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Ocean King : Was einer unter Deck erleben kann / Slimane Kader

Kreuzfahrten oder das, was man darunter üblicherweise versteht, scheinen mir ja nicht erst seit David Foster Wallaces grandiosem Buch „Schrecklich amüsant aber in Zukunft ohne mich“ wahre Höllentrips zu sein. Meine Motivation, niemals auf eine solche reise zu gehen, wurde jetzt nochmal bestärkt durch „Ocean King“ von Slimane Kader, dass die klassische Kreuzfahrt aus der Sicht des Bordpersonals beschreibt.

Kader, einer Franzose mit algerischen Wurzeln, wurde seit Veröffentlichung seines Romans „Wam“ als literarisches Talent aus den Pariser Vorstädte gefeiert. Er heuerte trotz miserabler Englischkenntnisse auf einem Kreuzfahrtschiff an und bekam aufgrund eines Mißverständnisses den wenig dankbaren Job als Joker, also jemand, der dort eingesetzt wird, wo gerade jemand gebraucht wird. Auf Kreuzfahrtschiffen scheint das der Job mit dem geringsten Prestige zu sein. Kader schildert seinen aberwitzigen Arbeitsalltag, den Kampf mit Müdigkeit, Schinderei, ekelerregenden Aufgaben und miesen Vorgesetzten.

Er wischt als Swiffer das permanent aus defekten Kesseln austretende Wasser im Desalinisierungsraum auf, assistiert bei der Kakerlakenjagd (und vor allem beim Einsammeln) im tiefsten Inneren des Schiffs, muss in der Küche beim Backen von 25000 Cookies in einer Nacht helfen. Per Zufall wird er zum Assistenten von Zauberin Brenda und ihrem Hund Flucky für die Show „Brenda and Flucky“ und muss dafür gefallen lassen, als Knochen über die Bühne gezerrt und von Flucky als Sexobjekt misshandelt zu werden. Am Ende landet er als Animateur in der Kinderbetreuung und gerät in den gefährlichen Dunstkreis von John Cooper, dem unangefochtenen und von allen beneideten und gefürchteten Star des Personals, der als Stewart die reichsten „Fatties“ 8wie die Gäste respektlos genannt werden) betreut. Das wird ihm beinahe zum Verhängnis, doch dann ….

Slimane Kader erzählt respektlos und frech von seinem Arbeitsalltag an Bord, überspitzt seine Erfahrungen mit unnachahmlicher Ironie und lässt als Objekt seines überschäumenden Humors auch sich selbst nicht aus. Zwischen den Zeilen wird deutlich, wie unmenschlich die Arbeitsbedingungen an Bord großer Kreuzfahrtschiffe sind und mit welchem absurd großen Aufwand diese schwimmenden Vergnügungsparks am Laufen gehalten werden. Sow ird das Kreuzfahrtschiff auch zu einer Metapher für den Lauf der Welt – denn wie heisst es so schön im Klappentext: „Die einen liegen auf dem Sonnendeck, und die anderen rackern auf den Ruderbänken.

Ein furioses, temporeiches und aberwitziges Buch.

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