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Jargsblogs beste Bücher: Nachlese Kinder- und Jugendbücher 2014

Die Qual der Wahl gab es wieder bei Kinder- und Jugendbüchern, der letzten Printkategorie dieser kleinen Reihe, bevor ich mit der Scheibenwelt und damit mit Musik und Film fortfahre. Natürlich bleibt auch diese Auswahl radikal-subjektiv und könnte vermutlich in drei Wochen komplett anders ausfallen … womit dieser Blog sich gewissermaßen treu bleibt, wird hier doch eh nur das besprochen, was gefällt. Der Rest ist Schweigen.

Jon Klassen hat es ja mit Hüten, wie er bereits in “Wo ist mein Hut?” gezeigt hat. Dazu kommt noch ein ausgeprägter schwarzer Humor, der sich auch in „Das ist nicht mein Hut“ wiederfindet – dem Aufmacher dieses Artikels – dessen knappe, prägnante Sätze von Thomas Bodmer vortrefflich ins Deutsche übertragen wurden und sich mit ihrem zwischenzeiligen Witz wunderbar mit den feinen Bildern von Klassen verbinden.

Wer je Skelette gruselig oder abstoßend fand, wird nach dem wunderbar illustrierten und mit einem anspruchsvollen, aufwändigen Layout versehenen „Die Geschichte der Skelette“ von Jean-Baptiste de Panafieu und Patrick Gies anders denken und nicht umhin können, die Schönheit dieser über Jahrmillionen entstandenen natürlichen Konstruktionen zu bewundern. Ein wunderbares Sachbuch zum Staunen und Entdecken für Kinder ab etwa zehn Jahren, das jedoch bereits bei den evolutionsbegeisterten achtjährigen Zwillingen auf höchstes Interesse stieß.

Ein ganz wunderbares, textlich und bildlich auf das Wesentliche reduziertes, grafisch äußerst ansprechendes und mit der Typographie spielendes Buch über das Selbstbewusstsein mit dem titelgebenden Satzzeichen als Helden ist „Ausrufezeichen“ von Amy Krouse Rosenthal & Tom Lichtenheld. Wunderbar zum Vorlesen und Angucken für kleine und große Freunde des künstlerisch anspruchsvollen Bilderbuchs ab vier Jahren, die so sind wie sie sind. Graphiker Tom Lichtenheld überzeugte auf Jargsblog bereits zusammen mit Krouse Rosenthal bereits mit “Ente! Hase!” und schafft auch alleine schöne Werke wie zum Beispiel “Die kleine Wolke Cloudette”.

Ein wunderbares Buch ist „Mein kaputtes Königreich“ von Finn-Ole Heinrich als erster Band der Maulina-Reihe. Es wird konsequent aus der Sicht des Kindes erzählt und ist dabei so spannend, das man es kaum zur Seite lesen mag: Mit Witz und Esprit schreibt Heinrich vom Ernst des Lebens in einer von Trennung und Krankheit betroffenen Familie und seiner Bedeutung für Kinderherzen. Wer seinem 10jährigen Kind etwas besonderes schenken will und gar selbst Spaß am empathischen Vorlesen hat, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Nsdia Budde, von mir sehr geschätzt, darf hier auch nicht fehlen: in „Und außerdem sind Borsten schön“ gelingt es ihr auf ihre unnachahmliche Art, die jeweils in schön gereimten Versen beschriebenen Eigenheiten der lustig-freundlich dreinschauenden Figuren in den Bildern selbst lebendig werden zu lassen und so deutlich zu machen, dass gerade die Unterschiede das Leben bunt machen und das Äußere letztlich gar nicht so wichtig ist. Am Ende ist man mit Onkel Parzival einer Meinung, liest das Buch noch einmal und freut sich erneut über die schrägschönen Gestalten und die eingängigen Reime.

In Hamburg nennt man sowas manchmal achtersinnig: Eine herrlich schräge Geschichte hat Ulrich Hub mit „Füchse lügen nicht“ geschrieben, die sich auf wundervolle Weise mit Vorurteilen, den kleinen Lügen und Ausflüchten des Alltags beschäftigt: hier nervt und verdächtigt jeder jeden einmal und doch finden am Ende alle zusammen, weil nur noch Freunschaft und Mut, Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft zählen. Hub spielt dabei auch mit Erwachsenenklischees und schnell ertappt man sich nach der Lektüre dabei, herumzuschauen und beim Bahnfahren die Schafe, Affen und Pandas unter den Pendlern zu entdecken. Ein aberwitzig-schräges und treffend illustriertes Vorlesevergnügen – zwillingsgetestet mit hohem Lachquotienten und damit allgemein empfohlen.

Frei nach der legendären Georgette Dee heisst es auch für mich „Meer ist mehr!“. Daher gehört auch diese wunderbare Sammlung von Texten mit Meerbezug unter dem Titel „Von Meerjungfrauen, Kapitänen & fliegenden Fischen : Geschichten & Gedichte rund ums Wasser“ (Renate Raecke und Stefanie Harjes) den besonderen Leseerlebnissen aus dem letzten Jahr. Fr Wasser- und Leseratten jeden Alters, die sich von Gedichten und Geschichten in Verbindung mit zauberhaften Bildern fesseln lassen mögen.

Shaun Tan spielt in „Die Regeln des Sommers“ wieder meisterhaft mit dem Unerwartetem, dem Kontrast, dem Widerspruch und erzeugt so eine geradezu existentielle Atmosphäre, in der der karge, fast nüchterne Text von den ausdrucksstarken Bildern überlagert wird, bis die vordergründig harmlose, tatsächlich offensichtlich immer bedrohlichere und fantastisch übersteigerte Geschichte um die zwei den Regeln folgenden Jungs sich am Ende auflöst. Den Bildern Tans mutet dabei etwas Magisch-traumhaftes an, mit der er auf eine ganz elementare, sprachferne Ebene der inneren Wahrnehmung zielt und so eine starke Wirkung beim Betrachter erzielt, der man sich kaum entziehen kann.

Eine Fortsetzung von „Seeräubermoses“ gehörte für mich lange zu den Wunschbüchern, die noch geschrieben werden müssen. Kirsten Boie legt mit “Leinen los, Seeräubermoses“ einen wunderbaren Nachfolgeband vor: humorvoll, dass einem der Bauch weh tut und doch so konsequent aus dem Lebensblick von Kindern geschrieben, dass sie gebannt der Geschichte und ihren Volten folgen. Mit Seeräubermoses und Dohlenhannes bieten sich wieder für beide Geschlechter Identifikationsfiguren an – und wie diese schafft Boie ein wunderbar plastisches Ensemble von Charakteren vom dösigen Haken-Fiete bis zum polterigen Käptn Klaas, in dem durchaus sachkundig und mit lehrreichen, unterhaltsamen Anmerkungen aufbereiteten Ambiente des Mittelalters

In unserer leider von ideologischem und fundamentalistischem Sperrfeuer erschütterten Zeit tut Aufklärung not – auch schon für Kinder. Max Kruse, der steinalte und immer noch rege Kinderbuchautor, hat mit „Urmel saust durch die Zeit“ eine kindgerechte Geschichte über die Evolution vorgelegt. Ohne zu belehren, leistet er en passant einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung unserer Kinder über diese wunderbare, lange und schönste Geschichte des Lebens, zu der wir Menschen neben zahllosen lebenden und ausgestorbenen Tieren gehören. Im Zwillingstest schnitt “Urmel saust durch die Zeit” mit seinem zugleich hohen Spannungs- und Wissensfaktor hervorragend ab und vermochte die Kinder buchstäblich bis zur letzten Seite zu fesseln. Kein Wunder, denn wer würde nicht gerne durch die Zeit reisen und wäre dann auch noch ein freches, neugieriges und unverwechselbares Urmel? Einer unserer unbedingten kinderliterarischen Höhepunkte und daher auch ebenso bedingungslos empfohlen

14 thoughts on “Jargsblogs beste Bücher: Nachlese Kinder- und Jugendbücher 2014

  1. Pingback: Der Sonntagsleser – Die Wiederkehr in KW 2/Januar 2015 | Lesen macht glücklich

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