Startseite » Bücher » Léon und Louise : Roman / Alex Capus

Léon und Louise : Roman / Alex Capus

Die schönsten Liebesromane sind ja oft nicht jene, in denen sofort klar ist, dass die Liebenden am Ende zueinander finden und glücklich bis an das Ende ihrer Zeiten leben. Schon Gabriel García Márquez hat mit Florentiono und Ariza ein solches Paar geschaffen. Nicht selten enden die schönsten Liebesgeschichte ja auch tragisch bis hin zum Tod, wie wir ihn bei Romeo und Julia erleben.

Nun will ich nicht unebdingt Alex Capus, den Autor von Léon und Louise, gleich in eine Reihe mit unerreichbaren Größen wie García Márquez oder Shakespeare stellen. Dennoch: er schafft mit dem titelgebenden Paar genau die beschriebene Konste4llation einer großen Liebe, die nicht oder zumindest nicht sofort zu ihrer Erfüllung kommt, sich ihr gar jahrelang entzieht.

Der junge, siebzehnjährige Léon, im Ersten Weltkrieg als Funker an einer atlantiknahen französischen Bahnstation eingesetzt, begegnet auf der per Fahrrad zureckgelegten Antrittsreise dorthin einem radelnden jungen Mädchen. Wenige Wochen später begegnet er ihr erneut: sie heißt Louise, die als Schreibkraft im Büro des Bürgermeisters angestellt istund sich durch ihre Gabe auszeichnet, den Hinterbliebenen von Soldaten auf besonders einfühlsame Weise die Nachricht vom Tod ihres Angehörigen zu überbringen.

Der Krieg ist schon fast vorbei, als die beiden eine lange Radtour zur Küste machen und die Nacht am Strand verbringen. Auf dem Rückweg geraten sie in einen Fliegerangriff, werden getrennt und halten einander zunächst für tot. Léon findet sich kurz nach Ende des Krieges in einer Ehe wieder, wird mehrfacher Vater und Angestellter in einem Labor der Polizei. Die temperamentvolle, eigensinnige Louise wird Angestellte einer Bank und fährt schon bald ein eigenes Auto.

Zehn Jahre nach Ende des Krieges begegnen sie sich wieder in der Metro – und Léon ist besessen davon, sie wiederzusehen, und zugleich voller Gewissensbisse gegenüber seiner wankelmütigen Frau. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten kommt es nur zu sporadischem Kontakt in Briefform, bis sie sich nach 1945 wieder begegnen …

Alex Capus erzählt zurückhaltend, ohne Pathos und zugleich berührend die Liebesgeschichte von Léon und Louise, in der sich die Wirren des 20. Jahrhunderts, aber auch das Paris der 1920er bis 1940er Jahre spiegelt. Sehr schön arbeitet er die unterschiedlichen Charakterzüge der Protagoisten heraus: der pflichtbewusste Léon, der seinen Kinder ein guter Vater und seiner Frau trotz erkalteter Liebe ein guter und zuverlässiger Mann sein will und unter dem deutschen Besatzungsregime trotz widerständigen Geistes das Überleben seiner Familie und einiger Bedürftiger zu sichern weiß. Louise, die ihre Unabhängigkeit wahrt, nicht ohne Affären bleibt und sich am Ende im Krieg mitten in Französisch-Afrika wiederfindet – unweit des dort deponierten Goldes der französischen Nationalbank. Léons launische Frau Yvonne, die unter der Verantwortung als Mutter fast zusammenbricht und ihr doch gerecht wird, bis sie sich am Ende ganz in sich zurückzieht.

Capus hat sich offenbar für die Figur des Léon von der Lebensgeschichte seines Großvaters insipieren lassen und erzählt die Geschichte von Léon, Louise und letztlich auch Yvonne konsequent aus der Geschichte der Protagonisten, was einen erheblichen Reiz des Romans ausmacht. Fazit: ein wunderbarer Roman über eine große Liebe und eine (Léons) Familie im Spiegel der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und zugleich eine literarische Impression vom Paris, vom Frankreich dieser Zeit, lebendig, mit großem sprachlichem Feingefühl und sanftem Humor erzählt.

10 thoughts on “Léon und Louise : Roman / Alex Capus

  1. Danke für den Tip. Bei Liebesromanen bin ich immer ein bisschen vorsichtig, weil sie oft ins Kitschige abtriften. Das scheint hier ja wohl eher nicht der Fall zu sein.

    Nun hab ich noch eine Frage. Vielleicht steh ich gerade auf der Leitung und stell mich besonders blöd an, aber wie kriegst Du immer die Bilder von den Buchcovern (z.B. von Amazon) in den Blog?

    LG Gabi

    Gefällt mir

    • Liebe Gabi,
      da wünsche ich zunächst viel Spaß bei der Lektüre, um dann deine Frage zu beantworten: Die Verlinkung bekommst Du, in dem Du, wenn du einen Beitrag anlegst, auf den Button img drückst und im sich öffnenden Fenster die kopierte Grafikadresse eingibst.
      Liebe Grüsse von Jarg

      Gefällt mir

  2. Oft wird ja Capus schon in die triviale Ecke gestellt – gerade auch mit diesem Buch. Ich lese ihn jedoch ganz gerne – wobei dieser Roman bei mir noch ansteht. Nach Deiner Besprechung wird er jetzt erstanden.

    Gefällt mir

    • Die „triviale Ecke“ für Capus war mir noch entgangen – mag sein, dass es manchem Leser, mancher Leserin so geht und er es so einordnen zu müssen meint. Ich wünsche Dir jedenfalls viel Freude bei der Lektüre dieser aussergewöhnlich schönen geschichte. herzlich grüsst
      Jarg

      Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s