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A Most Wanted Man / Regie: Anton Corbijn. Darst.: Philip Seymour Hoffmann; Rachel McAdams; Daniel Defoe […]

Günther Bachmann arbeitet bei einer Antiterroreinheit in Hamburg. Als der tschetschenische Muslim Issa Karpov in Hamburg auftaucht und durch sein Verhalten rasch Mißtrauen erregt, werden er und seine Mitarbeiter auf ihn aufmerksam. Karpov nimmt über die engagierte Menschenrechtsanwältin Annabel Richter rasch Kontakt mit dem zwielichtigen Bankier Tommy Brue auf, bei dem sein verstorbener Vater eine Menge Geld deponiert hat: Bachmann hofft deshalb, dass Karpov für ihn Mittel zum Zweck sein könnte, um endlich den sich einen redlichen Anschein gebende, wohltätigen und weltoffenen Dr. Faisal Abdullah der Terrorfinanzierung überführen zu können.

Doch auch der Verfassungsschutz hat Karpov im Visier und drängt Bachmann, Karpov festzunehmen und so einen Terroranschlag zu verhindern. Nur der Einfluss der CIA-Agentin Sullivan verschafft Bachmann, der nach einem dramatisch gescheiterten Einsatz in Beirut auf einen Erfolg hofft, noch etwas Zeit. Fieberhaft nutzt er sie, um eine Falle für Dr. Abdullah zu bauen. Dabei steht alles auf Messers Schneide, denn niemand weiß, ob Karpov nur ein Flüchtling ist oder ein gefährlicher Terrorist. Und Bachmann muss mit Intrigen des Verfassungsschutzes rechnen …

Anton Corbijn ist eine bemerkenswerte filmische Umsetzung des gleichnamigen Romans (dt.: Marionetten) von John le Carré gelungen. Neben einem herausragenden, subtil und stark zugleich spielenden Philip Seymour Hoffmann in seiner letzten Hauptrolle, der überzeugenden Rachel McAdams als idealistische Menschenrechtsanwältin und Daniel Defoe als Bankier sind in dem Film nahezu alle Haupt- und die wesentlichen Nebenrollen hochkarätig besetzt: Nina Hoss, Daniel Brühl und andere spielen stark an der Seite der großen Akteure.

Wie das literarische Vorbild thematisiert auch der Film die Tücken des „War on Terror“, der Kampfes gegen den Terrorismus, bei dem die westlichen Länder ihre Unschuld zu verlieren und die Errungenschaft der Freiheit zu konterkarieren drohen. Philip Seymour Hoffmann verkörpert mit großer Überzeugungskraft und Würde die Tragik eines Mannes, der an diesem Zwiespalt tragisch scheitert. Hamburg, das Tor zur Welt, wird am Ende zum Symbol für das Verschwinden der Freiheit in einem Kampf, der so, wie er geführt ist, nicht zu gewinnen ist und nur Verlierer kennt.

Ein tief beeindruckender Film nahe am Puls unserer Zeit, der, Spionagethriller und zeitkritischer Kommentar in einem, kühl und ausgewogen den Blick auf die Furcht des Westens gegenüber den Terror wirft, die ihn seine eigenen Errungenschaften wie Freiheit und Rechtsstaatlichkeit in einem Klima des Mißtrauen und des Verdachts zerstören lässt und nur in der Person des Hauptdarstellers und in seiner Wut und Ohnmacht die untergehende Freiheit gespiegelt sieht.

Für Hamburger ist der Film natürlich ein Muss! Corbijn lässt die Hansestadt zu einem Schauplatz werden, der sich sehen lassen kann und zeigt die Stadt in all ihren Facetten, den hellen und den dunklen. Und man vermisst ihn noch einmal schmerzlich nach diesem Film: den grandiosen Philip Seymour Hoffmann, einen der besten Schauspieler meiner Generation!

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