Startseite » Bücher » Wo die Kartoffeln auf Bäumen wachsen: 113 Tage als Matrose in der Karibik/ Nils Straatmann

Wo die Kartoffeln auf Bäumen wachsen: 113 Tage als Matrose in der Karibik/ Nils Straatmann

Es scheint so einfach zu sein: man verpflichtet sich auf einem mehr als 100jährigen Eisernen Zweimaster namens „Stahlratte“ als Matrose, schippert damit vergünstigt durch die Karibik zwischen Panama und Kolumbien und folgt damit in gewisser Hinsicht den seemännischen Spuren des Großvaters, der sich einst als Koch für eine Zeit auf Schiffen verdingte und diese Zeit niemals vergaß.

Doch für Nils Straatmann, einen 24 Jahre alten Studenten, Autor und Slam-Poeten, wird das im Jahr 2013 zu einer echten Grenzerfahrung: er lässt das „schöne Mädchen“, in das er sich gerade verliebt hat, in Deutschland zurück und findet sich bald nahezu ohne Geld an Bord des Schiffes wieder. Gänzlich ohne seemännische Erfahrung und zunächst recht unbeholfen, scheint er so gar nicht den hohen Ansprüchen und Erwartungen des raubeinigen Kapitäns „Lale“ zu entsprechen.

Zum Glück für Straatmann finden sich immer auch erfahrenere, wenn auch meist schräge „Matrosen“ an Bord der „Stahlratte“: er lernt, mit der alten Maschine umzugehen, in die Takelage zu klettern, Segel einzuholen und zu setzen, Grillabende und Landausflüge vorzubereiten und sich mit Deckschrubben und Malerarbeiten nützlich zu machen. Die Passagiere – hauptsächlich Motorradfahrer mit ihren aufs Deck zu wuchtenden Maschinen und etliche Backpacker, werden dabei zur willkommenen Abwechslung. Dazu kommen noch die wiederholten Aufenthalte auf den Palmeninseln von Kuna Yala mit ihrem indigenen und überaus freundlich Volk, in dem die Frauen den Ton angeben.

Straatmann entwickelt mehr und mehr Ehrgeiz und scheint schon bald auf dem Schiff unentbehrlich. Doch sein Ehrgeiz steht ihm bald im Weg und mit Lale bleibt es schwierig, bis es eines Tages mächtig knallt …

Straatmann erzählt packend und rückhaltlos ehrlich von seinen 113 Tagen auf See, von der Faszination des Meeres, von Haien, fast gekaperten Luxusyachten, einer bunt zusammengewürfelten und häufig wechselnden Crew mit all ihren Spannungen und von der Erfahrung, sich selbst im Weg zu stehen. Er begegnet an Bord Aussteigern und hoffnungslosen Romantikern, gescheiterten Existenzen und Lebenskünstlern. Eingeflochten in seinen Reisebericht sind Erinnerungen an seinen seefahrenden Großvater, den die See niemals losließ, und die Geschichte der „Stahlratte“, die bis in die Hausbesetzerszene der 1970er Jahre zurückreicht und eng mit Lale verknüpft ist.

Ein faszinierender, spannender Reisebericht über einen Meerestörn zu sich selbst, der den Autor spürbar verändert heimkehren ließ zu seinem „schönen Mädchen“, und zugleich in Bericht über ein ungewöhnliches Schiff und besondere Menschen.

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