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Der Nomadengott : Roman / Gerd Scherm

Es ist allgemein bekannt, dass Götter einen Wohnsitz haben. Ob nun auf dem Olymp oder in Asgard, auf oder in der Sonne oder in einem hohlen Baum, Götter wohnen.
Als man im Zuge der Rationalisierung den Monotheismus erfand, siedelte man diesen Ein-Gott im Himmel, im All, irgendwo in einem imaginären Oben an. (S. 8)

Es ist nicht einfach für die Hyksos in Ägypten 1500 Jahre vor unserer Zeitrechnung: seit vielen Jahren leben sie schon unter den Ägyptern, werden aber stets argwöhnisch beäugt. Jetzt will Pharao Ahmose sie endgültig loswerden und hält dabei im Zweifel jedes Mittel für gerechtfertigt. Zu allem Überfluss kriselt es auch bei den Göttern – und nicht erst, seit der dicke Devotionalienhändler und Hyskos Raffim per Zufall an das göttliche Ankh des Krokodilgottes Suchos gelangt ist und es diesem von Tag zu Tag schlechter geht. Sehsmosis, der zurückhaltende Schreiber, überzeugt seinen Stamm, aus Ägypten auszuwandern. Als er unterwegs auf den kurzsichtigen, minder leistungsfähigen Gott GON trifft, wird er unfreiwillig zum Propheten – und die Ereignisse nehmen für Sehsmosis und seine Hyksos eine unerwartete Wendung.

Gerd Scherm legte vor geraumer Zeit mit seiner Religionssatire „Der Nomadengott “ eine ausgesprochen vergnüglich zu lesende, wortwitzige Geschichte vor, die mit ihrer humorvollen Überspitzung von Religions- und Kulturborniertheit durchaus hochaktuelle Züge zeigt – und zugleich den einzigen Weg weist, der aus den fundamentalistischen Sackgassen aller Art führen kann: Toleranz und der humorvolle Blick auf sich selbst. Scherm, der sich durchaus auf historische Fakten stützt und die altägyptische Götterwelt ebenso karikiert wie Gott und Götter allgemein (auch von einem Moses und seinem strafenden Gott ist die Rede). Wunderbar gelungen ist dabei der kleine Nomadengott selbst, der manchmal etwas unsicher scheint, weil er aufgrund seiner geringen Zahl von Gläubigen ja noch nicht so große Macht hat und trotzdem Wert auf angemessene Unterbringung in einer 30x30x30 cm großen Kiste legt.

Eine rasend komische, rasante Geschichte mit aberwitzigen Volten und urkomischen Passagen, die nicht umsonst sehr an Terry Pratchett und Douglas Adams erinnert und mit ihrem zwischenzeiligen Aufruf zu mehr Entspanntheit in allen weltanschaulichen Fragen und ihren Spitzen auf religiöse und ideologische Überhöhungen und Irrationalismen hochaktuell ist.

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