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Fünf Zimmer, Küche, Sarg / Regie: Jemaine Clement ; Taika Waititi.

Neuseeland: Das Leben in Wohngemeinschaften hat ja seinen Reiz: man ist nie allein, hat immer jemand zum Abhängen oder Feiern. Aber natürlich gibt es auch Schattenseiten, die dann gerne bei der wöchentlichen WG-Besprechung zutage treten. So wie in dieser Vampir-WG: der 200 Jahre alte Jungspund Deacon hat seit fünf Jahn sein blutiges Geschirr nicht abgewaschen und gilt als etwas jähzornig und rebellisch, Vladislav, ein Adliger aus dem Mittelalter, nervt manchmal mit seinem großen Ego und dem Hang zur Dramatik. Und Viago ist zwar einerseits sehr sozial orientiert, andererseits auch sehr affektiert und pedantisch und regt sich immer gleich auf, wenn jemand seine ehemals nicht rote Couch mit Blut vollsudelt. Und dann ist da noch Petyr, 8000 Jahre alt, in seiner düsteren Kellergruft, der sich nie an den WG-Besprechungen beteiligt und schon mal ein paar Knochen rumliegen lässt.

Ansonsten aber scheinen sie ganz normale Mittdreissigerprobleme zu haben: sie ziehen nachts gemeinsam durch die City von Wellington (kommen aber leider nicht in alle Clubs rein), feiern gerne und haben auch als Unsterbliche ihre Probleme: mit der Liebe, mit Vampirjägern, den Werwölfen und den fehlenden Rauchmeldern im Haus.

Der Film kommt als Mockumentary daher: ein fiktives Kamerateam begleitet die Vampire durch ihren Alltag in einer herrlich abgeranzten Bude in Wellington, in dem die eigentlich als eher ungesellig geltenden Vampire mit größter Selbstverständlichkeit ihren traditionellen vampirischen Beschäftigungen nachgeht. Aus dieser Mischung zwischen Vampirmythos und banalem Alltag zieht der Film seinen besonderen Reiz und bezieht damit auch einen bewußten, absurd-komischen und schwarzhumorigen Gegenpol zu den romantisch überhöhten Hochglanzvampiren aus Twilight & Co. Der Witz dieser Vampirgroteske und der eigentliche Spaß daran ist die Überzeichnung bekannter TV- und Filmformate und der große Ernst, mit dem der Vampiralltag „dokumentiert“ wird. Manchmal etwas blutig, aber vor allem überdreht, skurril und herrlich komisch ist diese Filmüberraschung aus Neuseeland.

9 thoughts on “Fünf Zimmer, Küche, Sarg / Regie: Jemaine Clement ; Taika Waititi.

  1. Aufgrund deiner Besprechung den Film besorgt und mich zusammen mit Sohn vor Lachen weggeschmissen. Dem Göttergatten und -vater war es seltsamerweise zu albern, aber 2 von 3 ist schon mal eine feine Ausbeute. Merci!

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    • Nein, alles gut. Seit einer heftigen Trollattacke sind die Kommentare hier moderiert. Und auf Englisch hat der Film bestimmt noch mehr Reiz, da Synchronisationen immer Feinheiten schlucken, die es so nur im Original geben kann.
      Herzlich grüßt, freudig moderierend, der Jarg

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      • Lieber Jarg, oh, an Trolle und die durch sie nötige Moderation hatte ich gar nicht mehr gedacht! Vielen Dank für all die Arbeit, die Du mithin nicht nur in Dein Blog, sondern auch in die Moderation der Kommentare steckst! Mischa

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      • Danke schön. Zum Glück halten sich die Trolle ja in letzter Zeit fern, so dass ich nicht viel „wegmoderieren“ muss!
        Herzlich grüßt Dich
        Jarg

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  2. Ich liebe diesen Film — kenne ihn allerdings nur in der englischsprachigen Originalversion – und hab mich zwischendrin weggeschmissen vor Lachen, um im nächsten Moment fast melancholisch berührt zu sein von den skurrilen Erlebnissen der Vampire🙂 Mischa

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