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Der Schatz auf Pagensand / Uwe Timm

Das Motiv der Schatzsuche prägt etliche Kinder-und Jugendromane, verbinden sich damit doch Assoziationen von Abenteuer, Gefahr, Geheimnis und freundschaftlichem Zusammenhalt, nicht selten in Kombination mit Elementen von Verrat, Betrug und Ruchlosigkeit, denen die Hauptpersonen trotz ihres Alters in der Regel kindliche Phantasie und Kreativität, Witz und jene unerschuetterliche hartnaeckigkeit entgegensetzen, die ein Ziel verfolgende Kinder auszeichnet. So ist es bei modernen Interpretationen dieses Motivs von Seeräubermoses bis …, von der Klassiker wie der Schatzinsel oder …. ganz zu schweigen.

Uwe Timms Abenteuer spielt im Jahr 1954 in Hamburg. Benno, Georg, Jan und Jutta, alle um die 11 Jahre alt, stehen kurz vor Ende des Schuljahres. Der aufgeweckte, intelligente Benno, der aus einfachen Verhältnissen stammt, hat Probleme mit der Rechtschreibung, wird von seinem Deutschlehrer fies gemobbt und das Gymnasium verlassen müssen. Georg , Jan und Jutta sind zunächst skeptisch, als er ihnen vorschlägt, auf einer Elbinsel nach Störtebekers Schatz zu suchen. Doch Benno, der alles zu dem Thema gelesen und sogar im Staatsarchiv recherchiert hat, überzeugt die drei: sie legen ihr Taschengeld zusammen und kaufen in altes kleiner Segelboot, das sie mit Hilfe des Werftbesitzers reparieren. Heimlich brechen sie am Anfang der Sommerferien auf und segeln los.

Aber die Schatzsuche birgt einige Überraschungen: nicht nur, dass sie auf Medem Sand dem seltsamen „König von Albanien“ und seiner grunzenden Leibwache begegnen. Plötzlich geht es es noch um einen zweiten Schatz -und dann sind da noch diese unfreundlichen, gefährlichenn Männer im Motorboot. Ein plötzlicher Schiffbruch auf Pagensand stellt sie vor ungeahnte Herausforderungen und seltsame Entdeckungen – und

Uwe Timm versetzt sich ueber die in der Rückschau von Jutta erzählte Geschichte ganz in die Perspektive der Kinder und schafft es zugleich ueberzeugend, den Leser in die Atmosphäre der 1950er Jahre eintauchen zu lassen mit all den Einflüssen, die eine Kindheit damals prägen konnten, unabgelenkt von den Zerstreuungen der heutigen zeit. Gebannt folgt man dem Abenteuer der vier Kinder, die einigen Gefahren ausgesetzt sind, bis die Geschichte zu einem guten Ende kommt.

Dabei ist spürbar, dass der Schatz, der hier gefunden wurde, ein ganz anderer als der erwartete ist: durch Zusammenhalt, der letztlich auch durch Meinungsverschiedenheiten und Streit nie in Zweifel gezogen wird, Mut und Gewitztheit erleben die Kinder ein Abenteuer, dass sie nie vergessen und ihren weiteren Weg prägen wird, haben sie doch gemeinsam nicht nur den Schiffbruch überlebt, sondern auch den gefährlichen Schmugglern getrotzt.

Man mag darüber spekulieren, ob Uwe Timms eigene Kindheitserinnerungen im Hamburg der Nachkriegszeit in den Roman eingeflossen sind: fest steht, dass er es meisterhaft versteht, starke Bilder zu schaffen und so den Leser ganz in Zeit und Ort eintauchen zu lassen. Dabei bedient er die Erwartungen, die man an einen Abenteuerroman für dieses Alter stellt, und gibt seinem Roman zugleich Tiefe und Glaubwürdigkeit durch die empathisch und realistisch gezeichneteten Charaktere, die keineswegs immer einer Meinung sind, aber letztlich doch zueinander stehen. Geschichte und Geografie, Lokalkolorit und Seemannssprache kommen dabei auch nicht zu kurz und mit dem „König von Albanien“ schafft er eine Nebenfigur, der ihre psychische Kriegsversehrtheit deutlich anzhumerken ist – solche Menschen wird es zu jener Zeit nicht wenige gegeben haben.

Timm beschreibt auch eine verlorene Welt. In den 1950er Jahren und vielleicht noch für zeri, drei Jahre danach war der Raum, den Kinder für sich entdecken durften, weitaus größer als heute in einer Zeit, in der nicht nur jedes leere Grundstück gebaut, sondern auch noch gut abgezäunt wird, der öffentliche Raum von Verkehr und Geschäften dominiert wird und Kinder – wenn überhaupt – nur eng begrenzte Areale für sich nutzen können und im Allgemeinen gefahrlos, aber eben doch in oft zu reizarmen Umgebungen aufwachsen.

Ein wunderbares Buch: die Zwillinge und ich haben die Abenteuer der vier Freunde atemlos über mehrere Abende verfolgt und ware begeistert. Ein wunderbarer Roman für alle ab ca. 9 Jahren

4 thoughts on “Der Schatz auf Pagensand / Uwe Timm

  1. Hallo Jarg,
    Deine Rezension hier hat mich veranlasst, ein altes Jugendbuch [„Die gefesselten Gespenster“ von Werner Hörnemann] wieder auszugraben und zu lesen: mit Begeisterung. 🙂
    Sieben gut befreundete Jungen ganz unterschiedlicher Herkunft, die sichin Marseille mehr schlecht als recht durch’s Leben schlagen, gehen auf Gespensterjagd, um damit endlich einmal Geld zum Auskommen zu haben. Schon die Vorbereitungen – ein altes schrottreifes Auto wieder fahrbereit zu machen – gestalten sich abenteuerlich, ebenso wie die Fahrt zum Spukschloss. Bei den Vorbereitungen, der Fahrt und der anschließenden Gespensterjagd wird die Freundschaft immer wieder auf die Probe gestellt, am Ende aber nur vertieft. Das locker und lustig geschriebene Buch hat mir wieder großen Spasz gemacht.
    Hab‘ ein feines Wochenende,
    Pit

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    • Lieber Pit,
      das klingt sehr spannend und ganz nach einer Geschichte, die mir gefallen könnte. Und eine gewisse atmosphärische Verwandtschaft zu Timms Geschichte scheint ja gegeben zu sein …😉
      Etwas verspätet herzliche Grüße aus dem nassen Norddeutschland von
      Jarg

      Gefällt 1 Person

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