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Schultze gets the blues / Regie und Drehb.: Michael Schorr. Darst.: Horst Krause, Harald Warmbrunn, Karl-Fred Müller […].

Ostdeutschland, Sachsen.Anhalt, Kalibergbau. Schultze (hervorragend: Horst Krause) und seine Kollegen arbeiten tagaus, tagein. Nach der Arbeit geht Schultze in seinen Schrebergarten, zum Angeln, in die Kneipe, spielt Volksmusik (bevorzugt: Polka) auf seinem Akkordeon oder besucht seine altersverwirrte Mutter.

Dann ist plötzlich alles anders: Schultze und seine Kollegen werden in den Vorruhestand geschickt, und aus der Freizeit wird schnell Alltag und Routine. Doch während Schultzes Kumpels langsam der Trostlosigkeit ergeben, macht Schultze neue Erfahrungen.
Er hört nachts im Radio Cajun-Musik aus Louisiana und spielt sie nach. Die Musik gefällt ihm so gut, dass er sie auch auf dem Volksmusikfest seines Dorfes spielt. Aber er stösst dort mit seinem temperamentvollen Südstaatenblues auf Unverständnis und Ablehnung.

Als die Einladung des amerikanischen Partnerdorfes New Braunfels (Lousiana) eintrifft, einen Musiker zum dortigen Volksfest zu schicken, wählt man Schultze aus. Begeistert reist Schultze in die USA, nur um festzustellen, dass das Dorffest in New Braunfels auch nicht besser ist als in seiner Heimat. Er leiht sich ein Boot, fährt in den Golf von Mexiko hinaus und schliesslich in die Bayous und Sümpfe von Louisiana: dort findet er schliesslich „seine“ Musik …

Ein wunderbarer Film über den Neuanfang eines alternden, sturen Einzelgängers, der sich vom Nichts des Vorruhestandsalltags nicht einfängen lässt, sich auf zu neuen Ufern macht und – von fremden Klängen im Radio verzaubert – aus dem Traditionskäfig überkommener Volksmusik und dem Dorfeinerlei ausbricht. Es gibt nicht viel Handlung in diesem Film voller kauziger Gestalten, der fast allein von der hohen physischen Präsenz und dem subtilen Spiel von Schultze-Darsteller Horst Krause lebt. Humorvoll-ironisch setzt sich diese Tragikomödie mit festzementierten Traditionen und Klischees auseinander und seinem Protagonisten vielleicht am Ende der trautig ausgehenden Geschichte nicht das Glück, doch aber Erfüllung in der Entdeckung „seiner“ Musik bietet. Lakonisch erzählt, mit großem Respekt und Gefühl für Geräusche und Musik.

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14 Kommentare zu “Schultze gets the blues / Regie und Drehb.: Michael Schorr. Darst.: Horst Krause, Harald Warmbrunn, Karl-Fred Müller […].

  1. Was liebe ich diesen Film! Nicht nur Schultze, der allein ist derartige Ergüsse schon wert, sondern den ganzen Film, wie er aufgezogen und gefilmt ist, die Orte, die Leute, diese Kargheit … es wirkt alles so verdammt echt. Und die Geschichte ist wundertraurigschön. Danke! ❤

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  2. Pingback: Sonntagsleserin Juli 2015 – Teil 1 | buchpost

  3. Lieber Jarg,
    das ist wirklich einganz wunderbarer, berührender Film mit einem der unterschätztesten Schauspieler hierzulande. Ich mochte diese melancholische, aber unbeirrte, fast schon stoische Tatkraft, die dieser Mensch ausstrahlt. Ich will mehr Filme mit Horst Krause!!!
    Liebe Grüsse
    Kai

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    • Lieber Kai,
      es gibt defintiv viel zu wenige Filme mit Horst Krause, diesem wunderbaren Schauspieler. Dieser hier ist sicher einer seiner besten und immer wieder schön!
      Sonnige Grüße von Jarg

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  4. „Lakonisch erzählt“ ist sehr treffend formuliert. Nicht nur der Film wirkt am Anfang unglaublich leer, sondern auch das Leben des Protagonisten. Umso berührender ist dann das Ende… Definitiv eine schöne Film-Empfehlung (für die ruhigen Stunden)!

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    • Ja, der Film bezaubert – und wenn man sich darauf einlässt, ist man am Ende ganz still und bereichert. So ging es mir damals, als ich aus dem Kino kam. Und so geht es mir beim erneuten Ansehen.

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    • Und jedem von uns steckt halt heimlich ein Schultze 😉 Im Ernst: Kleiner, feiner Film mit großer Wirkung. Und sicher einer meiner absolutehn Lieblingsfilme, die ich mit in eine einsame beheizte Höhle mit Großbildleinwand nehmen würde.

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      • Ah, den wollte ich sehen. Lag auch schon bei mir. Aber da lagen noch zehn andere, von denen ich mindestens acht dann doch nicht gesehen habe … und jetzt haben wir den nicht mehr. Aber ich komme ja täglich an der Großstadtbibliothek meines Vertrauens vorbei – und da sollte der sich fischen lassen. Danke für die Erinnerung!!

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      • so gerne – cool, bin gespannt wie er Dir gefällt. Kuckst Du die Filme über deinen PC? Ich weiß immer nicht wie ich DVD´s ankuckn soll deswegen leihe ich mir keine aus. Die DVDleser im Laptop sind ganz schön laut und am ackern find ich…

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      • Ich gucke eigentlich meistens auf dem DVD-Spieler, weil es auf dem großen Bildschirm doch schöner zeit. Nur manchmal im Urlaub nutzte ich mein Blueraylaufwerk im Laptop. Läuft einigermaßen leise Bus auf das Lüftergeräusch.

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