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In 80 Fettnäpfchen um die Welt : womit man sich im Ausland so richtig blamiert / Francoise Hauser

In China gilt das Absondern nasaler Schleimsekretionen als salonfähig, das klassische europäische Tempotaschentuch insbesonders bei Benutzung als eklig. Japaner finden beides nicht schön und erwarten von grippal infizierten Kollegen gerne einen Mundschutz. Während Sie sich vermutlich über eine schöne alte Uhr als Gastgeschenk freuen würden, dürfte das bei Chinesen in aller Regeln unangenehm auffallen, stehen Uhren doch in Verbindung mit dem Tod – und „alte“ Sachen zu verschenken als unfein. Halten Sie gefälligst in Großbritannien und den USA beim Erbsenessen die Gabel mit den gebogenen Zinken nach unten und rächen Sie sich für die Unmöglichkeit des Hülsenfruchtverzehr hinterher nicht mit rohem Hackfleisch auf Brot – das käme nicht gut an.

Auch ob sie mit oder ohne Rollkoffer reisen, kann Irritationen auslösen bei Mitreisenden und Einheimischen. Gilt doch der Rollkoffereisende bei Hardcore-Backpackern als uncool, die generell stolz darauf sind, nicht mehr als drei Unterhosen dabeizuhaben. Bei Gruppenreisen mit Rollkofferenthusiasten gelten natürlich andere Regeln – bis hin zum frühmorgendlichen Reservieren von Badeliegen mit Handtüchern.

Francoise Hauser hat in ihrem vergnüglich zu lesenden, aber ungemein brauchbaren Handbuch eine Vielzahl interkultureller Missverständnisse zusammengefasst, die einen auf Reisen in manchmal amüsante, manchmal aber auch durchaus bedrohliche Situationen bringen können. Dabei reicht die Bandbreite unter anderem von der ersten Begegnung über sprachliche Missverständnisse, heikle Körperteile, Kleidung, Religion, Tischmanieren, Essen und Alkoholkonsum bis hin zum stillen Örtchen und anderen balenologischen Tretminen. Ausgesprochen unterhaltsam breitet Hauser ihr Thema aus, wunderbar überspitzt mit ihren Tipps „So blamieren Sie sich richtig!“. Für alle Reisenden und jene, die im Kulturkontakt dazulernen und Irritationen vermeiden wollen, sehr gerne empfohlen.

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14 Kommentare zu “In 80 Fettnäpfchen um die Welt : womit man sich im Ausland so richtig blamiert / Francoise Hauser

  1. Bei meinem ersten Arbeitgeber sollte ich eine Praktikantin aus China betreuen und ihr dabei helfen, sich bei uns wohlzufühlen. Als wir am ersten Tag ihres Praktikums in der Kantine saßen – sie hatte auch Tomatensalat auf ihrem Teller – spuckte sie plötzlich und ganz selbstverständlich und überaus gezielt die gekaute Haut der Tomate neben ihren Teller. was ich erst für ein Versehen gehalten hatte, entwickelte sich zur Perfektion. Bei Beendigung des Mahl zierte ein kleiner, spitz zulaufender Hügel an Tomatenhäuten den Tisch.
    Sie muss an meinem Blick bemerkt haben, dass etwas nicht stimmte. Es war im Anschluss erstaunlich und aufschlussreich, was wiederum in ihrem Kulturkreis als ähnlich ekelig empfinden wird, wie für mich diese Spuckerei bei Tisch 🙂

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    • Liebe Heike,
      das Tomatenhautspucken klingt nach einer ausgefeilten chinesischen Kulturtechnik 😉
      In meiner Teenagerzeit hatten wir mal japanische Geschäftsfreunde meines Vaters zu Besuch. Sie hatten sichtlich Schwierigkeiten mit unseren Tischsitten – abgesehen von der Benutzung von Messer und Gabel. Aber gerade das macht solche Begegnungen ja so spannend – und beim Gegenbesuch in Japan einige Zeit später dürften wir als für japanische Augen grobschlächtige Europäer sicher auch das eine oder andere Fettnäpfchen breitgetreten haben. Faszinierend, um diese Unterschiede zu wissen – vor allem, wenn man dann vielleicht noch etwas über ihre Ursprünge in Erfahrung bringen kann.
      Liebe Grüsse von
      Jarg

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  2. Ein wirklich interessantes Buch, nicht nur für Reisende.
    Ein paar Anmerkungen aus meiner persönlichen Erfahrung:
    Zu „Gabel mit Zinken nach unten“: das ist m.W. nur in Großbritannien üblich, und zwar grundsätzlich und nicht nur beim Erbsenessen, aber nicht in den USA. Hier dagegen gilt es als gefräßig, mit Messer UND Gabel zu essen. Man schneidet zuerst da Essen. Dafür nimmt man normalerweise Messer UND Gabel. Dann aber legt man das Messer weg und isst nur mit der Gabel weiter. Selbst wenn man einen kleinen Rest auf die Gabel befördern muss, nimmt man dazu nicht das Messer zuhilfe, sondern die Finger. Und manchmal nimmt man auch, so schwierig das auch immer sein mag, nur die Gabel zum Zerkleinern des Essens. Taschentücher werden auch hier übrigens nur sehr selten benutzt. Ich komme mir da immer unfein vor, wenn ich das, z.B. bei Tisch, (sehr diskret) tue. Hierzulande hat man gar nichts dagegen, mit lautem Geräusch die Nase „hochzuziehen“. Ebenso gilt es nicht als (besonders) unfein, mit vollem Mund zu reden oder bei Essen deutlich vernehmbar zu schmatzen.
    Alles da bestätigt den Spruch: andere Länder, andere Sitten.
    LG aus dem südlichen TTexas,
    Pit

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    • Hallo Pit,
      ja, du hast natürlich recht: die amerikanische Art, mit der Gabel zu essen, scheint sich von der britischen doch sehr zu unterscheiden. Ob jetzt die Zinkenhandhabung in den USA (Zinken nach oben / Schaufel) im Buch falsch beschrieben wurd oder ich die USA bei den Briten im rezensionsfuror eingebaut habe, vermag ich nicht mehr zusagen. Das Buch ist inzwischen entliehen und meinem Hirn entzieht sich die Lösung der Verantwortungsfrage derzeit komplett. Nase hochziehen ist ja auch so ein global völlig unterschiedlich gehandhabtes Thema, wobei ich sogar mal gehört habe, dass es besser sein soll, sie hochzuziehen statt zu schneuzen. Aber da streiten sich vermutlich die (wissenschaftlichen) Geister und ebsser, man passt sich an die jeweilige Umgebung an oder macht es wie gewohnt diskret. Und mit vollem Mund zu reden geht hoffentlich global gar nicht 😉
      Liebe Grüsse aus dem südlichen Schleswig-Holstein ins südliche Texas von
      Jarg

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      • Hallo Jarg,
        ich bin immer froh, bei meinen Auslandsaufenthalten Neues kennenzulernen. Und manchmal trete ich dabei natuerlich auch in Fettnaepfchen, so sehr ich mich auch bemuehe, das nicht zu tun.
        LG,
        Pit

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      • Hallo Pit,
        bei genauer Betrachtung sind ja alle menschlichen Regularien & Tabus nicht selten einigermaßen komisch. Sofern alle Beteiligten darüber lachen können, haben „betretene“ Fettnäpfchen ja auch etwas interkulturell Verbindendes 😉
        Liebe Grüsse von
        Jarg

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