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Jargsblog beste Scheibenwelten: Nachlese Musik 2014

Es ist nicht zu bestreiten: ich fahre insgesamt weniger Auto. Dadurch komme ich effektiv weniger zum Musikhören, was sich leider zumindest im letztem Jahr deutlich auf die Zahl der an dieser Stelle vorgestellten musikalischen Kostbarkeiten auswirkte. Das sollte sich ändern. Was sich nicht ändern wird, ist die Zahl der in der Nachlese vorgestellten CDs – gewissermaßen die Essenz der Essenz der Musikperlen des letzten Jahres. Also los:

Beginnen wir mit Dead Can Dance, die nach 14 Jahren mit „Anastasis“ ein neues Album herausbrachten. Ganz sicher eines jener musikalischen Werke, für die man sich Zeit nehmen sollte, um sie in ihrer ganzen Schönheit zu geniessen, und ein erneuter Beweis dafür, dass es die Albumkultur in der Zeit der wahllosen Songdownloads immer noch gibt. Alternative-Rock bester Sorte.

Hinein ins zerbeulte Käfer Cabrio und ab durch die Mitte auf eine Zeitreise: Die Temples transportieren auf „Sun Structures“ den Sound des Psychedelic Rock der späten 1960er, frühen 1970er Jahre, geprägt unter anderem von den Beatles in der Endphase und den Byrds auf erfrischende Weise in die Gegenwart und schaffen mit dem ganzen Instrumentarium von der fetten Orgel über das Mellotron und pittoreske Jingle-Jangle-Gitarrensounds bis hin zu den zeitgenössischen Gesangsharmonien frische Songs im Gewand der Sixties, die modern und retro zugleich klingen.

Nach langer Zeit gab es 2014 mal wieder Zeit, sich einem klassischen Album zu widmen. So fordere ich hiermit öffentlich auf, sich die „Heimliche Aufforderung“ und damit Lieder von Richard Strauss, interpretiert von Sopranistin Christiane Karg, auf die Ohrschnittstelle zu legen. Ihr ist in Verbindung mit den beiden anderen Musikern ein beeindruckendes Album gelungen, dem man ergriffen lauscht, bewegt von der Klarheit und Tiefe der Musik, berührt von der nuancenreichen Interpretation. Zuweilen wird einem ganz stille beim Zuhören – und man wird nicht müde, den unvergänglichen Lieder zuzuhören, denen Karg auf unvergleichliche Weise unvermittelte musikalische Gegenwart verleiht.

Sie waren für mich eine der Entdeckungen 2014: Angus & Julia Stone mit ihrem gleichnamigen Album. Der Folk-Blues, der für die beiden kennzeichnend ist, nimmt einen sofort gefangen und versetzt einen jäh auf einen Roadtrip fern jeglichen Alltagsunbills. Aufgenommen in den Shangri-La Studios in Los Angeles, haben sie mit dem vorliegenden Album eine wunderbare musikalische Reise vorgelegt, die zum Ende hin melancholischer, ja schwermütiger wird und einen ebenso innerlich aufwühlt wie es beglückt und wärmt. Passender Ort zum Hören: ein alter VW Country Buggy irgendwo auf dem Great Northern Highway kurz vor Sonnenuntergang.

Ja, ich weiss, die der Titel dieses Album lautet. Und genauso ist es auch. Pink Martini machen mit ihrem Album „Get Happy“ fröhlich und glücklich zugleich. Sie sind ungeheuer vielschichtig – und trotzdem sie sich aus allen möglichen musikalischen Stilen und Schubladen bedienen und eine ganze Bandbreite von Sprachen verwenden, dementsprechend auch schwer einzuordnen sind, trifft auf dieses Album die Bezeichnung Gesamtkunstwerk voll zu: ich kann mir kaum vorstellen, dass der häppchenweise Genuß der Songs den des gesamten Albums toppen könnte.

Dota, ehemalige Kleingeldprinzessin, legte mit „Wo soll ich suchen“ schon vor dem Jahreswechsel 2013/2014 ein wunderbares deutschprachiges Album vor. Nimmt man die Texte der Songs für sich, könnte man sie für vertonte Gedichte halten, so wunderbar kondensieren die Gefühle und Assoziationen in den Worten. Die Musik selbst reicht vom reduzierten akustischen Stil, bei dem man sich unwillkürlich am gedanklichen Lagerfeuer wiederfindet, bis zu größerer, in die Beine gehender Opulenz und Rhythmik. Wie nennt sie selbst ihre Musik? “Jazz/Bossa Nova-beeinflusster Liedermacher-Pop”.

Aller guten Dinge sind sieben, also steigen Sie ein: “Heart of Memphis” von Robin McKelle & The Flytones eignet sich sowohl zum gepflegten Genuss bei einem Glas Tennessee Whiskey als auch als Begleitsound bei einer Fahrt im rostigen hellblauen 1962er Ford Fairlane V8 durch die US-Südstaaten. Alternativ geht auch ein zerbeulter beigefarbener 1976er Opel Rekord mit losem Auspuff auf der Nordstrecke um den Selenter See (Schleswig-Holstein). Bei diesem Album, das einen tief in die 1960er und 1970er Jahre entführt und trotzdem erstaunlich modern ist, stimmt alles: der Gesang vor allem, dazu zu jedem Stück die richtigen Gitarrenriffs, fein abgestimmte Elektro-Orgeln, Trompete, Bass, Saxophon, Flügelhorn und die eine oder andere Geige, in jeder Hinsicht gut abgemischt von Scott Bomar, der schon Isaac Hayes und Al Green abgemixt hat.

2 thoughts on “Jargsblog beste Scheibenwelten: Nachlese Musik 2014

  1. Danke für die vielen Tipps!
    Ich habe Pink Martini live gesehen und bin total begeistert. Lebendig, energiegeladen, vielseitig und Storm Large hat eine absolut fantastische Stimme.

    Viele Grüße
    Wera

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    • Gern geschehen, liebe Wera.
      Pink Martini waren für mich eine DER Entdeckungen der letzten Jahre. Einzigartige Musik, die direkt ins Blut geht.
      Herzlich grüsst
      Jarg

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