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Die Wüstensöhne – Sons Of The Desert / Regie: William A. Seiter. Darst.: Stan Laurel ; Oliver Hardy [u.a.]

Diese Gastrezension des Klassikers mit Stan Laurel und Oliver Hardy stammt von Volker von „Die Nacht der lebenden Texte“.

Komödie // „Honolulu Baby, where’d you get those Eyes?“ Stan und Ollie kehren von ihrem angeblichen Kuraufenthalt auf Hawaii zurück und sind sich nicht dafür zu schade, ihren Gattinnen vor den Haustüren ein Ständchen zu bringen. Die sind jedoch gerade nicht daheim. Der Grund ihrer Abwesenheit bedeutet Unheil für die beiden Kumpels.


„Die Wüstensöhne“: Stan und Ollie träumen vom „Honolulu Baby“

Aber von Beginn an: Beim gemeinsamen Eid des Clubs „Sons of the Desert“ zu Beginn hat Stan sogleich Bedenken: Die kalifornischen Wüstensöhne schwören feierlich, auf jeden Fall beim 87. Jahrestreffen in Chicago anwesend zu sein, Stan hat Angst, dass ihm seine Frau Betty (Dorothy Christy) den Trip in der kommenden Woche sowieso verbietet. Ollie beruhigt seinen Kumpel: Sie muss ja damit einverstanden sein: Du hast es doch geschworen! Gleichzeitig kritisiert er, Stan stehe zu sehr unter dem Pantoffel seiner Frau. Jeder verheiratete Mann sollte der absolute Herrscher sein in seinem eigenen Königreich.

„Diese Reise fällt aus!“

Ob Ollie bei seiner Frau Lottie (Mae Busch) wirklich das Heft in der Hand hat? Sehen wir weiter – ihre Reaktion: Fein, hoffentlich hast du viel Spaß, Liebling. Nach kurzer Pause: Haha – hör gut zu: Diese Reise fällt aus! Ollie soll mit Lottie ins Gebirge fahren. So viel zum Thema Herrscher im eigenen Königreich. Ein paar Vasen kriegt der Arme von Lottie auch noch über den Kopf gezimmert. Als kurz darauf Betty auftaucht – sie war auf der Jagd –, ist auch Stan so klein mit Hut.


„Die Wüstensöhne“: Wer hat hier wohl das Sagen?

Stan und Ollie verfallen auf eine List: Ollie simuliert eine Erkrankung und lässt sich vom Tierarzt (!) Dr. Horace Meddick (Lucien Littlefield) eine Seereise nach Honolulu verschreiben. Zu schade, dass Lottie ihn nicht begleiten kann – sie wird schnell seekrank. Also fährt Kumpel Stan ganz selbstlos mit. Klar, dass die beiden Wüstensöhne nun nach Chicago zum Jahrestreffen reisen und sich prächtig amüsieren. Doch dann wird’s tragisch: Das Schiff, mit dem Stan und Ollie vermeintlich von Honolulu heimkehren, wird als gesunken gemeldet. Die beiden untröstlichen Gattinnen versuchen, ihre Ehemänner auf Listen mit Überlebenden zu finden – bis sie in einer Wochenschau Aufnahmen vom 87. Jahrestreffen der Wüstensöhne in Chicago sehen …

Ab in die Regentonne

Herrlich, die beiden furiosen Gattinnen, die ihren verlogenen schlechteren Hälften die Hölle heiß machen! Wunderbar, die beiden luschigen Ehemänner, die sich in ihr Lügengebilde verstricken und nicht mehr wissen, wie sie wieder hinauskommen. „Die Wüstensöhne“ gehört zweifellos zu den besten Filmen des großartigen Komikerduos. Wir erleben die sich ankündigenden Slapstick-Missgeschicke wie den Trog mit dem heißen Fußbad, in dem erst Ollie unfreiwillig seinen Hintern platziert und daraufhin seine Frau mit ihrem Allerwertesten den Kopf von Stan hineintunkt. Es soll nicht das einzige Mal bleiben, dass Stan und Ollie nass werden: Zum Finale geht’s bei strömendem Regen vom Dach die Rinne hinab direkt in die gut gefüllte Regentonne. Zu den Höhepunkten des Films zählen die Momente, in denen einer der beiden Ehemänner großspurig verkündet, wie sehr er seine Ehe im Griff hat, um kurz darauf erkennen zu müssen, wer wirklich die Hosen an hat.

Charley Chase

In einer Nebenrolle ist Charley Chase zu sehen, der bis zu seinem Herzinfarkt-bedingten Tod 1940 mit 46 Jahren ein beliebter Komiker und Regisseur war. Chase spielt den texanischen Bruder von Ollies Ehefrau, der zufällig ebenfalls Mitglied der Wüstensöhne ist. In einer ausgelassen-albernen Szene während des Jahrestreffens in Chicago ruft Charley mit verstellter Stimme bei seiner Schwester in Los Angeles an und übergibt das Telefon alsbald an Ollie – was zu Ollies berühmtem verstörten Gesichtsausdruck führt. Ich erinnere mich, Chase in den 70er-Jahren in der ZDF-Reihe „Väter der Klamotte“ gesehen zu haben. In Hollywood hat er einen Stern auf dem Walk of Fame, bei uns ist er kaum noch bekannt.

Kurzfilm „We Faw Down“

Stan und Ollie als zwei Ehemänner, die ihren Gemahlinnen etwas vorschwindeln, um sich zu amüsieren – diese Prämisse hat auch schon der 20-minütige Stummfilm „We Faw Down“ von 1928, der zwei Jahre später in der Weimarer Republik unter dem Titel „Dick und Doof auf Abwegen“ im Kino lief. In dem Kurzfilm ist es ein Pokerabend, zu dem die beiden aufbrechen. Als Ausrede dient ein Theaterbesuch, zu dem sie ihr Boss beordert hat. Schließlich landen sie mit zwei leichtlebigen jungen Damen in der Wohnung einer der beiden. Als der rabiate Liebhaber einer der beiden auftaucht, flüchten Stan und Ollie aus dem Fenster, wobei sie von ihren Gattinnen (Bess Flowers, Vivien Oakland) bemerkt werden …


„We Faw Down“: Das Lügengebilde hält nicht stand

Auch „We Faw Down“ enthält das Motiv einer Katastrophe, die Stan und Ollies Lügengebilde zusätzlich verkompliziert. In diesem Fall brennt das Theater ab. Schöner Schlussgag: Als die beiden Ehefrauen ihre Lügenbolde aus dem Haus jagen und Ollies Liebste einen Schuss aus der Flinte abgibt, flüchten allerorten ängstliche Männer aus den Fenstern. Die auch als „Im Strudel der Gosse“ bekannte Kurzkomödie ist passenderweise im Bonusmaterial der „Die Wüstensöhne“-DVD enthalten.

Hat das euer Interesse geweckt, euch weiter mit Laurel und Hardy und anderen klassischen Filmkomikern zu beschäftigen? In Ausgabe #10 der Zeitschrift „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ widmet sich die Titelgeschichte Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold Lloyd, die Marx Brothers & Co. Der Beitrag über Laurel und Hardy stammt von mir.


„We Faw Down“: Jagdszenen in Hollywood

Veröffentlichung: 17. Juni 2010 als DVD, 16. Oktober 2009 in der 10-DVD-Box „Dick & Doof Collection 3“

Länge: 62 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Sons of the Desert
Alternativtitel: Hilfe, wir sind ertrunken
USA 1933
Regie: William A. Seiter
Drehbuch: Frank Craven, Bert Jordan, Byron Morgan
Besetzung: Stan Laurel, Oliver Hardy, Charley Chase, Mae Busch, Dorothy Christy, Lucien Littlefield, Robert Cummings
Zusatzmaterial: Kurzfilm „We Faw Down“ (20. Min.), Filminfos, Starinfos, Fotogalerie, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2009/2010 Studiocanal Home Entertainment

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http://35mm-retrofilmmagazin.de/produkt/35-millimeter-10-aug-sept-15/
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Kommentar der Blog-Redaktion: Jargsblog dankt herzlich für diese wunderbare Rezension, die Lust macht, sich den Film mal wieder anzusehen.

5 thoughts on “Die Wüstensöhne – Sons Of The Desert / Regie: William A. Seiter. Darst.: Stan Laurel ; Oliver Hardy [u.a.]

  1. Pingback: Die Klotzköpfe – Laurel & Hardy: Im Schützengraben vergessen | Die Nacht der lebenden Texte

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