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Die Auslöschung : Roman / Jeff Vandermeer. – (Southern-Reach-Trilogie 1)

Namen gehörten in die Welt, aus der wir gekommen waren; in Area X hatten wir alle nur eine Funktion.

Ein Forschungsteam mit vier Frauen betritt im Auftrag der Regierungsorganisation Southern Reach die sogenannte Area X, ein geheimnisvolles Gebiet, dass seit einem nicht näher bestimmten Ereignis von einer unsichtbaren Grenze umgeben scheint: die Informationen sind spärlich, aber die Natur soll sich in dem Gebiet auf ebenso faszinierende wie erschreckende Weise verändert haben und begräbt nach und nach alle Reste menschlicher Zivilisation unter sich. Die vorherigen Expeditionen waren erfolglos: entweder verschwanden sie, brachten sich gegenseitig um oder kehrten seltsam verändert zurück.

Aber viel schlimmer war dieses tiefe, mächtige Wehklagen während der Dämmerung. Der Wind vom Meer und die merkwürdige Stille des Hinterlands trübten unseren Orientierungssinn, wir wussten nicht, woher es kam, und so schien dieses Klagen in das schwarze Wasser einzusickern, das die Zypressen durchtränkte. (Zitat aus der Rezension der Klappentexterin)

Die namenlose Biologin, deren Mann sich nach Rückkehr von der Expedition stark verändert hatte und schliesslich Selbstmord beging, berichtet von der Expedition, an der sie zusammen mit einer Vermesserin, einer Anthropologin und einer Psychologin teilnimmt. Nachdem sie sich in die Area X durchgeschlagen haben, sollen sie das Gebiet kartographieren, die Tier- und Pflanzenwelt und ihre Geheimnisse erforschen und gleichzeitig erkennbare Gefahren meiden. Jede von ihnen hat ein Tagebuch zu führen mit ihren Entdeckungen und Gedanken. Dann entdecken sie unerwartet einen Turm, der eigentlich in die Tiefe reicht. Als sie sich vorsichtig ein Stück in die Tiefe wagen, entdecken sie lebende Substanzen, die Wörter an den Wänden formen, deren Sinn sich ihnen zu verschliessen scheint. Ab hier steigen die Spannungen zwischen den Protagonistinnen – und nach der nächsten Nacht spitzt sich die Lage dramatisch zu …

Jeff Vandermeer hat mit „Auslöschung“ den fulminanten Aufmacher zu einer dreiteiligen Serie geschrieben, dem man sich kaum entziehen kann. Aus der Sicht der berichtenden Biologin entfaltet sich vor dem Leser, der Leserin eine geheimsnisvolle Welt, die schon bald ihre ebenso faszinierenden wie bedrohlichen Seiten offenbart. Ich mochte „Auslöschung“ kaum aus der Hand legen: Vandermeer versteht es, einen bei der Lektüre langsam und unerbittlich in die Geschichte zu ziehen, bis man schliesslich atemlos liest und weiterblättert, obwohl und gerade weil die Geschichte zum Ende immer düsterer, befremdlicher und beängstigender wird.

Sprache, Spannungsaufbau und Erzähltechnik sind auch in der deutschen Übersetzung rundum überzeugend und heben das Buch, das auf einer tieferen Ebene den Konflikt zwischen dem zivilisierten Menschen und einer ihm entfremdeten, ausser Kontrolle geratenen Natur thematisiert, weit über die üblichen Genres hinaus. Die Vergleiche mit den intensiven Büchern von Stanislav Lem, die in manchen Rezensionen auftauchen, liegen daher durchaus nahe. Eine Geschichte, die unter die Haut geht und mit ihrer Mischung aus Science-Fiction, dystopischen Elementen und leisem Horror einen über Stunden zu fesseln vermag, bis man daraus auftaucht und es kaum erwarten kann, bald den zweiten Teil zu lesen.

Vielen Dank an die Klappentexterin, deren hervorragende Rezension mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat.

8 thoughts on “Die Auslöschung : Roman / Jeff Vandermeer. – (Southern-Reach-Trilogie 1)

      • Weise Worte! Ja, Rutherfurd (mit U) hat New York geschrieben, das ich nicht gelesen habe und bis zum Kauf von Paris nicht kannte. Bis dato gefällt mir aber London definitiv besser als Paris. (wobei das nur für die Bücher gilt, die Echt-Städte liegen gleichauf)

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      • Schätze, da werde ich mal die Zentralbibliothek anzapfen, da „meine“ kleine Bibliothek so etwas nicht im Portfolio hat. Ich kenne ja bisher nur Paris und schaue neidvoll auf alle, die schon in New York und London waren. New York wäre auch so ein Traumziel von mir nebst einigen fernen Ländern, die ich als junger Mensch besuchte und hoffentlich mit meinen Kindern nochnmal besuchen kann. Reise ich also bis dahin im Kopf mit Rutherford und anderen …

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      • Ich reise recht viel herum. Ich hatte zwei ältere Kollegen, die sich die großen Reisen für später aufgehoben haben. Der eine ist mit 52 auf der Arbeit tot umgefallen, der andere hat drei Jahre vor der Rente im Januar die Krebs-Diagnose bekommen, im Mai war er tot. Daher halte ich es mit dem Motto meiner Ex-Freundin: ich lebe jeden Tag, als wäre er der VORletzte. Der letzte wäre ungünstig, weil man da so viel zu erledigen hätte: putzen, waschen, Abschiedsbriefe schreiben etc.😉

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      • Das ist das richtige Motto …! Reisetechnisch habe ich zumindest dank lufthanseatischem Vater außerhalb Europas einiges gesehen, was mir jetzt zu bereisen mangels ausreichendem Familienbudget schwer möglich wäre. Aber nochmal Brasilien mit seinen temperamentvollen, liebenswerten Menschen oder gar zum ersten Mal nach Australien, Neuseeland zu Freunden und Verwandten, gar nach Japan, dass mich mal zehn Tage bezaubert und auf wunderbare Weise befremdet hat – das wäre schon schön. Also muss ich doch zum Jauch😉

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      • Oder die Kinder anlässlich einer Indien-Reise in eine Teppichknüpferei geben und dich anschließend selbst finden. Eineiige identische Teppiche sind bestimmt sehr gefragt. Sprich doch mal mit der Kindsmutter.🙂
        Fahrt nach Marokko. Das sind die gesamten USA auf kleinstem Raum, preiswert und ohne störende Einheimische. siehe meine Flickr-Galerien.

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      • Marokko klingt gut. Da kennt sich auch meine beste Freundin aus. Fahr ich mit erhält vor und sondiere das Zwillingsurlaubspotential und die Jungs/Mädchenkompatibilität. Das ist mal ein Plan!

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