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Über Interkontinentalflüge, Tomatensaft und die unergründlichen Wege von Dihydrogeniumoxid

Liebe Abonnentinnen und Abonnenten dieses bescheidenen Buch- und Medienblogs, meine sehr verehrten Damen und Herren, Römer, Landsleute, Hottenträger!

Heute blogge ich mal zur Abwechslung aus zehntausend Metern Höhe an Bord eines Airstuss B 0815 der deutschen Zoohansa auf dem Flug von Hamburg-Stellingen zur Kokos-Insel (Pazifik). Die beiden mächtigen Turbofloptriebwerke vom Typ FlipFlop 500x-Neo schaufeln unsere zweistöckige, luxuriös ausgestattete Maschine zuverlässig in Richtung Westen. Gerade komme ich zurück aus der Bordbar, wo ich ein nettes Gespräch mit einem amerikanischen Ölmagnaten geführt habe, schnalle mich in meinem bequemen Sitz in der ersten Klasse an und bringe die Rückenlehne in die maximalen Liegegenuß verheißende Position. Das Bordfernsehen wird uns gleich eine exklusive Preview des neuen Starwars-Films zeigen und ich warte nur noch auf den Steward, der mir einen frischen Tomatensaft bringen wird.

Da klingelt es. Verwirrt schnalle ich mich ab und erhebe mich aus meinem Flugzeugsitz, einen kurzen Blick aus dem Fenster auf Madeira werfend, das wir gerade überfliegen, und begebe mich zur Flugzeugtür. Verblüfft stelle ich fest, dass ich sie trotz des niedrigen Außendrucks und der Tatsache, dass wir uns in großer Höhe befinden, mühelos öffnen kann. Draußen hält sich ein Kurierfahrer mit wehenden Haaren an einem Griff fest und überreicht mir freundlich ein großes Paket. Ich quittiere den Empfang, wünsche dem sichtlich verdutzten Kurierfahrer einen guten Weiterflug und … wache auf.

Leider muß ich ernüchtert feststellen dass ich mich nicht auf einem Interkontinentalflug befinde. Jäh in die rohe Wirklichkeit gerissen, lege ich das Paket ab und begebe mich in den Maschinenraum. Ohne Tomatensaft und vor allem ohne den als Betriebsstoff morgens so unerlässlichen Kaffee erweist sich das als große körperlich Anstrengung. Im Wohnzimmer wartet in der dort röhrenden Maschine ein Wasserbehälter auf mich, der einmal am Tag geleert werden muß. Verblüfft stelle ich fest, dass er schon wieder halb voll ist, stelle die Maschine ab und kippe das Wasser beherzt in den Balkonkübel mit meiner Lieblingsklematis. Ein Kontrollblick an die Außenwand der Wohnung zeigt, dass sie zu trocknen beginnt.

Den roh herausgerissenen, durch das über die Fassade und die Wohnung über uns eindringende Wasser ruinierten Einbauschrank keines Blickes würdigend, begebe ich mich in die Küche zur zweiten Maschine. Die will eigentlich nichts von mir und mein prüfender Blick gilt lediglich den zwei riesigen, mit Folie zugeklebten Löchern im Versorgungsschacht und dem Schlauch, der in sie hineinführt und die Feuchtigkeit aus dem durch ein geborstenes Rohr im dritten Stock komplett nassen nassen Schacht saugt. Ich klatsche noch ein wenig Gaffa-Tape auf die sich durch den Sog sichtlich wölbende Folie und versuche, mein durch die infernalischen Maschinengeräusche gemartertes Hirn auf jene zwei wichtigen Gedanken zu fokussieren:

1. Wer bin ich?
2. Wie macht man Kaffee?

Da die Antwort zu Frage 1. in starker Abhängigkeit zur Antwort auf Frage 2. steht, erfordert es die Mobilisierung aller noch vorhandenen Kräfte meines müden Morgenhirns, um zu einer befriedigenden Antwort bei Frage 2. zu kommen. Nachdem mir auch eine halbwegs plausible Antwort auf Frage 1. gelungen zu sein scheint, obwohl ich kaum glauben kann, dass das zerknitterte Gesicht im Taschenspiegel zu mir gehört, folgen einige letztlich mehr oder weniger fruchtlose philosophische Reflexionen:

a. Welche Schlußfolgerungen über den Sinn des Lebens lassen sich ziehen, wenn einen innerhalb eines Jahres drei Wasserschäden in der Wohnung treffen, die alle eine andere Ursache haben? Die mögliche Antwort könnte sein, dass ich über magische Fähigkeiten verfüge und die Wüste grün machen könnte, weil das Wasser mir folgt. Halte das aber für unwahrscheinlich und bleibe bei meinem Beruf, auch wenn ich gerade nicht weiß, welchen ich habe. Kesselflicker? Mullenhauer??

b. Ist unsere Wohnung hydrophil? Wäre der Einbau eines aufgrund vorhandener Hydrophilie kostengünstig zu betreibenden Hammāms sinnvoll und lukrativ? Sollten wir diesbezüglich noch kurzfristig den am Montag beginnenden Komplettumbau des Bades stoppen und mit dem gerade wieder freigestellten Hartmut Mehdorn überplanen? Droht uns eine Kostenexplosion wie bei der Elbphilharmonie und wenn ja, warum nicht? U

c. Wieso ist kein Kaffee mehr da? Ich brauche dringend eine zweite Kanne! Stewart! STEWART!!!

Wir wissen nicht, ob der Ruf des frustrierten Wohnungsbesitzers nach dem Stewart erfolgreich war. Fest steht lediglich, dass die Logistikkette von Jargsblog von den Wasserschäden unbeeinflußt geblieben ist und die für die nächsten Tage geplanten Beiträge zuverlässig erscheinen werden. Darunter ist auch ein ganz besonderer Beitrag, der im Rahmen der „5 Jahre Jargsblog“ publiziert wird und am Dienstag, den 17. März erscheinen wird. Nur soviel sei verraten: es geht um die Arktis und in Verbindung damit um Totenreich und Hölle.

Sie dürfen gespannt sein. Wir wünschen Ihnen einen trockenen Tag.

Ihre Redaktion

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18 Kommentare zu “Über Interkontinentalflüge, Tomatensaft und die unergründlichen Wege von Dihydrogeniumoxid

    • Gelle!? Leider werden die Triebwerke am Dienstag wieder ausgebaut. Und im Augenblick fliegt die Maschine ohne uns auf Autopilot, da wir uns in eine Ferienwohnung auswquartiert haben. Aber der nächste Wasserschaden dürfte statistisch gesehen im Frühsommer zu erwarten sein (von August 2014 hochgerechnet). Auf mein ganzes Leben hochgerechnet dauert es allerdings etwas länger und vielleicht sind wir mit dem Thema auch insgesamt schon durch. Statistik im Alttag … 😉

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  1. Oha, Wasser, welch fieses Element am falschen Ort, zu gering temperiert oder gar verschmutzt. Ich erinnere mich an einen Abend, als bei extremem Starkregen das Rückschlagventil im Heizraum den Dienst aufgab und das Wasser aus dem überfordertem Gulli in den heimischen Keller drang. Die dortige Bodenbeschaffenheit gab weniger Anlass zur Sorge aber das bedrohliche Rülpsen aus der Toilettenschüssel im ersten Stock verunsichertere die Bewohner. Alle standen erwartungsvoll und auf der Hut darum herum, bis der 15 jährige beherzt die Spülung drückte …

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    • … was jetzt natürlich Spannung aufkommen lässt, denn was passierte, nachdem er die Spülung drückte? Das „bedrohliche Rülpsen“ setzt ja sofort die Bildmaschine der Fantasie in Gang 😉
      Zum Glück war unser Wasser sauber, da (Schaden a) aus dem Steigrohr stammend bzw. (Schaden b) gefiltert durch die Fassade eindringend. Meine Clematis bekommt das Wasser dem Trockungsgerät übrigens hervorragend – mal sehen, ob sich das auf die Blüte auswirkt und neue Ansätze in der Clematispflege hervorbringt 😉

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      • es stieg unter den entsetzten Blicken der gesamten Familie bis Oberkante Rand, kurz vor dem Überlaufen kam ein beeindruckend röhrendes SCHLUUUURRRRRPPP und alles Wasser verschwand… Zurück blieben ein höchst erleichterter Teenie samt Restfamily 😉

        Sehr schön deine positive Denke. Gefadezu vorbildlich. ;)) Eine wunderbare Clematisblüte wünsche ich dir und ein ebensolches WE.
        Band 3 Der Dragonslayerserie (The Eye of Zoltar) von Fforde übrigens gerade in der Lese und völlig hingerissen 😉

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      • Muss gruselig gewesen sein! Wer weiss, was in Flüssen so wohnt und sich derart guttural artikuliert. Verspätet meinen Dank für die WE-Wünsche! Und: Thursday-Next-6 ist der Hammer … muss man eigentlich zweimal lesen bei all den Facetten …!

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      • Der Göttergatte & mich haben bereits, auch wegen Entzugserscheinungen, zweimal gelesen. Man findet immer wieder neue Details😉

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  2. Sehr schön 🙂
    Jetzt kann man nur darüber spekulieren, warum WordPress meint, dass es sich bei „Krakauer, John: In die Wildnis : allein nach Alaska“ um einen „ähnlichen Beitrag“ handelt.

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