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Journeyman : 1 Mann, 5 Kontinente und jede Menge Jobs / Fabian Sixtus Körner

Fabian Sixtus Körner ist studierter Innenarchitekt sowie Fotograf und Designer. Er beschliesst mit 29 Jahren, auf die Walz zu gehen, seine Kenntnisse und Fähigkeiten gegen Kost und Logis anzubieten und setzt sich dabei ein Zeitlimit von zwei Jahren. Kein Limit setzt er sich bezüglich der Geographie: er will dorthin reisen, wo sich ihm Arbeit bietet, dabei möglichst alle Kontinente bereisen und nur für die Flugtickets Geld ausgeben.

Was man eigentlich nur aus dem Handwerk und dann auch mit einer gewissen regionalen Begrenzung kennt, entwickelt sich bei Körner zu einer Tour de Force um den Globus. Mit 255 € auf dem Konto steigt er mit einem großen Rucksack, Laptop und Fotoausrüstung ins Flugzeug. So geht über sechzig Stationen unter anderem nach Shanghai und Koala Lumpur, nach Addis Abeba und Kopenhagen, nach Brisbane und Bangalore, San Francisco, Havanna, Santo Domingo und das berüchtigte Medellín. Schon bald beginnt sich sein Reisetagebuch zu füllen, ergänzt von einem regelmäßig gefüllten Youtube-Kanal.

Dabei hat er vorab nie feste Arbeitsverträge erhalten. Oft gab es lose Zusagen, lockere Verabredungen, die ihm verheißungsvoll genug erschienen, um sich eingeladen zu fühlen. Die zugewiesenen Arbeiten erweisen sich nicht unbedingt immer als kompatibel mit seinen eigentlichen Qualifikationen und er stösst auch rasch auf kulturelle Unterschiede, unerwartete Fettnäpfchen und mentalitätsbedingte Überraschungen. Die Bandbreite seiner Tätigkeiten reicht von der Bauleitung für die Restaurierung eines alten Gebäudes in Shanghaidurch das renommierte Architekturbüro Chipperfield über eine Art „Internationalen Kulturbotschafter“ der alljährlichen „Design Week“ in Kuala Lumpur und die Errichtung eines vertikalen Gartens für das experimentelle Kunst- und Kulturprojekt eines reichen Mäzens und Architekten in Bangalore, der auf einem freien Grundstück ein Gebäude aus Supermarktregalen hatte errichten lassen.

Auf Kuba arbeitet er als Videojournalist und durchaus im Grenzbereich des dort Zulässigen. Er gerät aber auch an seine eigenen Grenzen, als ihm seine Rolle in der Jury eines Schönheitswettbewerbes beim zweiten Aufenthalt in Kuala Lumpur wegen akuter, oberflächlichkeitsbedingter Genervtheit derbe entgleitet oder als er erst spät erfährt, dass er die eigentlich ihm zugedachte Aufgabe als Kurator einer Fotoausstellung aufgrund eines amourös bedingten interkulturellen Fauxpas verloren hat.

Das alles würde zusammen vielleicht ein mäßig interessantes Buch ergeben, dass man nach der Lektüre als einen weiteren Reise- und Welterfahrungsbericht von vielen in die Ecke legt. Aber Körner zeichnet seine rückhaltlose Ehrlichkeit aus, mit der er von seiner Reise berichtet: auch wenn das Fazit der Reise am Ende positiv ausfällt und Körner um viele Erfahrungen und Begegnungen bereichert zurückkehrt, schreibt er auch offen über seine Fehler (etwa eine im Nachhinein fatale Folgen zeitigende Liebesnacht in Kuala Lumpur), aber auch über kulturelle Mißverständnisse, privates Pech, gefährliche Situationen oder Dinge, die ihn an der anderen, fremden Kultur oder an sich selbst nerven.

Die Reise, oft per Riskscha, Zug, Bus oder klapprigem Auto, wird für ihn zur Grenzerfahrung bis an die körperliche Erschöpfung und kostet ihn auch die Liebe seiner dänischen Freundin: doch man spürt, dass Körner verändert zurückgekehrt ist. Durch die Vielfalt der Projekte und die Kürze der Zeit, die er vor Ort ist, wird er flexibler, lernt zu improvisieren und mit örtlichem und zeitlichem Unbill gelassener umzugehen. Teilweise steht die Arbeitsweise in anderen Ländern und Kulturen der europäischen diametral gegenüber, werden Projekte groß aufgezogen, um sie nach und nach durch die im Zeitablauf festgestellten Unabwägbarkeiten und Probleme immer weiter zurechtzustutzen auf das tatsächlich Mögliche.

Ein ausgesprochen lesenswertes, sprachlich ansprechendes und bereicherndes Buch, das ich – selbst auf Reisen – kaum aus der Hand legen mochte und jedem ans herz lege, der gerne über bloße touristische Abarbeitung weit hinausgehende Reiseberichte darüber liest, wie man in der Fremde nicht nur dem Anderen, sondern auch sich selbst begegnet. Bleibt zu hoffen, dass Körner weiter schreiben wird – denn das kann er. Da er die Lust auf das Reisen nicht verloren hat, kann man ja schon mal hoffen!

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