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Hier könnte das Ende der Welt sein : Roman / John Corey Whaley

Es sind Ferien in der öden Kleinstadt Lily in Arkansas. Für den 17jährigen Cullen Witter eine Zeit der Langeweile, nur unterbrochen von seinem Job in einem kleinen Lebensmittelladen an der Interstate 40. Er ist unglücklich verliebt in Ada, deren bisherige Freunde alle auf seltsame Art ums Leben kamen. Als ein Fremder im Ort auftaucht und behauptet, Beweise für die Existenz des als ausgestorbenen Lazarus-Spechtes zu haben, scheint die Kleinstadt von fast hysterischen Hoffnungen auf eine Erlösung aus der staubigen Bedeutungslosigkeit erfüllt zu sein: in der Hoffnung auf Touristen dreht sich plötzlich alles um den mysteriösen Vogel.

Doch mitten in dem ganzen Trubel um den Lazarusspecht verschwindet Cullens 15jähriger Bruder Gabriel spurlos und aus der Langeweile wird für Cullen Hoffnungslosigkeit: sein Bruder bleibt unauffindbar und die Polizei stellt die Ermittlungen bald ein. In den nächsten Wochen wird Cullen versuchen, seine Familie zusammenzuhalten, findet und verliert Liebe und tastet sich blind vorwärts in etwas, dass sich wie Erwachsensein anfühlt und doch keine verheissungsvolle ZUkunft zu bieten scheint. Einziger Halt ist für ihn sein Freund Lukas.

Cullen weiß nicht, dass seine Geschichte eng verwoben ist mit der des jungen Brenton, der nach Abbruch seiner vom Vater verlangten Missonsaufgabe in Afrika ein Studium beginnt, sich an der Sinnlosigkeit des Lebens verzweifelnd in den Tod stürzt und damit eine unglückliche Verkettung von Ereignissen mitverursacht.

Whaley verknüpft in seinem ersten Roman geschickt mehrere Handlungsstränge, die im letzten Drittel des Buches über Rückblenden ineinander zu greifen beginnen und zu einem äußerst überraschenden, aber durchaus offenen, für mein Empfinden hoffnungsvollen und doch zu persönlichen Interpretationen einladenden Ende führen. Dabei setzt er den Fokus stark auf Cullen Watley, der durch das Verschwinden seines Bruders von der Ödnis des Alltags in die Hoffnungslosigkeit getrieben wird und doch am Ende zu sich selbst zu finden scheint. Was zunächst wie eine klassische Coming-of-Age-Geschichte erscheint, gewinnt im Verlauf der Geschichte erheblich an Spannung und Vielschichtigkeit und changiert zwischen Melancholie und Sehnsucht, verpassten Gelegenheiten, Verzweiflung und Absurdität, gewürzt mit einem feinem Blick für die komischen Seiten des Absurden. So wird aus dem Roman mehr als eine bloße Geschichte über das Erwachsenwerden – und in Cullen spiegeln sich die Träume der Jugend und die Hoffnung auf eine zweite Gelegenheit, eine neue Chance.

Ein wunderbarer Roman, der trotz (oder gerade) wegen der verwobenen Handlungsstränge, der unerwartet miteinander verknüpften Fäden einen besonderen Reiz hat und so zu einem besonderen Leseerlebnis wird, dessen Intensität man noch lange nachspürt.

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