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Gefährten – War Horse / Regie: Steven Spielberg. Darst.: Jeremy Irvine; Peter Mullan; Emily Watson […]

Ted Narracot ist Pächter einer Farm. Auf einer Pferdeauktion will er ein Pferd für den Ackerbau ersteigern, begeistert sich jedoch für einen jungen. für die Landwirtschaft ungeeigneten Vollbluthengst. Im Übermut ersteigert er das Tier in einem Wettbieten mit seinem Verpächter Lyons, bei dem er hoch verschuldet ist. Der Verpächter stellt ihm nun ein Ultimatum, dass Pferd an Acker und Pflug zu gewöhnen: gelingt es nicht, bekommt er das Tier. Teds Sohn Albert nimmt die Herausforderung an und gewöhnt das Joey genannte Pferd an die schwere Arbeit.

Doch obwohl das Pflügen gelingt und die Ernteaussichten gut sind, macht ein Unwetter alles zunichte. Außerdem bricht der Erste Weltkrieg aus und Ted muss zum Entsetzen Alberts das Pferd an das Militär verkaufen. Captain Nichols verspricht aber Albert, das Pferd nach dem Krieg wieder zurückzubringen. Als Nichols bei einem Angriff auf deutsche Stellungen stirbt, flüchtet Joey und wird von den Deutschen für Krankentransporte eingesetzt. Als die beiden deutschen Brüder, die sich um die Pferde kümmern, wegen Fahnenflucht erschossen werden, kommt Joey in die Hände der 14jährigen Waise Emilie, die das Pferd erfolgreich in ihrem Zimmer vor Soldaten verstecken kann und sich fortan mit Hilfe ihres Großvaters um das Tier kümmert, bis es von den Deutschen erneut – diesmal für die schweren Transporte von Kanonen – requieiert wird.

1918 ist auch Albert an die Front gekommen, der noch nicht die Hoffnung aufgegeben hat, sein Pferd zu finden: bei einem Giftgasangriff wird er schwer verwundet. Joey selbst gelingt es zu fliehen: doch im Chaos und Schlamm des Schlachtfeldes verfängt er sich im Stacheldraht und bleibt liegen. Als die Sodaten auf beiden Seiten merken, dass sich ein Pferd zwischen den Fronten befindet, versuchen sie es vergeblich mit Lockrufen anzulocken. Als das nichts nützt, wage sich ein britischer und ein deutscher Soldat in das verwüstete Niemandsland, befreien das Tier und entscheiden per Münzwurf, wer es mitnehmen darf. Der britische Soldat nimmt das Tier daraufhin mit auf seine Seite, doch der Offizier befiehlt das schwer verletzte Tier zu erschiessen. Im letzten Augenblick ruft Albert, der von einem schwer verwundeten Wunderpferd gehört hat, mit seinem „Eulenruf“ sein Pferd Joey und kann es so erkennen und retten …

Steven Spielberg ist eine beeindruckende Adaption des Kinderbuches War Horse von Michael Morpurgo gelungen: sein Film ist eine epische Geschichte über Freundschaft und Treue in einer dunklen Kriegszeit, die von leeren Durchhalteparolen, Kadavergehorsam und sinnlosem Gemetzel geprägt ist. Vor dem Hintergrund der Schrecken dieses Krieges mit seinen endlosen Stellungskämpfen und den abgestumpften, müden Soldaten setzt Spielberg ganz das Pferd in den Mittelpunkt der Handlung und schafft es, diesen stummen Hauptdarsteller so gekonnt in Szene zu setzen, dass man sich als Zuschauer mit der durch menschliche Gräuel malträtierten Kreatur identifiziert und seinen Überlebenskampf gebannt verfolgt.

En passant ist „War Horse“ durchaus auch ein Antikriegsfilm, der nicht nur in den schrecklichen Kulissen gewalttätiger Auseinandersetzungen spielt, sondern zugleich insbesondere in den Szene, die im Niemandsland zwischen den Fronten spielen, die Absurdität von Kriegen vor Augen führt: als die Soldaten erkennen, dass ein Pferd in Not ist, versuchen beide Seiten kollektiv, wenn auch mit unterschiedlichen Rufen, das Tier anzulocken. Die Szene zwischen dem deutschen (Hinnerk Schönemann) und dem britischen Soldaten treibt diese Absurdität nochmal auf die Spitze, etwa als von deutscher Seite aus dem Schützengraben die Kneifzangen fliegen, die die beiden brauchen, um das Tier aus dem Stacheldraht zu befreien.

Am Set waren zeitweise bis zu 280 Pferde beschäftigt, von denen allein 14 Joey spielten. Es gibt eine Unmenge Pferdefilme … und in vielen von ihnen sind die Pferde kaum mehr als Kulissen für menschliche Sorgen und Nöte. Bei Spielbergs „Gefährten“ ist das wohltuend anders, denn das Pferd steht trotz zahlreicher hervorragender Schauspieler im Mittelpunkt der mit wenig Worten auskommenden Handlung und macht in Verbindung mit der wunderbaren Musik aus der Geschichte ein fast schon klassisches (Heim)Kinoepos.

4 thoughts on “Gefährten – War Horse / Regie: Steven Spielberg. Darst.: Jeremy Irvine; Peter Mullan; Emily Watson […]

  1. Ein paar Gräuelszenen machen allerdings noch keinen Antikriegsfilm aus. Die Frage, wann ein Kriegsfilm zum Antikriegsfilm wird, umtreibt mich seit längerer Zeit, weshalb ich recht viele schaue (und in meinem Blog auch eine Kriegsfilm-Rubrik eröffnet habe). Ich konnte bei GEFÄHRTEN keine Antikriegs-Botschaft erkennen. Die Szene mit dem im Stacheldraht gefangenen Pferd und den herbeigeworfenen Kneifzangen war zwar schön, aber letztlich zu absurd-märchenhaft.

    Insgesamt fand ich GEFÄHRTEN unsäglich. So sollte man heute keine Kriegsfilme mehr drehen. Besonders enttäuschend fand ich, dass der Film ausgerechnet von Spielberg kam, der das Genre mit der ersten halben Stunde von SAVING PRIVATE RYAN doch weit vorangebracht hatte.

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    • So unterschiedlich kann man einen Film sehen. Da wir selbst ein Pferd haben, war der Fokus ein komplett anderer und damit vielleicht auch die Wirkung, die sich von der Wirkung auf Dich so deutlich unterscheidet. Ich fand es spannend, das Pferd in den Mittelpunkt gesetzt zu sehen und die Absurdigtät des Krieges in seinem Erleben gespiegelt zu sehen.

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    • Das gilt ja generell für die FSK, dass auch ein FSK 12 für manchen noch zu „hart“ ist. Mein Sohn hat mit sechs einen Was-ist-was-Film (FSK 0) mit Sequenzen über die Ötzi-Mumie gesehen und hatte danach wochenlang Albträume. Ich weiss noch nicht, ob ich „War Horse“ in drei Jahren, wenn die Zwillinge 12 werden, mit ihm sehen würde. Star Wars wird ja schon hart für ein feinsinniges Kerlchen wie ihn – und die sechs Filme möglichst im Kino habe ich ihm ja versprochen!!😉

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