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Die Großrussin : Roman / Stefan Schwarz

Es könnte eigentlich alles wunderbar sein im Leben des leicht hypochondrischen, etwas klein geratenen Dr. Ullrich Hasselmann, eines strunzlangweiligen Altphilologen mit zwei Kindern (Zwillingen!) und einer um seine Gesundheit sorgenden Frau, die stets weiß, wo das beruhigende Bärchenkissen liegt. Gut, mit der Habilitation läuft es gerade nicht so gut wegen einiger unbedachter Bemerkungen über die Kelten in einer Gastvorlesung vor einem Jahr – aber das kann sich ja noch einrenken.

Aber dann kommt eines Tages der Brief vom Jugendamt und teilt ihm unmißverständlich mit, dass das Wohl seines Kindes gefährdet sei. Zunächst von einem Irrtum ausgehend, wird es bald für Hasselmann offensichtlich: offenbar hatte die zur Studienfinanzierung geschlossene Scheinehe mit einer gewissen, körperlich eindrucksvollen Jelena Jefimkina aus Russland vor achtzehn Jahren unabsehbare und bisher unbekannte Folgen, die ihn gerade jetzt einzuholen scheinen. Hasselmann macht sich auf die Suche nach seinem angeblichen und mißratenden Sohn und damit auch auf eine Reise in seine Vergangenheit: stets bedacht, alles vor seiner Familie geheim zu halten, wirbelt er nicht nur den Staub von seiner Lebensgeschichte, sondern stört auch zwei rivalisierende Mafiabanden aus Russland und Albanien erheblich in ihren Unternehmungen, was für ihn nicht ohne lebensbedrohliche Folgen bleibt. Immerhin: die Erfahrung, von den Knien abwärts einbetoniert in einen Fluss zu gleiten weckt beim pedantischen Hasselmann ungeahnte Kräfte … und sorgt für erhebliche Verschiebungen in den kriminellen Wirtschaftsstrukturen und ein paar Tote.

Stefan Schwarz ist ein ausgesprochen amüsantes, überaus groteskes Buch gelungen, das von absurden Situationen, Sprachwitz und satirischen Übertreibungen nur so strotzt: geschickt verknüpft Schwarz Rückblenden mit der fortschreitend eskalierenden Handlung in der Gegenwart und treibt seinen Antihelden Hasselmann, der ungeahnte Vaterqualitäten entwickelt, durch eine Tour der Leiden, die nur ein pedantischer Kauz wie Hasselmann durchstehen kann. Dabei übertreibt Schwarz stets so geschickt, dass seine Figur glaubwürdig bleibt und man trotzdem vor Lachen manchmal platzen könnte.
Intelligent gemachte Unterhaltung auf sprachlich hohem Niveau, der man unbedingt eine Verfilmung wünschen würde und die in öffentlichen Verkehrsmitteln zu durchaus publikumswirksamen unwillkürlichen Lachanfällen führen kann. Sehr empfohlen.

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