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Der Mann und das Holz : vom Fällen, Hacken und Feuermachen / Lars Mytting

Verstehst du dich auf die Kunst, das Werkzeug richtig anzusetzen, siehst du mit Wonne, wie der harte Stahl sich durch das Holz frisst. Der Duft von Harz und frischem Holz oder der Anblick der glatten Spaltflächen nach dem Hieb mit einer frisch geschliffenen Axt können einen Mann mit stillem Wohlbehagen erfüllen und ihm wahres Glück bescheren, als hielte er sein Dasein selbst in Händen, lebendig und schwer. (S. 109. Übersetztes Zitat aus Hans Børli, Med øks og lyre: Blar av en tommerhuggers dagbok, Aschehoug, 1988)

Ein ganzes Buch über Holz: über das Fällen von Bäumen, das Zerteilen, zerhacken, stapeln, trocken und das richtige Verfeuern und Heizen mit Holz. Das klingt zunächst mal nach einem öden Fachbuch mit trockenen Anleitungen in drögem Heimwerkerdeutsch. Weit gefehlt, denn Lars Myttings Buch – in seiner Heimat Norwegen ein Jahr lang ein Bestseller – reicht weit über sein zunächst nüchtern klingendes Thema hinaus: Mytting beschliesst, dieses Buch zu schreiben, als er den schwer lungenkranken Nachbarn im Frühjahr beim Stapeln des frisch angelieferten Brennholzes beobachtet und erkennt, wie sehr der alte Mann in seiner Arbeit aufgeht und sichtlich an Kraft gewinnt.

Ausgehend von einer kleinen Kulturgeschichte der Holzfeuerung, widmet er sich zunächst dem Wald als Quelle von Feuerholz, den Bedingungen zum Baumfällen, den unterschiedlichen Baumarten und den besten Techniken, sie zu fällen, um sich dann dem Werkzeug zuzuwenden von der Bügelsäge über die Axt und allerlei nützliche Utensilien bis hin zur Motorsäge. Ausführlich geht er auf Hauklotz und Spalttechniken ein, um sich dann vertieft verschiedensten Formen und Varianten des Holzstapelns (vom Rundstapel über den Fächerstapel bis hin zu Klafterstapel und mehr) und der Holztrocknung zu widmen. Am Ende kommt er zu den finalen Fragen für den Berennholzenthusiasten: dem Ofen in seinen alten Ausprägungen und effizienzgesteigerten modernen Varianten sowie dem Feuer selbst, einer Wissenschaft für sich: vom Verbrennungsvorgang über das Anfeuern von oben oder unten oder die richtige Heiz- und Belüftungstechnik bis zum Trocknungsgrad des Holzes und dem Reinigen von Asche und Ruß reicht das Spektrum.

Nun mag das für den einen oder anderen noch recht nüchtern klingen. Okay, da schreibt ein Mann über Holzhacken und Holzöfen – was soll da schon dabei sein? Eben das ist das bemerkenswerte an diesem Buch: Mytting versteht es, sein Thema nicht nur mit großer Leidenschaft und einer in der Übersetzung sehr ansprechenden, fast schon literarischen Sprache zu verfolgen, sondern würzt es mit zahllosen Anekdoten, reichert es an mit den Erlebnissen, die er bei der Begegnung mit anderen, leidenschaftlich dem Brennholz verfallenen Menschen gemacht hat. Erstaunt erfahren wir, dass man mit Verve über die richtigen Stapeltechniken streiten kann, es zahllose Stapelformen gibt und selbst die Wahl der Motorsäge oder der Axt, des Stapelns der Rinde nach oben oder nach unten zu einer intensiv abgewägten Lebensentscheidung, ja Lebensphilosophie werden kann. Dazu kommen Myttings Recherchen über die verschiedensten Holzarten, ihre Brennwerte und Brenneigenschaften, die er so lebendig vermittelt, dass man des Holzes Duft zwischen den Seiten zu riechen vermeint.

Auch in Deutschland hat Myttings Buch offensichtlich seit seinem Erscheinen im März weite Aufmerksamkeit gefunden – zu Recht, denn wann ist schon einmal ein so sinnliches, poetisches Buch über Brennholz geschrieben worden, das selbst ein zentralheizungsgewohnter Städter wie ich am liebsten losziehen, Holzhacken und sich einen Stapel verschiedenster Scheite auf den Balkon errichten möchte? Auch der sachbuchaffine Zwillingssohn T. liess sich gerne etliche Seiten über Baumarten und ihre Brennholzeigenschaften vorlesen. Ein wunderbares kulturgeschichtliches Buch nicht für für Holzfällerinnen und Holzfäller, sondern für alle, die Holz lieben und wissen, das Holzfällen, Holztrocknen und Holzfeuerung durchaus eine Kunst sind.

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