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Get Happy / Pink Martini

Zwei brennende Fragen stellen sich mir nach dem Genuss dieser CD: zum einen, wie mir die Musik von Pink Martini so lange entgehen konnte und zum anderen, weshalb aus Portland, Oregon so viel gute Musik kommt. Die erste Frage kann ich nicht wirkich beantworten, denn offenbar lagen Pink Martini bisher unter meinem Wahrnehmungsradar für besondere Musik, das ich jetzt natürlich nachjustiert habe. Die zweite Frage beantwortet sich von selbst: aus Portland, Oregon hat eine rege Independent-Szene, zur der Größen wie der späte Elliott Smith, John McEntire, The Decemberists, The Gossip mit Beth Ditto, Modest Mouse oder Portugal. The Men zählen.

In so einem kreativ-alternativen Umfeld ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass sich 1994 eine Band wie Pink Martini gründete, die mittlerweile zwölf Köpfe zählt und schon mit ihrer ersten Scheibe beachtliche Erfolge erzielte. Mit „Get Happy“ legten sie nun ihr fünftes Album vor, ein vielschichtiges Crossover zwischen Jazz, Lounge und Easy listening, das einen schon mit dem ersten, cabaretartigen Song „Ich dich liebe“ mit seinem Big-Band-Sound in den Band zieht. Ein Album, das osszilliert zwischen Broadway-Style, Vaudeville, Chanson, italienischem Canzone und Songs wie „Zundoko-bushi“, die einen in die musikalische Untermalung eines japanischen B-Movies der 1960er Jahre versetzen oder dem chinesisch vorgetragenen Klassiker von Bai Guang aus dem Jahr 1947, der einen direkt in die Glamourzeit Shanghais zu versetzen scheint. Und spätestens bei der Pink-Martini-Version von Chaplins „Smile“ bin ich dann rettungslos verloren an diese Band – und drücke schneller den Repeat-Knopf, als ich denken kann.

Pink Martini sind ungeheuer vielschichtig – und trotzdem sie sich aus allen möglichen musikalischen Stilen und Schubladen bedienen und eine ganze Bandbreite von Sprachen verwenden, dementsprechend auch schwer einzuordnen sind, trifft auf dieses Album die Bezeichnung Gesamtkunstwerk voll zu: ich kann mir kaum vorstellen, dass der häppchenweise Genuß der Songs den des gesamten Albums toppen könnte. Eine echte musikalische Entdeckung für mich, wert, sie auf die Auswahllliste für Jargsblogs Beste in diesem Jahr zu setzen. Und: ja, endlich mal wieder ein Autofahreralbum. Sie wissen schon: 1966er Chevrolet Impala Convertible, Highway, im Getränkehalter eine eisgekühlte Dose 7up und die Regler für Pink Martini auf Max.

14 thoughts on “Get Happy / Pink Martini

  1. Hallo Jarg,
    das ist ein super Tipp, habe mir grade mal ein paar viele Takte auf youtube angehört. Tolle Musik – und sehr vielfältig. Werde ich mir wohl mal was von erwerben müssen. Sehr schön übrigens auch die Sache mit dem Autofahreralbums. Ich weiss genau, was Du meinst…
    In diesem Sinne forget about that rain and get happy
    Kai

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    • Lieber Kai,
      ja, die Autafahreralben😉

      … und Kommentarstau, da Laptop geschrottet – das macht das Bloggen unnötig schwierig und man tippt wiedern auf diese winzigen virtuellen Tastaturen und bekommt gelegentlich den Gedanken, dass vielleicht doch bald die Lesebrille fällig ist.
      Pink Martini macht Laune, nicht wahr? Ich werde mir noch mehr von denen beschaffen … und der September wird sowieso super. Habe ich jetzt beschlossen und es klappt🙂
      Etwas verspätete liebe Grüsse von
      Jarg

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