Startseite » Bücher » Echo : Roman / Jan Christophersen

Echo : Roman / Jan Christophersen

Flensburg im Jahr 1989. Gesa fährt mit ihrer Schule tief ins spätsozialistische Polen. Dabei ist auch Tom, der eigentlich aus einer niedrigeren Klassenstufe kommt, aber Gitarrist der Schulband ist. Hier, in Polen, nimmt die Geschichte der beiden ihren Anfang, deren Wege sich in den folgenden Jahren immer wieder kreuzen werden. Gesa, zunächst genervt von der Aufpasserrolle für den Sohn von Freunden seiner Eltern, finanziert ihm ein exotisches Effektgerät namens „Echo“ für seine Gitarre. Während Tom nach der Scheidung seiner Eltern ein unstetes Leben als Musiker lebt und an dem Erfolg seiner Band arbeitet, bleibt Gesa in Flensburg verwurzelt, bekommt ein Kind mit ihrem leicht chaotischen, lebenslustigen polnischen Lebensgefährten Sascha und baut in der Stadt ihrer Kindheit ihr Leben auf.

Aber für Tom ist immer Platz, wenn er gelegentlich in Flensburg Station macht: dann sitzen sie in dem alten Anbau von Gesas Haus, der bald „Toms Hütte“ heisst, reden, hören Musik und leben ihre alte Freundschaft. Außerhalb dieser seltenen, intensiv gelebten Besuche hält Tom mit Postkarten Kontakt zu Gesa.

Doch dann ist da dieser eine Moment auf Gesas Hochzeit, der ihre 15jährige Freundschaft fast zum Zerreissen bringt.

Jan Christophersen, der mit seiem Debütroman „Schneetage“ auch auf Jargsblog begeistern konnte, legt mit „Echo“ die wunderbar komponierte Geschichte einer wunderbaren Freundschaft vor, die sich trotz aller Lebensverwicklungen nie aus den Augen verlieren. Man spürt, dass vielleicht mehr hätte werden können aus dem beiden so unterschiedlichen Charakteren, dem letztlich erfolglosen, aber hochbegabten Künstler und der in der Heimatstadt verwurzelten Gesa, die dem unset lebenden Tom einen Halt außerhalb seiner Musik gibt. Christophersen entwickelt seine Geschichte behutsam und zurückhaltend mit einem starken Fokus auf Gesa, in deren Motiven und Gedanken sich das unsete Leben des ausserhalb seiner Musik zurückhaltenden, verschlossenen Toms widerspiegelt.

Der Autor bedient sich einer überaus poetischen, schönen Sprache und lotet die Untiefen beider, ganz im Mittelpunkt der Handlung stehenden Charaktere auf eine intensive Weise aus, der man sich kaum entziehen kann. Dabei arbeitet er in seinem stark durchkomponierten, manchen Rezensenten an musikalische Gestaltungsprinzipien erinnernden Roman mit Rückblenden, einer starken Bildsprache und großem Einfühlungsvermögen die Essenz einer Freundschaft heraus und ihr tragisches Ende. Das alles gelingt ihm ohne Pathos, auf eine leise, zurückhaltende Art, der man sich nicht entziehen kann, wenn die tief melancholische Erzählung im Laufe der Geschichte mehr und mehr an Tiefe gewinnt. Ein wenig fühlte ich mich an „Vindings Spiel“ von Ketil Bjørnstad erinnert, ist doch auch hier die Musik überaus präsent zwischen den Zeilen und bildet ein tragendes Element der Handlung.

Als ich vor vier Jahren „Schneetage“ las und beeindruckt war vom Erzähltalent Christophersens und seinem besonderen Stil, habe ich darauf gehofft, dass es nicht bei diesem ersten, wunderbaren Roman bleiben würde. Die Hoffnung ist mit „Echo“ erfüllt worden, der erneut zeigt, was für ein begnadeter Erzähler Jan Christophersen ist: wer gleichermaßen eine Leidenschaft für Musik wie für überzeugend und mit großer Empathie gezeichnete Figuren hat, dem sei dieses schöne Buch wärmstens ans Herz gelegt.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s