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Der leichteste Fehler : Roman / Lisa Moore

Sie waren unverfroren gewesen. Nichts, was noch kommen würde, würde jemals mit dieser unbekümmerten Hingabe verbunden sein. Jenes altmodische Wort fiel ihm wieder ein: Abenteuer. Das Abenteuer war aus der Welt verschwunden.

Kanada, 1978. Die Aufbruchsstimmung der 1968er ist längst verblasst und einer diffusen Liberalität gewichen. Der Fischfang in der kanadischen Provinz Neufundland liegt am Boden und junge abenteuerlustige Männer lassen sich zu waghalsigen Drogenschmuggelaktionen hinreissen. David Slaney, Sohn aus prekärem Hause, der einst ein Studium begann, ist Mitte Zwanzig, als er aus dem Gefängnis ausbricht, in dem er wegen eines gescheiterten Drogenschmuggels einsaß. Sein Kumpel Hearn, der wegen eines Formfehlers und aufgrund eines guten Anwalts damals frei kam, unterstützt ihn von fern. Zusammen wollen sie nochmal ein großes Ding versuchen und zwei Tonnen Marihuana aus Kolumbien einschmuggeln.

Der erneute Versuch steht unter keinem guten Stern: der Skipper, mit dem David fahren soll, hält einen konstant hohen Alkoholpegel und weigert sich, ohne seine junge Geliebte zu fahren. Später als der Leser es erfährt, beginnt David ausserdem vage zu ahnen, dass etwas an der Tour faul sein könnte. Er scheint frei in seinen Entscheidungen zu sein und steht mehrmals kurz davor, die Sache abzubrechen, zumal er damit eine reale Chance hätte, seine Exfreundin Jennifer zurückzugewinnen.

Pattersson, ein verfetteter Mittvierziger und Polizeiseargent mit Transpirationsproblemen, sieht seine letzte Gelegenheit gekommen, zum Inspektor befördert zu werden. Ein fingierter Drogenschmuggel soll es richten. Pattersson selbst, frustriert vom Verschwinden seiner erwachsenen, über alles geliebten Tochter, zweifelt zunehmend an seinem Auftrag und vor allem an sich selbst, muss er doch auch in die Rolle eines finanzstarken Finanziers schlüpfen. Doch mithilfe modernster Überwachungsmethoden und einem weit gespannten Netz von Mittelsmännern scheint sich das Netz um die Drogenschmuggler immer weiter zusammenzuziehen.

Lisa Moore gelingt mit „Der leichteste Fehler“ ein unerhört dichter, fast beiläufig erzählter Roman von großer sprachlicher Kraft, der sich fern des auf den ersten Blick vielleicht naheliegenden Krimigenres bewegt. Sie nähert sich empathisch ihren beiden Protagonisten und lässt bald die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, um den eigentlichen Fokus des Buches klarer hervortreten zu lassen: die existentiellen Fragen des Lebens nach Liebe, Vertrauen, Freundschaft und der persönlichen Freiheit. Mit großer Präzision hält die Autorin die Empfindungen und Beobachtungen der Figuren fest und erreicht dabei mit ihrer Geschichte ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Authentizität. So sieht sich der Leser bald gefangen in diesem Buch und tief verstrickt in eine Geschichte, deren Ausgang erst am Ende in seinen ganzen Dimensionen erkennbar wird.

Ein überaus beeindruckender Roman über Kanada im Umbruch der späten siebziger Jahre zwischen Freiheit und zerbrechenden gesellschaftlichen Konventionen und Bindungen. Eine Geschichte über den Reiz der Freiheit und des Abenteuers und ihre manchmal unkalkulierbaren, manchmal absehbaren und doch in Kauf genommenen Folgen.

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