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Jargsblogs beste Bücher: Nachlese Romane 2014

Die Nachlese für 2014 auf Jargsblog erweist sich zumindest im Bereich der heute vorzustellenden besten Romane als ausgesprochen schwierig und war letztlich nur durch die diesem Blog innewohnende Subjektivität zu entscheiden – was letztlich bedeutet, dass diese Auswahl morgen komplett anders aussehen könnte. Es gab deutlich mehr als die zehn hier vorzustellenden Romane, die mich 2014 nachhaltig beeindruckt und beschäftigt haben.

Ein atmosphärisch unglaublich dichtes und sprachlich in der Übertragung von Ulrich Hartmann sehr ansprechendes Buch, das einen bewegt und berührt zurücklässt mit einem schlüssigen, weil durchaus offenen Ende, war „Meine erste Lüge“ von Marina Mander. Ein Roman, der noch lange nachwirkte.

Kaum mit einem anderen Buch zu vergleichen ist Max Scharniggs „Vorläufige Chronik des Himmels über Pildau“. Scharnigg macht aus dem entlegenen Pildau einen magischen Ort, um den die Welt sich zu drehen scheint, schafft Bilder, die kraftvoll und zärtlich zugleich vom Erwachsenwerden erzählen, von Kindheitsglück und Kindheitstrauma, komisch und tragisch zugleich, und errichtet so einen erzählerischen Ort von großer Schönheit, geprägt von der Liebe zu seinen Protagonisten und einem subtilen Blick für ihre Sehnsüchte, Ängste und Abgründe. Das alles schreibt er in einer Sprache, die so bewegend schön und zugleich so kitschfrei ist, dass man es kaum glauben mag und am liebsten jeden Satz anstreichen würde. Literatur, die unmerklich, sanft und nachhaltig das Herz berührt und einen verändert durch die Welt gehen lässt.

Natürlich darf „Der Himmel über Green Harbour“ von Nick Dybek hier nicht fehlen: ein wunderbares, melancholisch gefärbtes und atmosphärisch dicht gewebtes Buch und ein erstaunlich starkes Romandebüt zugleich, das hoffen lässt auf mehr aus der Feder dieses jungen, vielversprechenden Autors, der große Emotionen in eine vergleichsweise klare, kühle Sprache zu packen weiss.

„Der Atem der Welt“ von Carol Birch gehört zu jenen Abenteuerromanen, die weit über ihr Genre hinausragen. Sie verknüpft zwei reale historische Ereignisse geschickt und nimmt sie zum Ausgangspunkt für eine spannende und zugleich tief berührende Geschichte über das Erwachsenwerden, über Freundschaft und die menschliche Existenz an sich. Für mich war es ein Buch, das lange nachwirkte.

Zu recht wird “Sydney Bridge Upside Down“ von David Ballantyne, der Abenteuer- und Entwicklungsroman zugleich ist, heute zur Weltliteratur gezählt. Ein trauriges und zugleich wunderbares und spannendes Buch, fein übersetzt und in Sprache und Komposition sehr überzeugend.

Delphine de Vigan überzeugte mich mit ihrer stark autobiografischen Erzählung „Das Lächeln meiner Mutter“. Delphine de Vigans Buch und die besondere Atmosphäre, die sie darin zu erzeugen versteht, wirkt lange nach, bewegt tief und leitet den Blick über diese besondere Familiengeschichte zu den eigenen Spiegeln, in denen wir unsere Biografie oder das, was uns davon in den Zerrbildern der Vergangenheit erkennbar bleibt, zu erblicken versuchen, um eine vage Ahnung davon zu bekommen, wer wir waren, wer wir sind und was wir sein könnten. Es reicht damit weit über übliche Biografien und Erfahrungsberichte hinaus und lässt die Erlebnisse und Nachforschungen der Autorin zu großer Literatur gerinnen.

Von ersten Buch an war ich Daniel Woodrells besonderer Art zu erzählen verfallen, die sich auch in „In Almas Augen“ wiederfindet. Woodrell, einer bekanntesten Vertreter der “Southern Gothic”, schafft es auch in diesem Buch, gekonnt einen auf wahren Begebenheiten beruhenden Kriminalfall mit dem Porträt der amerikanischen Gesellschaft, hier zu Zeiten der großen Depression, zu verbinden. Ein sprachmächtiges, sozialkritisches und dabei zugleich ungemein spannendes Buch, das ich sehr gerne empfehle.

Die Konsequenz von Daniel Pennacs „Der Körper meines Lebens“ hat mich ungemein überzeugt und gefesselt. Der Verdienst dieses Romans liegt darin, sich gänzlich von dem oft zur Emotionalität, ja Sentimentalität neigenden Genre Tagebuch abzuheben:
Pennac schreibt oft nüchtern, fast lakonisch, gefärbt mit leisem Humor und sanfter Melancholie und schafft es eben dadurch, seiner Geschichte große Authentizität und Intensität zu verleihen. Ein wunderbares Buch, erfrischend, skurril und übermütig, über das menschliche Leben und Sterben in seinem Widerspruch, seiner Schönheit und seiner Komik, weise und unerhört wahr, das ich jedem nur wärmstens empfehlen kann.

Jochen Rauschs Roman „Krieg“ war eine zutiefts erschütternde Lektüre und zugleich die Entdeckung eines mir bisher unbekannten Autors. An dem Roman ist zweierlei bemerkenswert: Rausch schreibt über einen fernen, absurd erscheinenden Krieg und dessen Folgen für die teilnehmenden Soldaten und ihre Angehörigen – und führt uns zugleich in die Innenwelt eines Mannes, den das Leben bis zum Rand mit einer kaum zu ertragenden Trauer gefüllt hat: am Ende führt er selbst einen gnadenlosen Krieg, um seiner Trauer zu entfliehen. Einen Krieg, der ebenso absurd wie unentrinnbar scheint wie jener ferne, brutale Krieg in Afghanistan, in den sein Sohn zog. Ein intensives Buch mit Tiefgang, dem man sich nicht entziehen und für dessen Lektüre man sich unbedingt Zeit und Ruhe nehmen sollte.

Sehr habe ich mich gefreut, dass Jan Christophersen mit „Echo“ ein neues Buch geschrieben hat. Der Autor bedient sich einer überaus poetischen, schönen Sprache und lotet die Untiefen beider, ganz im Mittelpunkt der Handlung stehenden Charaktere auf eine intensive Weise aus, der man sich kaum entziehen kann. Wer gleichermaßen eine Leidenschaft für Musik wie für überzeugend und mit großer Empathie gezeichnete Figuren hat, dem sei dieses schöne Buch wärmstens ans Herz gelegt.

11 thoughts on “Jargsblogs beste Bücher: Nachlese Romane 2014

  1. Pingback: Der Sonntagsleser – Die Wiederkehr in KW 2/Januar 2015 | Lesen macht glücklich

  2. Nun denn, ich hab dann „Der Atem der Welt“ ganz nach oben auf den SuB gepackt und mir „Der Himmel über Greene Harbor“ notiert. Ich seh schon, die Wunschliste wird niemals kürzer. Zumindest nicht, wenn ich weiterhin hier verweile.😉

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    • Viel Lektürefreude mit den beiden Büchern, die jedes für sich besonders und nicht leicht mit anderen zu vergleichen sind. Insbesondere dem Buch „Der Himmel über Greene Harbor” konnte ich mich kaum entziehen …

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    • Liebe Mareike, das freut mich, dass die die beiden „Bs“ auch so gefielen und ich wünsche Dir viel Spaß mit Mander und Scharnigg. „Schneetage“ war sicher als Erstling von Christophersen noch etwas stärker – aber etwas im Ton von „Echo“ hat mich einfach bei der Lektüre getroffen und zu dieser absolut subjektiven Entscheidung bewogen😉

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    • Das Blau. Weil das Jahr nicht nur wettermäßig so trüb anfing, kam vermutlich diese subjektiv das Blau bevorzugende Auswahl zustande. Wer weiß das schon, was so ein gestresstes Hirn entscheidet und warum. Hauptsache, es wird wieder blau. Wie jetzt. Draussen vor dem Bürofenster in der Mittagspause, gen Süden blickend.

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  3. Pingback: Wir & Ihr: Jahresrückblick, Blogschau und Dank – 2014. | buecherrezension

    • Danke, liebe Mara, das freut mich. Auch Dir arg verspätet ein schönes neues Jahr voller schöner Momente (und mit vielen interessanten Büchern). Mein Jahr begann privat etwas dramatisch – aber gerade zeigt sich trotz unveränderlicher Entwicklungen etwas Licht und Hoffnung dank engagierter Menschen.
      Liebe Grüsse von
      Jarg

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