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Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten : Roman / Daniel Friedman

Memphis, Tennessee. Rose hat es nicht einfach nach über 60 Jahren an der Seite ihres mittlerweile 87jährigen Mannes, Buck Schatz, seines Zeichens ehemaliger Ermittler bei der Polizei, ruppig auftretender Kettenraucher, ansatzweise dementer Diätverweigerer und Dauerfernsehkonsument. Es wird nicht leichter, als sie darauf besteht, dass er an das Sterbebett seines ehemaligen Kriegskameraden Jim Wallace eilt: denn Buck erfährt von dem Sterbenden, dass ihr Peiniger im Kriegsgefangenenlager, SS-Lageraufseher Heinrich Ziegler, der nach dem Krieg mit einem Wagen voller Nazigold floh, noch am Leben ist. Jim bittet ihn, Ziegler endlich zur Verantwortung zu ziehen. Buck Schatz ist in einem Alter, in dem Rachegelüste nur noch anstrengend sind, geht aber nach Wallaces Ableben halbherzig der Sache nach.

Doch auch andere sind an Ziegler interessiert – und vor allem an dessen Gold. Als der Pfarrer Dr. Lawrence Kind bei Schatz einen Anteil von dem Gold einfordert, kurz darauf brutal ermordet wird und sich Hinweise häufen, dass auch andere hinter dem Gold her sind, gibt Schatz seine Zurückhaltung genervt auf und beginnt mit Unterstützung seines Enkels William „Tequila“ Schatz aktiv zu werden. Aber er ist nicht allein: auch andere suchen nach Ziegler und dem Gold – und die Häufung ungeklärter Mordfälle in der Umgebung von Schatz ruft auch Chiefinspektor Randall Jennings vom Morddezernat auf den Plan. Ein aberwitziges und nicht ungefährliches Verwirrspiel nimmt seinen Lauf, bis sich Schatz in einem furiosen Finish endlich der Wahrheit nähert.

Daniel Friedman gelingt es rasch, den Leser in den Bann zu ziehen, den er mit einer atemberaubend spannenden Geschichte ebenso fesselt wie mit dem rauhbeinig-ruppigen, mit schrägem Altersarkasmus und derber Direktheit gesegneten Protagonisten Buck Schatz, der dem Leser rasch ans Herz wächst. Ein rasanter Thriller mit einem grummeligen Alten im Fokus, der eigentlich seine Ruhe haben will, dem technischen Fortschritt gnadenlos hinterherhinkt und trotzdem mit Hilfe seines Enkels seine alten Polizeierfahrungen letztlich erfolgreich einsetzen kann.

Friedman gelingt es dabei, bis zum überraschenden Ende das zunehmend mörderische Spiel offen und den Leser bei der Stange zu halten. Überzeugende Charaktere, ein alternder Antiheld mit Gedächtnisnotizbuch, der von seinem technisch versierten Enkel unterstützt wird, ein sorgfältig aufgebauter Spannungsbogen und der Bezug auf die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts machen aus dem Buch einen aussergewöhnlich guten Roman mit Esprit, Spannung und überraschendem Tiefgang: wann ist jemals so offen und sarkastisch über das Alter reflektiert worden, dass der Leser sich wünscht, mit einstmals 87 Jahren wenigstens ein bisschen wie Buck Schatz auf das Leben zu blicken.

Ein herrlich schräger Thriller mit Anlehungen an klassische Hard Boiled Krimis und Road Movies. Und die gute Nachricht am Ende für alle, die an Buck Schatz Gefallen gefunden haben: am 22. April 2014 ist in den USA ein Nachfolgeband erscheinen. Aufbau-Verlag: bitte kaufen und übersetzen!

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