungen, die innerhalb weniger Minuten zum Tod geführt haben dürften. Von da an erzählt der Film im Grunde drei Geschichten: die von Mallory, die von Ankers Versuch, seine Expedition nachzustellen – und die Filmarbeiten, die diesen Versuch dokumentieren, denn auch und immer wieder wird der Fokus auf das Filmteam gelegt. Rasch wird deutlich, dass die Bedingungen für Ankers „Leads Altitude Everest Expedition“ nicht günstig sind, da sie aufgrund der Dreharbeiten nach der eigentlichen Everest-Saison aufsteigen müssen und im Verlauf der Dreharbeiten einige Mitarbeiter mit Höhenkrankheit ausfallen und absteigen müssen. Zudem bedroht der mit Schneefällen anrückende Monsun die Dreharbeiten und die Besteigung.

Am Ende trifft es sogar die höhengewohnten Kameramänner, so dass zwei normale Bergsteiger rekrutiert werden, um nach einer Kurzeinweisung nicht nur den Weg Ankers und Houldings über den von Kletterhilfsmitteln befreiten, als schwierig geltenden Second Step in 8610 Metern Höhe dokumentieren, sondern auch den Aufstieg auf den Gipfel.

Am Ende bleibt die Frage offen, ob Mallory und Irvine es 1924 auf den Gipfel geschafft haben: Anker und Houlding kehren immer wieder zur modernen Ausrüstung zurück, da die Kälte einfach zu groß ist, und können keine greifbaren Beweise finden, die ihre These stützen könnte. Dennoch haben sie insbesondere mit der Bezwingung des Second Step ohne jegliche Hilfsmittel gezeigt, dass es Mallory und Irvine, die nachweislich schon auf 8500 Meter Höhe angelangt waren, tatsächlich gelungen sein könnte, ihr Ziel zu erreichen. Ankers Expedition wird so nicht nur zu einem der spannendsten Filme, die Klettern und Bergsteigen zum Thema haben, sondern auch zu einer Verneigung vor dem Mut und der Entschlossenheit jener Männer, die sich mit aus heutiger Sicht unzureichend erscheinender technischer Ausstattung ein buchstäblich hohes Ziel gesetzt und dabei weit gekommen sind.

Der Film verschweigt nicht, dass Bergsteiger erhöhtem Risiko ausgesetzt sind: Anker selbst ist mit der Frau seines 1999 bei einer gemeinsamen Expedition am Shishapangma verunglückten Kletterpartners und Freundes Alex Lowe verheiratet – und wir sehen ihn bei der Vorbereitung der hier dokumentierten „Leads Altitude Everest Expedition“ im Kreis der Familie, die sein Vorhaben trotz hohen Respekts vor dem Risiko unterstützt.

„The wildest dreams“ gehört für mich zu einer der schönsten Bergsteiger-Dokumentationen, was nicht nur an den spektakulären Bildern, sondern auch an der sorgfältig aufbereiteten Verknüpfung von historischen Material mit aktuellem Material liegt. Darüberhinaus verzichtet das Dokudrama wohltuenderweise auf jegliches Pathos und übersteigerte Emotionalitäten, sondern zieht seine Spannung ausschliesslich aus seinem sorgfältig und mit Respekt vor Mensch und Natur inszenierten Thema.

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