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Love Alien : Wie findet man mit 30 seine erste Freundin? / Regie: Wolfram Huke

In einer Welt voller Datingportale und Partnerbörsen, in der scheinbar lauter erfolgreiche suchende Singles erfolgreich zueinander finden und Sexualität in allen Spielarten nahezu onmipräsent ist, sind sie nahezu unsichtbar: Menschen, die noch nie eine Liebesbeziehung hatten, geschweige denn sexuelle Erfahrungen sammeln konnten. Mit der Rezension von „Und wer küsst mich?“stellte ich hier bereits ein Buch über das Thema vor, dass in den letzten Jahren etwas mehr Aufmerksamkeit in Medien und Öffentlichkeit bekommen hat.

Der Filmemacher Wolfram Huke, geboren 1981, begibt sich in seinem Film „Love Alien“ auf dünnes Eis, denn er
ist selbst ein „Absolute Beginner“, wie sich selbst nennen. Über ein Jahr lang dokumentiert er aus radikal-subjektivem Blickwinkel sein Leben und setzt dabei den Fokus allein auf seine Unerfahrenheit in Liebe und Sexualität und die Partnersuche, die er mit einer kleinen Handkamera filmen möchte. Letztlich scheitert diese Partnersuche und wir sehen ihn zuhause, begleiten ihn bei den hilf- und hoffnungslosen Versuchen, aus diesem Leben auszubrechen, endlich auch zum Kreis der Eingeweihten zu gehören. Deutlich wird dabei, wie ungewollt dieses einsame Leben ist, in dem sich Wolfram Huke eingerichtet hat und von dem er nicht weiß, wie er es verlassen soll. Dabei spürt man sowohl die tiefen Selbstzweifel, die der Kränkung des Niemals-zuürckgeliebt-werden entspringen, als auch den humorvoll-distanzierten Blick auf sich selbst. Gerade dadurch, dass er diese Balance hält, wird der Film zu einer zwar subjektiven, aber beeindruckenden Dokumentation.

Huke ist auf diese Weise ein ebenso unterhaltsamer wie ernster Film gelungen, in dem er zum einen die der Mehrheit skurril erscheinende Welt der „Absolute Beginners“ an seinem Beispiel zeigt und zum anderen in seiner Person den Druck spiegelt, den eine auch in Liebesdingen erfolgreich zu sein habende Gesellschaft sich auferlegt. Damit leistet er nicht nur einen humorvoll gebrochenen, nie in Wehleidigkeit abgleitenden Beitrag zur Sichtbarmachung des Phänomens, sondern regt letztlich den Dialog an zwischen jenen, denen es leicht fällt, zu Liebe und Sexualität zu finden – und jenen, denen dieser Weg verschlossen zu sein scheint. Manchmal ertappt man sich nach dem Sehen des Films dabei, die „Absolute Beginner“ nicht nur zu bedauern, sondern auch ein wenig zu beneiden in Anbetracht der in den Medien, der Werbung, zahllosen Ratgeber und Foren unerschüttlich und penetrant präsentierten und glorifizierten glückseligen Zweisamkeit allüberall. Ein sehr zu empfehlender Film.

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2 Kommentare zu “Love Alien : Wie findet man mit 30 seine erste Freundin? / Regie: Wolfram Huke

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