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Eltern : ein Film von Robert Thalheim / Darst.: Christiane Paul, Charly Hübner, Parashiva Dragus […]

Berlin: die Krankenhausärztin Christine und der Schauspieler Konrad leben mit ihren Töchtern Emma (5) und Käthe (10) in einem Berliner Altbau. Jahrelang hat Konrad sich um Haushalt und Kinder gekümmert: seinen Wiedereinstieg ins Theater haben die beiden gut geplant: bereits in den Herbstferien wird ein Au-Pair-Mädchen kommen und sich dann rasch komplett um alles kümmern, während Christine und Konrad arbeiten.

Was beide nicht vorausgesehen haben: das Au-pair-Mädchen ist schwanger, Konrads Wiedereinstieg in die Theaterwelt erweist sich als Weg voller Widerstände, Christine steht plötzlich überfordert zwischen Arbeit und Familie und die beiden Töchter machen es ihnen jede auf ihre Weise schwer. Die Situation spitzt sich zu, als Konrad vorübergehend ins Theater zieht, um sich ganz auf seine Arbeit konzentrieren zu können …

Robert Thalheim ist eine die Realität treffend zuspitzende Mischung zwischen Komödie und Drama gelungen: sorgfältig und lebensnah gezeichnete Charaktere, eine hervorragende Besetzung bis hin zu den Nebenrollen und die geschickte, glaubhafte Eskalation der Geschichte machen allein den Film schon ausgesprochen lebenswert. Zahllose Details wie die in den unmöglichsten Situationen Toilettendrang verpürende Emma oder die trotzig parierende Käthe, die bald ihre eigene Vorstellung hat, wie die Dinge laufen sollten, zeichnen den Film aus und geben gerade Eltern ein hohes Identifikationspotential: wer Emma im Wartezimmer trotz Errmahnung toben, sie die Quengelzone im Supermarkt leer räumen, partout DIESE Schuhe jetzt nicht anziehen will oder vom genervten Vater ganz gegen die Regeln abends mit Laptop auf den Knien ruhiggestellt sieht, findet sein alltägliches Familienlebensgefühl schnell im Film wiedergespiegelt.

Thalheim macht darüber hinaus nicht den Fehler, mit filmischen Mitteln Schuldzuweisungen (Die Eltern, Die Gesellschaft) generieren zu wollen oder die Kinder als nervige Quälgeister darzustellen: er arbeitet mit großer Empathie und Liebe zu den Figuren seine Problematik heraus, beschränkt sich auf das Erzählen seiner Geschichte und macht so deutlich, welchen Zerreissproben Familien sich heutigentags ausgesetzt sehen. Charly Hübner und Christiane Paul spielen dabei souverän und authentisch: sie verkörpern ihre Rollen glaubhaft bis in die Gestik und Mimik hinein – und haben mit den beiden Kinderdarstellerinnen Parashiva Dragus und Emilia Pieske starke schauspielerische Partner an der Seite.

Eine warmherzige Tragikomödie, bei der nicht selten der Ernst überwiegt und man schnell die Protagonisten samt ihrer offensichtlichen Konflikte ins Herz schließt.

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