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Zuhause kann überall sein / Irena Kobald & Freya Blackwood

Ein Kind, dass daheim von seiner Tante immer nur „Wildfang“ genannt wurde, muss aus der sicheren Heimat fliehen, als der Krieg kommt. Sie flieht mit ihrer Mutter in einer sicheres Land. Doch sie fühlt sich fremd, da alles anders ist: das Essen, die Tiere und Pflanzen, die Leute und sogar der Wind sind anders, sind fremd. Wenn sie draussen ist, fallen die fremden Worte über sie her wie ein kalter Wasserfall und sie scheint sich bald selbst fremd. Nur zu Hause fühlt sie noch so etwas wie Heimat, weil die dort ihre eigenen Worte hat, die sie einhüllen wie eine vertraute alte Decke.

Eines Tages geht sie mit ihrer Mutter auf einen Spielplatz, wo sie ein Mädchen anlächelt. Sie traut sich nicht zurückzulächeln – doch als sie ein andermal wiederkommt, ist auch das Mädchen wieder da. Langsam freundet sie sich mit dem Mädchen an – und bekommt von ihm jedes Mal, wenn sie sich treffen, Worte mit. Worte, die manchmal schwierig, manchmal einfach sind, bei denen sie manchmal lachen muss, wenn sie sie ausspricht. Manchmal muss sie aber auch fast weinen, weil sie sich so komisch anfühlen,, und sie sich albern vorkommt. Doch sie lernt und eines Tages wachsen auch diese zunächst fremden Worte zu einer kuscheligen ecke, die sie wärmt.

Flucht und Vertreibung sind auch im Kinderbuch immer mal wieder Thema. Irena Kobald liess sich von einer Freundin ihrer Tochter zu dieser Geschichte inspirierenden, die mit wenigen, klar gesetzten Sätzen ungemein berührend und einfühlsam die Geschichte eines Mädchens erzählt. Im Fokus steht das Gefühl der Fremdheit in dem neuen Land – und die verbindende, Geborgenheit und Trost gebende Kraft der Sprache. Zusammen mit den ausdrucksstarken Bildern von Freya Blackwood gelingt es Kobald, den Leser ganz in die Perspektive des Flüchtlingsmädchens zu versetzen und gibt so einen tiefen Eindruck davon, wie es sich anfühlt, geflüchtet und entwurzelt zu sein in einem fremden Land, dass einem zwar Sicherheit an Leib und Leben, aber zunächst keine Heimat gibt, bis durch Freundschaft und die zunehmend vertrauter werdende Sprache Trost und am Ende auch Hoffnung kommen.

Auf kindgerechte Weise vermittelt sie so, wie es sich anfühlt, auf der Flucht zu sein – und macht zugleich deutlich, welche große Bedeutung Sprache hat für die eigene Identität und die Geborgenheit: mit der „Decke“ finden Autorin und Illlustratorin eine wunderbare, eindrucksvolle Metapher dafür. Ein wichtiges, schönes Buch über Fremdheit und Freundschaft, Vertrauen und Toleranz. Für alle und ab etwas 5 Jahren.

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2 Kommentare zu “Zuhause kann überall sein / Irena Kobald & Freya Blackwood

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